Von Daniel Preikschat

Maik Wunderlich kommt kaum hinterher. Jürgen Müller ist mit Rollator schneller als der Mann von der Verkehrswacht zu Fuß. Slalomstrecke und Kippbrett sind für den Senioren kein Problem, über das leichte Hindernis, eine gefaltete Plane, fegt er drüber weg, über den Holzbalken hebt er seinen Rollator einfach drüber. „Wofür brauchen Sie eigentlich einen Rollator“, fragt ihn der Mann mit der Warnweste.

Die meisten anderen Senioren indes, die sich mit ihren Rollatoren über die Verkehrswacht-Prüfungsstrecke im Innenhof der Seniorenresidenz in Calau bewegen, können die Hinweise von Wunderlich und seiner Kollegin Jenny Scholz gut gebrauchen. „Immer schön Zeit lassen“, das ist schon mal der erste gute Rat. Das gelte auf Gehweg und Straße genauso wie in der Bahn, wo man sich während der Fahrt tunlichst nicht auf den Rollator setzen sollte. Mit festgestellten Bremsen abstellen, selbst aber auf einem der Zugsitze Platz nehmen, so sei es richtig.

Viel Erklärungs- und Vorzeigebedarf haben Wunderlich und Kollegin Scholz in Calau vor allem am Holzbalkenhindernis, mit dem ein Bordstein simuliert wird. Der Rollatornutzer sollte aufrecht zwischen den Griffen stehen. Dann den Fuß ans Hinterrad, die Bremsen anziehen, die Vorderräder anheben. Mit dem Oberschenkel kann leicht nachgeholfen werden. Leichter freilich geht das mit Rollatoren, die eine Ankipphilfe haben und nicht viel wiegen. Die aber sind für die 70 Euro, die Krankenkassen den Senioren auf Hausarztrezept zuzahlen, nicht zu haben, so Martin Boslau von der Reha-Center Steffan OHG. Am Tag der offenen Tür in der Calauer Seniorenresidenz der M.E.D. Gesellschaft für Altenpflege durfte das Lübbener Unternehmen dort seine Modellpalette vorstellen. Für 70 Euro, so Boslau, gebe es nur das Standardmodell mit Stahlrahmen in der Einheitsfarbe grau. Deutlich leichtere Alu-Rollatoren mit besagter Ankipphilfe und geringem Faltmaß kosten ihre 100 Euro, teils bis zu 300 Euro. Da müsse der Kunde dann zuzahlen. Die teuersten Rollatoren aus Carbon oder solche mit luftgefüllten Reifen, die für Feld- und Waldwege geeignet sind, kosten noch mal mehr. Es gebe auch Indoor-Rollatoren, die schmaler sind und mit denen man an der Küchenzeile arbeiten kann. Boslau und seine Kollegen verkaufen in Cottbus zunehmend mehr Rollatoren. Jede dritte Senior, schätzt der Fachmann, hat in Cottbus schon einen. Es werde viel Wert nicht nur auf Funktionalität, sondern auch auf Optik gelegt und die Farbe, fast wie beim Autokauf. Kerstin Lehmann vom Sozialdienst der Seniorenresidenz in Calau sieht jedoch einen Unterschied zwischen Senioren in der Stadt und in ländlicher Region. In Dörfern sei die Hemmschwelle deutlich höher, sich einen Rollator anzuschaffen als in einer Stadt wie Cottbus, wo es sich etwas anonymer lebt, aber auch die soziale Kontrolle nicht so groß ist.

Im Innenhof der Calauer Seniorenresidenz merken auch einige der älteren Damen und Herren, dass man mit dem guten Rollator von der Verkehrswacht besser vorankommt. „Hier nehmen Sie mal unseren hier, das ist der Ferrari unter den Rollatoren“, sagt Mike Wunderlich. Geht es nach dem Verkehrswächter, müssten alle Rollatoren serienmäßig das bieten, was derzeit nur die teueren Modelle auszeichnet.

Die Teilnehmer am Rollatortraining bekommen an diesem Tag jedoch nicht nur praktische Tipps mit auf den Weg nach Hause oder zurück ins Betreute Wohnen. Sie bekommen von Verkehrswacht-Mitarbeiter Henry Schramm auch alle einen Rollator-Führerschein mit Stempel und Unterschrift. „Am Kurs Sicher mit dem Rollator teilgenommen“, steht darauf. Und: „Ein Übungsparcours wurde erfolgreich absolviert.“