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| 02:32 Uhr

Mühle von Fürstlich Drehna geht auf Reisen

Der Kran hebt die 2,5 Tonnen schwere Welle der Bockwindmühle auf die Stützböcke des wartenden Verladehängers.
Der Kran hebt die 2,5 Tonnen schwere Welle der Bockwindmühle auf die Stützböcke des wartenden Verladehängers. FOTO: Berg
Fürstlich Drehna. Die denkmalgeschützte Bockwindmühle von Fürstlich Drehna ist seit Dienstag kopflos. Auch ihre Außenwände dürften gefallen sein. Die Mühle muss vom gesperrten Tagebaugelände weichen und wird auf dem Mühlberg neu aufgebaut. Carmen Berg

Die Verschraubungen sind gelockert. Nur noch Stützbalken, so genannte Traversen, geben der Dachhaube Halt. Daran befestigen Handwerker der Zöllmersdorfer Zimmerei Thielke Sicherungsgurte, an denen der Kran das 2,5 Tonnen schwere Dach herunterhebt. Es ächzt, als wolle es sich nicht vom Rumpf trennen. Doch alles geht gut. Die wertvolle Fracht landet sicher auf dem Verladelaster.

Wilfried Pilz vom Heimatverein Fürstlich Drehna hält seine Kamera weiter gezückt. Denn schon bereiten die Zimmerer das nächste Teil auf seine Reise vor: die Rutenwelle mit Kammrad, Wellenkopf und Bruststück. An der Welle waren die Flügel, auch Ruten genannt, angebracht, die bereits vor Pfingsten demontiert wurden. Erneut hängen 2,5 Tonnen am Kran, schätzt Seniorchef Heinz Thielke. Doch mit der Landung des Bauteils in den Stützböcken auf dem Lkw sind die Fachleute nicht zufrieden. Das sieben Meter lange Bruststück am Wellenende muss für die Überfahrt abgebaut werden. "Eigentlich sollte das auf dem Fahrzeug passieren, doch die Neigung der Welle ist nicht optimal", sagt Heinz Thielke. So muss sie nochmals an den Kran, während ein Traktor das Dach bereits vom Gelände zieht. "Es ragt zu beiden Seiten ein gutes Stück über die Seiten des Hängers hinaus ", erklärt Heinz Thielke. Im Ortskern von Fürstlich Drehna gelten wegen der Transporte bis zum heutigen Mittwoch Halteverbote für den übrigen Verkehr.

Wilfried Pilz vom Vorstand des Heimatvereins sieht den Umzug auf den Mühlberg mit Freude, wie er erzählt. So werde die bewegte Geschichte des Bauwerkes ihr gutes Ende finden, sagt er. Die mehr als 200 Jahre alte Mühle hatte ursprünglich nur noch als Fragment in Schiebsdorf gestanden, wo sie Wilfried Pilz entdeckte. Seine Rettungsidee fiel beim Heimatverein von Fürstlich Drehna und bei den Luckauer Kommunalvertretern auf fruchtbaren Boden. 1993 habe das damalige Amt Luckau die Mühle gekauft. "Mit der Maßgabe, dass wir uns als Verein für den Wiederaufbau einsetzen und sie öffentlich zugänglich machen", blickt Wilfried Pilz zurück. Schon damals restauriert von den Zöllmersdorfer Zimmerern, wurde die Bockwindmühle zum Mühlentag 2001 feierlich eingeweiht. Zehn Jahre war sie Ziel für Gruppen, Touristen und Schulklassen. Dann sperrte der Bergbausanierer LMBV die Kippenflächen des ehemaligen Tagebaus Schlabendorf Süd wegen der Rutschungsgefahr durch das aufsteigende Grundwasser. Die Mühle stand plötzlich auf verlorenem Posten. Stadt, Bergbausanierer und Verein fanden jedoch eine gemeinsame Lösung. Unter strengen Sicherheitsauflagen wird sie abgebaut und umgesetzt. Die Kosten übernimmt der Bergbausanierer.

"Demnächst hebt der Kran noch die Außenwände ab", sagt Holzfachmann Axel Schmidt, der für die Stadt Berater vor Ort ist und für den Denkmalschutz jedes Teil vor dem Umzug dokumentiert. Zum Schluss fertigt er eine genaue Zeichnung an. Dadurch sei auch in der Zukunft ein originalgetreuer Wiederaufbau der Bockwindmühle jederzeit möglich, erklärt er. Heimatverein und Fürstlich Drehnaer hoffen, dass der jetzige dritte Umzug der letzte bleibt. Größere Bauteile werden auf dem Mühlberg bis zum Wiederaufbau zwischengelagert, kleinere gehen in die Werkstatt zur Reparatur. Zum Brandenburger Dorf- und Erntefest am 13. September sollen sich die Flügel der Bockwindmühle am neuen Standort drehen.