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| 13:13 Uhr

Calau feiert
Mit Zuckertüte zum Karussell

Bellas Tanzstudio zählt längst zur festen Größe bei den Calauer Stadtfesten: Die Choreografin Jenny „Bella“ Reichert ist in Calau aufgewachsen und kehrt gern mit ihren Sprösslingen in die frühere Heimatstadt zurück. Insgesamt gaben sieben Lübbenauer Tanzformationen eine Kostprobe ihres Könnens.
Bellas Tanzstudio zählt längst zur festen Größe bei den Calauer Stadtfesten: Die Choreografin Jenny „Bella“ Reichert ist in Calau aufgewachsen und kehrt gern mit ihren Sprösslingen in die frühere Heimatstadt zurück. Insgesamt gaben sieben Lübbenauer Tanzformationen eine Kostprobe ihres Könnens. FOTO: Uwe Hegewald
Calau. Im Gleichschritt: Stadtfest und Schulanfang gefeiern Terminkollision. Von Uwe Hegewald

Der Zahlenkombination ist es zu verdanken, dass viele Calauer den 18.8.18 ein Leben lang nicht vergessen werden. In erster Linie Abc-Schützen, die am Samstag den Start ins Schulleben vollzogen haben. Einige nutzen möglicherweise die Gelegenheit, sich von der familiären Atmosphäre zu trennen, um ins Stadtzentrum zu eilen. „Schuld“ daran hat Marcus Sperlich vom gleichnamigen Schaustellerbetrieb, der mit einer Rabattaktion aufwartete: „Alle Kinder, die am Samstag mit einer Zuckertüte vorbeischauen, bekommen eine Gratisfahrt – egal für welche Fahrattraktion sie sich entscheiden“, kündigte der 37-Jährige bereits am Freitag an.

Dort richtete der Forster, der seit 17 Jahren für Rummel auf den Calauer Stadtfesten sorgt, seinen Appell an die Teilnehmer der Senioren-Kaffeetafel. Die zählt ebenso zur festen Größe des mehrtägigen Volksfestes wie Livemusik, das Treffen der Line Dancer mit DJ Goldi, das Anstechen eines Fasses Freibier, offene Museen, Festgottesdienst oder der Auftritt der tanzenden Botschafter aus dem benachbarten Lübbenau. „Calau ist die Heimatstadt unserer Tanzlehrerin Bella. Wir freuen uns jedes Mal, wenn wir wieder eine Einladung erhalten und beim Bühnenprogramm mitwirken dürfen“, sagen Gina Clemens und Susi-My Böhme, die am Samstag ihre „Chefin“ vertreten. Jenny „Bella“ Reichert muss aus gesundheitlichen Gründen passen, wird aber von ihrer Mutter Beate Reichert über den Auftritt der sieben Tanzgruppen informiert. „Das habt ihr alle ganz toll gemacht“, bringt die Vorsitzende der Calauer Fanfaren ihre Bewunderung zum Ausdruck. Über 40 Mädchen und Jungen bringen das Parkett im Festzelt zum Beben. Beifallsorkan. Als Revana Lidia vom gleichnamigen Calauer Fit by Dance-Projekt ihre Zöglinge auf den Tanzboden delegiert, wiederholt sich die Szenerie.

Er füllt mit seiner Musik sogar zur Senioren-Kaffeetafel das Tanzparkett: Sänger und Entertainer Andreas Schenker, der wohl selbst nie an einer Seniorenfeier teilnehmen darf, denn der Boblitzer ist an einem 29. Februar geboren, darf nur alle vier Jahre Geburtstag feiern und wird somit wohl nie das Rentenalter erreichen.
Er füllt mit seiner Musik sogar zur Senioren-Kaffeetafel das Tanzparkett: Sänger und Entertainer Andreas Schenker, der wohl selbst nie an einer Seniorenfeier teilnehmen darf, denn der Boblitzer ist an einem 29. Februar geboren, darf nur alle vier Jahre Geburtstag feiern und wird somit wohl nie das Rentenalter erreichen. FOTO: Uwe Hegewald

Im rund 400 Meter entfernten Calauer Infopunkt ist von den rauschenden Vorgängen auf dem Marktplatz nichts zu hören. Dennoch vernehmen die dortigen Damen eine spürbare Aura, die die Cottbusser Straße hinunterfließt. Marion Goyn, Geschäftsführerin der Wohn- und Baugesellschaft Calau mbH, und Kay Kalz von der Agentur für Arbeit Lübbenau stehen Interessierten zur Verfügung, die Calau zum Lebensmittelpunkt etablieren wollen. Insbesondere geht es um Rückzugswillige, die sich noch immer mit der alten Heimat verbunden fühlen. „Es ist der dritte Rückkehrtag, den wir gemeinsam gestalten. Vorausgegangen ist eine umfassende Werbekampagne mit mehr als 5000 verteilten Postkarten und 5000 Flyern“, informiert Marion Goyn. Wie ihr Mieter mitgeteilt haben, hätten diese die Karten an ihre Pinnwand geheftet und dem „geflüchteten“ Nachwuchs erklärt, dass diese solange hängen bleiben, bis sie wieder nach Calau zurückkehren.

Die WBC-Geschäftsführerin ist sich im Klaren darüber, dass das ohne entsprechende Gegebenheiten nicht passieren wird. „Aber wir können punkten: mit Wohnungen, mit verfügbaren Kita- und Hortplätzen, einem regen Vereinsleben in der Stadt und den Ortsteilen aber auch mit überschaubaren Entfernungen zu den Metropolen Berlin (88 km) oder Dresden (82 km).“

Kay Kalz verweist auf das Angebot von über 300 freien Arbeitsstellen. „In fast allen Berufsgruppen und nicht nur im Niedriglohnsektor“, betont sie. Den Rückkehrtag ins Stadtfest zu integrieren, kommt nicht von ungefähr, gilt das Fest doch als Besuchermagnet – auch für ehemalige Einwohner der Stadt. Das dritte Augustwochenende gilt dabei als fester Termin, den sich Besucher über Jahre im Voraus in ihre Kalender eintragen können. Der Besucheransturm gibt den Machern recht, bei denen die Fäden beim inzwischen zum Wotschofska-Wirt erhobenen Torsten Teichert zusammenlaufen.

Dass sich die Veranstaltung ebenso mit dem Schulanfang und einem Zahlenkombinations-Datum wie dem 18.8.18 verknüpfen lässt, bleibt dabei als interessante Erkenntnis der Durchführung anno 2018 zurück.