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| 02:32 Uhr

Musikalische Entdeckerfreuden beim Lübbenauer Neujahrskonzert

Zahlreich fand sich das Publikum zum Neujahrskonzert in der Lübbenauer Nikolaikirche ein.
Zahlreich fand sich das Publikum zum Neujahrskonzert in der Lübbenauer Nikolaikirche ein. FOTO: Bilderdienst-Lausitz
Lübbenau. Das Neujahrskonzert des Lübbenauer Kantatenchors versprach viel und hielt mehr: ein mitreißendes, musikalisch wohlabgestimmtes Programm, das die Zuhörer aufs Höchste vergnügte und zugleich musikalisches Neuland erschloss. Mozarts Sonaten für Orchester und Orgel, eher selten gehört, waren ein schwungvoller konzertanter Einstieg. Lothar Treder-Schmidt

In den ersten beiden Werken hat allerdings die Orgel nur dienende Continuo-Funktion, erst in der Sonate C-Dur KV 336 war ihre Rolle prominent auskomponiert und wurde prägnant, perlend und wunderbar mit der Musik mitatmend von Joao Segurado interpretiert. Dort war das Bach Consort mit dem bewährten Christian Möbius am Cembalo dann auch ganz bei sich und seinem barock-durchsichtigen Klangbild, während sich zunächst bei der ersten Sonate die klangliche Balance nicht so recht hatte einstellen wollen.

Gut die Stimmung getroffen

Melodienselig und fast volkstümlich in der Melodieführung sprach die Musik bei Mozarts Missa brevis G-Dur zu den Zuhörern sehr direkt. Sie traf in der musikalischen Charakteristik mit instrumentalen Pastorellen (Hirtenmusiken) und weihnachtlichen Anklängen auch gut die Stimmung am diesem Konzertabend zwei Tage nach dem Dreikönigstag. Mit der Missa kam nun der musikalische Hauptprotagonist des Abends zu Wort, besser "zu Klang": der Kantatenchor Lübbenau, mit subtiler wie kraftvoll strahlender klanglicher Entfaltung bei durchsichtig-homogenem Klang. Das Solistenensemble hatte eher kleinere Aufgaben, wobei Tobias Fahnert mit seinem schön timbrierten Mozart-Tenor erfreute.

Die große unbekannte und dann beglückende Entdeckung des Konzertes war Johann Christian Friedrich Bachs Oratorium "Die Kindheit Jesu". Das selten gespielte Werk wurde ein bejubelter Erfolg - der Schlussapplaus erzwang die Wiederholung der mitreißenden letzten Chornummer.

Bachs Musik der "Empfindsamkeit" ging musikalisch ebenfalls deutlich anders vor als zuvor die Musik des Barock mit ihrer Vorliebe für rational-komplexe Strukturen mit Kontrapunkt und Fugen: Bach junior entwickelt mit seinem Oratorium große Melodiebögen für die Solisten wie auch für die Chorsätze, die in ihrer Schlichtheit direkt zum Herzen sprechen und es anrühren sollten.

Gesamtleistung aller

Zu dem besonderen musikalischen Genuss der Lübbenauer Aufführung trug dabei in hohem Maße die stimmige, Ton und Gestus der Musik schlüssig fassende Gesamtleistung aller Interpreten bei: Das Cottbuser Bach Consort trug orchestral den durchsichtigen Barockklang, der in den "Himmelsmusiken" auch farbenreich aufstrahlen konnte. Für die vier jungen Solisten bot das Oratorium zwar bis auf Alt und Bass nur begrenzte Entfaltungsmöglichkeiten. Aber die jungen Stimmen erfreuten, wenn auch der weiche Sopran von Isabel Meyer-Kalis und der samtene Bass von Alexander Lust sich über die Jahre noch ein wenig gleichmäßiger in allen Lagen entwickeln werden.

Zentralstück des Oratoriums ist Marias große Dacapo-Arie mit Rezitativ. Sie wurde von der Altistin Dörthe Haring mit in allen Lagen klangschöner, sicher ansprechender und modulationsfähiger Stimme souverän und einfühlsam interpretiert. Hauptakteur und -interpret war aber letztlich vor allem der Lübbenauer Kantatenchor: Wie bisher noch in jedem Konzert bestach der Chor wieder durch weichen und doch, wenn nötig, kraftvollen-strahlenden Klang in allen Stimmgruppen, durch die Fähigkeit zu durchsichtiger wie farbreicher Klangnuancierung und durch die sichere musikalische Durchdringung der Musikstücke. Dies und wie sich die "Empfindsamkeit" und Innigkeit der Musik von dem großen Kantatenchor ins Publikum trug, erwies erneut Katharina Schröders große Chorleitungs- und Interpretationskunst.

Welch‘ Glück für Stadt und Region, dass die evangelische Kirche mit Kantorin Schröder und ihrem Partner Joao Segurado (und den vielen ehrenamtlichen Sängern) das Musikleben der Region mit so mitreißend, spannend und stimmig gestalteten Programmen bereichert - und welch‘ Genuss für alle, die dabei waren.