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Mittendrin das Hoffnungskreuz

26 Osterreiter verlassen im Beisein Hunderter Zuschauer den Vorplatz der Zerkwitzer Kirche in Richtung Kleeden.
26 Osterreiter verlassen im Beisein Hunderter Zuschauer den Vorplatz der Zerkwitzer Kirche in Richtung Kleeden. FOTO: B. Marx/bdx1
Lübbenau. Zum 18. Mal sind die wendischen Osterreiter unterwegs gewesen. Mit einer stillen Prozession brachten sie am Ostersonntag die Botschaft von der Auferstehung Jesu Christi in die sieben Dörfer des Zerkwitzer Kirchensprengels. Hunderte Einwohner und Zuschauer hießen sie willkommen. Kleine Hoffnungssträuße wurden verteilt. Bernd Marx

Aufregung am Ostersonntagmorgen auf dem Reiterhof von Marlies und Jürgen Sergel im Lübbenauer Ortsteil Zerkwitz. Die bange Frage war, ob sich alle 26 Pferde in kürzester Zeit aneinander gewöhnen? Jessica Holzheimer und Melanie Schapp aus dem Vetschauer Ortsteil Raddusch sowie Susanne Brangenberg und Svenja Schorten aus Hindenberg waren Debütantinnen des Umrittes. Und auch Janett und Csabo Szilagyi aus Mittenwalde (LDS) hatten sich mit ihren Pferden "Anton" und "Kabu Khan" sowie der Hündin "Emma" zum ersten Mal in die große Reiterschar eingereiht.

Anne Kossatz aus Lübben-Steinkirchen, Steffi Blaschke aus Groß Klessow, Anja Wolk aus Cottbus und Franziska Remis aus Wilmersdorf waren dem Ruf zum Osterreiten schon öfters gefolgt. Mit dem Eintreffen der alten "Hasen" wie Juliane Burisch aus Ragow, Kathleen Zerpka aus Stennewitz und Marie Jurischka aus Berlin trat dann endgültig Ruhe bei allen auf der Koppel Versammelten ein.

Über 500 Einwohner und Gäste hatten sich bei strahlendem Sonnenschein vor der Zerkwitzer Kirche eingefunden, die die geschlossene Reiterformation sehnsüchtig erwarteten. "Ich habe gleich alle 200 Touristen von vier Reisebussen aus Niedersachsen zum Zerkwitzer Osterreiten gelotst", meinte freudestrahlend Reiseleiter Karl-Heinz Neumann aus Ragow. Im Beisein der Zuschauer übergaben Konfirmanden die zwei weißen Kirchenfahnen mit dem roten Kreuz an Isabell Werban aus Raddusch und Wolfgang Philipp aus Krimnitz sowie das grüne Hoffnungskreuz an Vanessa Siemer aus Lübbenau. Mit dem Auftrag von Pfarrer Michael Oelmann vor der Zerkwitzer Kirche, die Osterbotschaft von der Auferstehung Jesu Christi zu den Menschen im Zerkwitzer Kirchensprengel zu tragen, machten sich die 26 Reiterpaare auf den 15 Kilometer langen Weg. "Der Anblick des Trosses ist immer wieder herrlich anzusehen", erklärte die 77-jährige Elsbeth Zimmermann aus Lübbenau, die bisher kein einziges Osterreiten ausgelassen hatte. Das zarte Grün an den Büschen und Bäumen sowie das Gelb der Forsythien bildete einen auffälligen Kontrast zum schwarz-weiß gekleideten Reitertross, als sie über die Dörfer Zerkwitz und Kleeden die Lindenallee passierten.

Über Klein und Groß Beuchow wurde alsbald der Weg nach Klein Radden eingeschlagen. Hunderte Zuschauer säumten mit Fotoapparat und Videotechnik den Weg. Beifall und Kirchenmusik, Osterwünsche und Worte aus dem Markus-Evangelium empfingen die christliche Reiterschar in Klein Radden. "Das Osterreiten ist das schönste Geburtstagsgeschenk für mich", so die Ragowerin Waltraud Scherz eine halbe Stunde später.

Sie feierte vor ihrem Grundstück an diesem Tag ihren 84. Geburtstag. Nicht weniger Freude wenige Augenblicke danach am geschmückten Osterbogen in Ragow. Freudestrahlend nahm die zwölfjährige Nikola Jordan aus Caputh bei Potsdam den Osterkrug entgegen. Für etwa eine Stunde war der Dorfanger "Am Trinka" dann Pausenplatz für den Reitertross. Eine Mittagsandacht, Ostermusik der Bläsergruppe "Intrada" und gesellige Gesprächsrunden verkürzten die Wartezeit aller Versammelten. Am Krimnitzer Osterbogen, alle 50 Mitglieder der Feuerwehr-Löschgruppe bildeten ein Ehrenspalier, wurde es noch mal spannend. Wer bekommt den blauen Osterkrug überreicht? In diesem Jahr war Zoe Perka (12) die Glückliche. Mit dem nochmaligen Umritt der Zerkwitzer Dorfkirche wurde der Schlussakkord für das 18. Wendische Osterreiten eingeläutet.