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| 15:01 Uhr

Pferde in Aktion
Titanen im Lausitzer Forst

 Acht Einspänner traten an, darunter Marie Körner (26) aus Marienwerder (Barnim) mit Wallach Hakon.
Acht Einspänner traten an, darunter Marie Körner (26) aus Marienwerder (Barnim) mit Wallach Hakon. FOTO: Uwe Hegewald
Muckwar richtet Landesmeisterschaften im Holzrücken aus. Von Uwe Hegewald

So mancher Zuschauer kam am gestrigen Sonntag aus dem Staunen nicht mehr raus. Einige wenige Worte oder ein kurzes Ziehen am Zügel genügen, um mit der Kraft von einer oder zwei Pferdestärken (PS) wuchtige Baumstämme über den Waldboden zu ziehen. „Die Kaltblüter mit ihren robusten Körpern eignen sich besonders für Arbeiten in der Forstwirtschaft“, erklärt Klaus-Peter Fitzner, 2. Vorsitzender der Interessengemeinschaft Zugpferde (IGZ) des Landesverbandes Berlin-Brandenburg. Zum zweiten Mal richtet der Verband eine Landesmeisterschaft im Holzrücken in Muckwar (Gemeinde Luckaitztal) aus. „2016 waren wir schon einmal hier und von der Organisation und dem flüssigen Verlauf der Veranstaltung beeindruckt“, so Fitzner. Im selben Atemzug nennt er den Motor des Stelldicheins der Kraftpakete auf Hufen: Familie Frank Trogisch. In der Brust des Familienoberhauptes und Landwirts schlage ein Pferdeherz, sagen Wettkampfteilnehmer, die aus nahezu allen Teilen des Landes angereist sind.

„Insgesamt haben sich acht Einspänner und fünf Zweispänner angemeldet“, so Trogisch, der als IGZ-Vorsitzender ein besonderes Interesse daran hat, die Arbeit mit Pferden wach zu halten und einem breiten Publikum zu präsentieren. Pferden bei der Arbeit im Wald zuzusehen käme einem Glücksfall gleich. Das Miteinander von Pferd und Mensch hingegen beruhe nicht auf Glück, sondern auf jahrelangem Training.

 Vor Beginn der Landesmeisterschaften im Holzrücken versammelten sich Teilnehmer und Jury zu einem Gruppenfoto.
Vor Beginn der Landesmeisterschaften im Holzrücken versammelten sich Teilnehmer und Jury zu einem Gruppenfoto. FOTO: Uwe Hegewald

„Ab einem Alter von sechs Jahren können die Tiere in die mühsame Arbeit eingebunden werden. Dann besitzen sie die entsprechende Kondition und reagieren auf Kommandos“, bemerkt Klaus-Peter Fitzner. Gut ausgebildete Zugpferde hätten auch ihren Preis. „4000 bis 5000 Euro musst du schon hinblättern“, bestätigt Dietrich Wesebaum aus Friedrichsfelde (Schorfheide). Er zählt zu den Brandenburgern, die die Zugpferde-Bibel auswendig kennen. Mit einem vierten Platz bei Deutschen Meisterschaften hat er einen Podestplatz knapp verfehlt, zählte am gestrigen Sonntag aber zum engeren Favoritenkreis.

Was den Gespannen abverlangt wird, ist beachtlich. Stämme müssen vorwärts und rückwärts gezogen oder über einen quer liegenden Stamm in Waage gebracht werden. „Als ein anspruchsvolles Element gilt das Poltern, bei dem Baumstämme aufgestapelt werden. Bei nicht exaktem Ablegen oder Zeitüberschreitung droht Punktabzug“, macht Klaus-Peter Fitzner klar. Hier zeige sich, auf welcher Ebene Pferd und Mensch miteinander kommunizieren, sagt er. Nervosität übertrage sich auf das Pferd. Der Parcours werde immer wieder neu aufgebaut, ohne dabei auf Standard-Elemente zu verzichten.

In der Regel seien es Berufs-Holzrücker, die mit den Gegebenheiten am besten zurechtkämen. Insbesondere bei einer naturnahen Forstwirtschaft werde auf Rückepferde zurückgegriffen, die selbst in unwegsamem Gelände keine Rückegassen benötigen. „Ein großer Vorteil ist das bodenschonende Arbeiten gegenüber schweren Forstmaschinen“, so Klaus-Peter Fitzner. 

Die erste Liga der Holzrücker spiele in Bayern und Baden-Württemberg, Gespanne aus Berlin-Brandenburg befinden sich im Mittelfeld, so der IGZ-Vizechef, ohne das Können der Landsleute unter den Scheffel zu stellen. Was die märkischen Pferdeexperten draufhaben, hätten sie bei „Titanen on Tour“ 2018 bewiesen, als sich acht Planwagen von Brück auf den 2300 km langen Weg ins russische Weliki Nowgorod machten. „Für die Teilnehmer ein Erlebnis, von dem sie noch ihren Enkeln erzählen werden“, so Fitzner. Der IGZ-Verband Berlin-Brandenburg hatte das Projekt finanziell und personell unterstützt, bei dem auf einem Abschnitt auch Frank Trogisch auf dem Kuschbock saß.