Am Samstag, 4. Mai, gastieren der weltweit bekannte Trompeter  Ludwig Güttler und sein Blechbläserensemble in der evangelischen Kirche Altdöbern. In Vorbereitung auf das Konzert (Beginn:17 Uhr) nahm sich der Dresdner Zeit, um der RUNDSCHAU Fragen zu beantworten.

Bis zum Ende des Wiener Kongresses (1815) zählte Altdöbern mit seinem prunkvollen Barockschloss und seinem bekanntesten Bewohner, Carl Heinrich von Heineken (ehem. Direktor des Dresdner Kupferstichkabinetts), zu Sachsen. Was empfinden Sie, einen so geschichtsträchtigen Ort zu besuchen?


 Güttler Es ist natürlich immer eine Freude, in Orten zu gastieren, die durch eine gemeinsame historische Geschichte verbunden sind. Sachsen ist bekannt für seine industrielle und kulturelle Ausstrahlung, die weit zurückreicht. Es ist erstaunlich, wo sich überall Spuren finden lassen, wobei der Musik als verbindendes Element große Bedeutung zukommt. Sie vereint die Leute, führt das zusammen, was durch Grenzen getrennt wurde oder getrennt ist. Ich habe mich immer als Botschafter verstanden und glaube, mit meiner Musik immer viele Leute erreicht zu haben.

Sind darin auch junge Leute einbezogen, die heute mehr auf Hip-Hop oder Techno abfahren?

Güttler Auch die mischen sich unters Publikum. Dass sich die Jugend zu neuerer Musik hingezogen fühlt, ist völlig normal. Mitunter geht der Bereitschaft, sich klassischer Musik zu widmen ein längerer Reifeprozess voraus. Man muss den jungen Leute auch die entsprechende Zeit einräumen, sich dieser Musik zu öffnen. Ich sehe darin einen Bildungsprozess und halte es mit dem Zitat: „Wo die Ausbildung aufhört, fängt die Einbildung an.“ In Gesprächen mit Jugendlichen habe ich oft Reue vernommen, nicht früher klassische Konzerte besucht zu haben. Das war in Europa so, in Tokio oder in anderen Teilen der Welt.

Der Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche ist untrennbar mit Ihrem Namen verbunden. Bereits 1989 waren Sie Sprecher der Bürgerinitiative, die den Anstoß zum Wiederaufbau des Gotteshauses gab, das im Februar 1945 den Bombenangriffen zum Opfer fiel. Die Altdöberner Kirche benötigt dringend ein neues Dach. Welche Empfehlungen können Sie geben, um dieses ambitionierte Vorhaben zu voranzutreiben?

Güttler Mut, Unerschrockenheit, Zuversicht und etwas diplomatisches Geschick. Wenn es gelingt, Lokal- und Landespolitiker, Entscheidungsträger der Kirche und die Menschen mit ins Boot zu nehmen und einen Steuermann zu finden, der sagt, in welche Richtung gerudert wird, ist der Erfolg greifbar. Die Initiatoren müssen sich jedoch darüber im Klaren sein, dass die Situation mit einem Wagen zu vergleichen ist, den es ständig bergauf zu ziehen gilt. Bei der Dresdner Frauenkirche haben wir erfahren, dass man sich auch dadurch nicht irritieren lassen darf, wenn der Berg zwischenzeitlich noch etwas steiler wird. Und bitte versuchen Sie, Bedenkenträger und Skeptiker von Bord fernzuhalten.

Auf welche musikalischen Leckerbissen dürfen sich Konzertbesucher freuen?

Güttler Einzelne Titel zu nennen ist in diesem Fall wenig hilfreich. Nur so viel: Besucher dürfen sich auf ein abwechslungsreiches Konzert mit Beiträgen aus mehreren Jahrhunderten freuen. Zudem handelt es sich beim Blechbläserensemble um begnadete Musiker, allesamt Spitzenkönner, die es verstehen, Zuhörer in ihren Bann zu ziehen.

Mit Ludwig Güttler
sprach Uwe Hegewald