ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:22 Uhr

Mundart und Musik
Alles auf Spreewäldisch: Reden, „wie de Schnoabel ewachsen is“

 Die Leipsche Maika, gespielt von Spreewald-Original Marlene Jedro (hinten links), und ihr „August“ brachten die Gäste beim Mundartnachmittag in Lübbenau mit zahlreichen Anekdoten und witzigen spreewaldtypischen Geschichten zum Schmunzeln.
Die Leipsche Maika, gespielt von Spreewald-Original Marlene Jedro (hinten links), und ihr „August“ brachten die Gäste beim Mundartnachmittag in Lübbenau mit zahlreichen Anekdoten und witzigen spreewaldtypischen Geschichten zum Schmunzeln. FOTO: Philipp Brendel
Lübbenau. Im Lübbenauer Restaurant und Café „Hanschick“ erweckt die jüngste Neuauflage der „Mundart zur Kaffeezeit“ die wendische Sprache zu neuem Leben. Von Philipp Brendel

Reden, „wie uns de Schnoabel ewachsen is“ – frei nach diesem Motto ist die Spreewälder Mundart mit einem reichhaltigen Nachmittagprogramm und viel Kaffee und Kuchen an diesem Wochenende einmal mehr zu neuem Leben erweckt worden.

Frechen Witz und kecke Sprüche haben die Ur-Leiper Marlene Jedro und Manfred Kliche reichlich auf Lager. Als „Leipsche Maika“ mitsamt dem Ehemann „August“ bringt das drollige Spreewald-Pärchen in Tracht so manchen Zwist und Knatsch ihres Ehelebens auf den Kaffeetisch. Doch eigentlich sind die beiden ja ganz lieb miteinander – so gab es denn auch ein Versöhnungsküsschen von der Maika für ihren August.

Mit von der putzigen Pusch-Partie war der alte „Kawuschke“, gespielt von Joachim Jentsch, ebenfalls aus dem verschlafenen Dörfchen kommend. Er erzählte unter anderem dies: Seine Enkeltochter wollte ihn mal mit in die wilde Großstadt nehmen. Doch so eine ältere Herrschaft wie er bringe doch schon so ein paar Wehwehchen mit. So wirklich war die große Stadt nichts für den betagten „Kawuschke“. Er ging lieber wieder in sein Heimatdorf und freue sich immer wieder, wenn neue und altbekannte Leute „aufs Dorf“ kommen.

Zwischen den mundartlichen Einlagen forderte Walter Gernandt die Gäste mit seinem Akkordeon zum Mitsingen auf. Doch schnell trat wieder der „Leipsche August“ in den Vordergrund. Der Alkohol werde doch als ärgster Feind des Menschen bezeichnet – doch stehe in der Bibel: „Du sollst deine Feinde lieben“ – die Verwirrung milderte der August schnell mit einem herzhaften Schluck.

Doch an diesem Nachmittag gehe es nicht nur darum, so Marlene Jedro, Initiatorin der Veranstaltung und echtes Spreewald-Original, die Mundart in Wort und witziger Tat wieder zum Leben zu erwecken, sondern auch jene zu ehren, die sich bei ihrer Pflege über viele Jahre verdient gemacht haben.

Ein besonderes Vorbild für die Spreewälder sei die mittlerweile verstorbene Erika Haschenz, die Marlene Jedro auch liebevoll als „Mutter der Mundart“ beschrieb. Dabei werde schon seit etwa 130 Jahren kein reines Wendisch mehr gesprochen. Die heutige Mundart sei ein Überbleibsel des ursprünglich Gesprochenen. Einzelne Worte und Begriffe sowie die Sprachmelodie hätten sich erhalten: „Vieles kennt man noch aus Kindertagen“, so Jedro.

Nun müsse die Mundart weiterhin aktiv am Leben erhalten werden, fügt Manfred Kliche hinzu: „Alte Lebensgewohnheiten sollen hierbei ebenfalls gepflegt werden.“ Diesem großen Anspruch hat sich die zufällig entstanden Gruppe um die „Leipsche Maika“ verschrieben. Sie vereint die Freude daran, die gemeinsame Sprache aktiv zu leben. So geben auch „Milena“ (Monika Baumgard) und „Alina“ (Ilona Noack) aus Lübbenau sowie Hans Kohlhase aus Burg mit seiner Figur des „Puschochsen“ den Gästen einen Einblick in die Besonderheiten der Spreewälder Mundart.

Deren Pflege in Wort und Schrift hat sich das Ehepaar Christa und Siegfried Jansen aus Groß-Lübbenau verschrieben. Beide geben typische Spreewälder Einblicke aus Erlebtem und Kuriosem wieder. So eine Anekdote vom Cottbuser Bandwurm, der die Leute am Schlafen hindere, weil er so laut schreie.

Der einmal im Jahr traditionell stattfindende Mundartnachmittag erfreut nicht nur immer wieder seine Gäste, sondern soll auch weiterhin einen aktiven Beitrag leisten, die Mundart wieder lebendig unter die Leute zu bringen.