Vielleicht waren es der Glühwein und die Kekse, die die Besucher so zahlreich gelockt haben. Auf jeden Fall aber war es Neugier. „Klar“ , sagt eine rüstige Dame, „so etwas schaut man sich doch an.“ Dann verschwindet sie im Bad, wo es teilweise weder rückwärts noch vorwärts geht - Hochbetrieb in Bad und WC. Die Leute drängen und schieben, werfen einen prüfenden Blick in jeden Winkel des Raumes. "Doch", sagt die rüstige Dame, "das gefällt mir. Ich könnte mir durchaus vorstellen, in einer solchen Wohnung zu leben."
Es ist eine Musterwohnung, in die die GWG eingeladen hat und in der sich die Besucher drängen. "Wir reagieren auf den demografischen Wandel", sagt GWG-Vorstandsmitglied Jürgen Busch und erklärt: "Die Menschen werden immer älter. Wir wollen, dass sie möglichst lange in ihren eigenen vier Wänden wohnen können."
Mit der Musterwohnung in der Hartmannsdorfer Straße soll gezeigt werden, was möglich ist. Dafür wurde die Wohnung im Grundriss verändert und speziell auf die Bedürfnisse älterer Menschen zugeschnitten. Aus einer normalen Drei-Zimmerwohnung ist eine bedarfsgerechte Zwei-Zimmerwohnung mit durchgängig schwellenlosem Fußboden entstanden.
Schon der Flur bietet viel Bewegungsfreiheit. Aus den beiden "Schläuchen" Küche und Bad ist ein großzügiger Sanitärraum entstanden. Neben dem Toiletten-becken ist ein Handgriff an der Wand befestigt. Ein älterer Herr prüft die Festigkeit und sagt: "Schön stabil, da kommt man wenigstens gut wieder hoch vom Klo. Ich hab's nämlich im Rücken." Dass das Toilettenbecken zudem noch erhöht wurde, sieht er erst auf den zweiten Blick.
Zwei Armlängen weiter drängeln sich Leute in der Dusche. Der Vorhang ist zurückgezogen und gibt den Blick frei. Eine Sitzmöglichkeit ist an der Wand montiert. Das anstrengende Ein-und Aussteigen aus der Badewanne gibt es hier nicht. Dafür Reaktionen der Gäste. Die reichen von "prima gelöst" bis "eine Wanne ist mir lieber". "Wir machen ein Angebot, unterbreiten Vorschläge", sagt Jürgen Busch. "über individuelle Lösungen kann man reden."
Im ehemaligen Kinderzimmer ist eine geräumige Wohnküche entstanden. Im Flur steht ein kleiner Tisch mit Info-Material und einer Liste. Dort tragen sich die Leute ein, die Interesse an einer Seniorenwohnung haben. Ein paar Besucher sind das. "Mit denen nehmen wir Kontakt auf und schauen dann gemeinsam, was möglich ist", erklärt Busch. In Serie will die GWG die Seniorenwohnung nicht bauen. "Ein Umbau ist ohnehin nur in einer leeren Wohnung und anfangs aus technischen Gründen auch nur im Erdgeschoss möglich." Bis zu 40 000 Euro jährlich habe die GWG dafür vorerst in ihren Haushalt eingestellt. "Wir wollen alters- und behindertengerechten Wohnraum aber nicht auf Vorrat anlegen", sagt Busch. "Der genaue Bedarf lässt sich ohnehin nicht planen."