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| 16:40 Uhr

Verein für Hörgeschädigte plant Tag des Hörens
Mit Hörprothese zurück ins Leben

Sylke Bärbock war vollständig taub und kann dank der Hörprothesen wieder hören. Gemeinsam mit ihrem Partner Gregor Obst und dem Verein „Seelsorger der Ohren“ will sie das Thema stärker in die Öffentlichkeit bringen.
Sylke Bärbock war vollständig taub und kann dank der Hörprothesen wieder hören. Gemeinsam mit ihrem Partner Gregor Obst und dem Verein „Seelsorger der Ohren“ will sie das Thema stärker in die Öffentlichkeit bringen. FOTO: Rüdiger Hofmann
Calau. Calauerin ertaubt vollständig und plant mit Verein „Seelsorger der Ohren“ Tag des Hörens. Von Rüdiger Hofmann

Das Jahr 2012 wird Sylke Bärbock aus Calau nie vergessen. In dem Jahr ertaubt die inzwischen 48-Jährige vollständig. Ein Innenohrtumor ist der Auslöser. Dieser führt zunächst zu einer einseitigen Taubheit, dann zum vollständigen Hörverlust. „Für mich war das der Absturz aus einem normalen Familienleben“, erinnert sich die Sozialpädagogin. Ihre Partnerschaft wird belastet, es kommt zu Missverständnissen, eine gewöhnliche Kommunikation ist nicht mehr möglich. „Von heute auf morgen hat sich alles verändert“, bestätigt ihr Lebenspartner Gregor Obst. Ein Hörgerät kann da nicht mehr helfen.

Doch Sylke Bärbock gibt nicht auf. Sie nimmt Kontakt zu einer Spezialklinik für Hörgeschädigte in Bad Nauheim auf. Dort bekommt sie die Chance auf ein neues Leben: Mittels Operation implantieren die Fachärzte ihr ein „Cochlea Implantat“. Das System besteht aus einem Mikrofon, einem digitalen Sprachprozessor, einer Sendespule mit Magnet und dem eigentlichen Implantat. Diese Hörprothese ist vergleichbar mit einem Minichip, der akustische Signale aufnimmt und in elektrische Impulse umwandelt. Das Gehirn verarbeitet diese dann, sodass der jeweils Betroffene auf eine gewisse Art – wenn auch verzerrt – wieder hören kann. So auch Sylke Bärbock. „Mein Leben war im Keller und nun plötzlich gerettet“, so die mehrfache Mutter.

Das Wissen um diese Rettung will Sylke Bärbock teilen. Sie schließt sich mit Familienmitgliedern, Freunden und anderen Betroffenen zu einer Selbsthilfegruppe zusammen und gründet im Oktober 2016 aus dieser heraus den Verein „Seelsorger der Ohren“. „Wir verstehen uns als Helfer für Menschen mit Hörstörungen, Tinnitus, Schwindel und anderen Handicaps“, erklärt die Vereinsvorsitzende. „Uns geht es auch um das weitere Bekanntmachen der implantierbaren Hörsysteme, das Sensibilisieren von ambulanten Ärzten im ländlichen Raum und um das Ringen für Inklusion und Barrierefreiheit für Hörgeschädigte.“ Über Schwerhörigkeit oder Gehörlosigkeit wird kaum gesprochen, die Schamgrenze Betroffener ist sehr hoch, zumal es sich um ein „unsichtbares Handicap“ handelt. Das kann zu psychischen Belastungen, schlimmstenfalls zur absoluten Isolation führen.

Inzwischen sind mehr als 40 Mitglieder im Verein aktiv. Aktuelles Projekt ist die Notfallkarte, die der Verein mit Unterstützung der Krankenkassen BIG direkt gesund und der AOK Nordost herstellt und inzwischen weltweit kostenfrei vertreibt. Die Karte soll in Verbindung mit der Gesundheitskarte von implantierten Menschen bei sich getragen werden, um im Unglücksfall dem Rettungssanitäter anzuzeigen, dass der Patient nicht in die Magnetresonanztomographie (MRT) darf. „Sie dient dem direkten Schutz der Implantatsträger vor einem ungesicherten MRT, welches aufgrund der eingesetzten Magnete schwere gesundheitliche Folgen für den Betroffenen hätte“, sagt Gregor Obst. Mehr als 5000 Karten sind bereits im Umlauf.

Wer den Verein kontaktieren will, kann sich telefonisch unter 0172/6445875 oder per Mail an seelsorger.der.ohren.ev@gmx.de melden.

Diese Notfallkarte, die über den Verein erworben werden kann, schützt Implantatsträger vor schweren gesundheitlichen Schäden.
Diese Notfallkarte, die über den Verein erworben werden kann, schützt Implantatsträger vor schweren gesundheitlichen Schäden. FOTO: Rüdiger Hofmann