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Mit Geschicklichkeit und Kraft zum Erfolg

Manuela Filko (vorn) startete mit Tochter Isabel zum Einbaumwettbewerb beim 26. Lehdefest.
Manuela Filko (vorn) startete mit Tochter Isabel zum Einbaumwettbewerb beim 26. Lehdefest. FOTO: P. Becker/peb1
Lehde. Beim 26. Lehdefest stehen das traditionelle Schobern, Fischstechen, Pukalleschießen und Einbaumwettfahrten im Mittelpunkt. peb1

Der immer dunkler werdende Himmel und der später einsetzende Regen taten der Stimmung keinen wesentlichen Abbruch. Akteure wie Gäste waren darauf vorbereitet, der Schober wurde noch rechtzeitig im Trockenen fertig.

Im Festzelt sorgten die Niewietzer Blasmusikanten für Stimmung, unterbrochen wurden sie lediglich durch die Auftritte der benachbarten Traditionsvereine. Ein Höhepunkt war zweifelsohne die Schau der Lübbenauer Designerin Sarah Gwiszcz, die ihre durch traditionelle Elemente geprägte Mode zeigte. In der Nachbarschaft gingen derweil die Wettkämpfe beim Pukalleschießen und beim Fischstechen weiter. Beides ist beim Lehdefest zu sehen und typisch für den Ort.

Wie mit einfachsten Mitteln, fern jeder Elektronik und komplizierter Mechanik, früher Dorffeste abgehalten wurden, wurde so leicht erlebbar. Pukalle steht für Schießen mit Kalmuskugeln. Ein ausgehöhlter Holunderstab wird als Lauf benutzt, zum Antrieb dient eine Art Luftdruckstempel, geschossen wird, ganz in Westernmanier, aus der Hüfte. Das Fischstechen erfolgt über ein freischwingendes Pendel. Der Fisch hat eine Nadelspitze und sollte dabei möglichst mittig auf die Zielscheibe treffen. Wie es geht, zeigte die dreijährige Greta Kilka beeindruckend: Mit aller Kraft zog sie am Fischpendel und traf sofort ins Schwarze - etwas was vielen Erwachsenen erst nach mehreren Versuchen gelang.

Beim Schätzwettbewerb zur Höhe einer Schoberstange, organisiert von Harry und Manuela Filko, gab es die tollsten Ergebnisse: Von drei Meter bis 17,50 Meter lauteten die Schätzungen für die realen 6,50 Meter. Immerhin gab es als Trostpreise für die entferntesten Schätzungen: eine Tüte Heu.

Im einsetzenden Regen fand der Einbaumwettbewerb statt. Das Gefährt, einst von Lehdern um Günter Brandt und Wolfgang Gahl nachgebaut, diente diesmal für Wettfahrten. Ein Dutzend Paare traten an, darunter auch ein deutsch-britisches Team. Manuela Filko legte mit ihrer Tochter Isabel eine beachtliche Zeit vor, die aber letztlich vom Erbauerteam Gahl/Brandt doch noch getoppt wurde. Günter Brandt nahm zum 26. Mal, also seit es die Lehdefest gibt, daran teil, gewann meistens und fiel nie ins Wasser. Daran hatte sich auch diesmal nichts geändert. Ihrer Zeit von 30:37 Sekunden standen die fast zwei Minuten einiger Zickzack-Fahrer gegenüber.

Das Fest ist nicht nur Unterhaltung, sondern dient einem ernsten Zweck, wie von der Vereinsvorsitzenden Anita Storch zu erfahren war. "Wir unterstützen mit den Einnahmen und den Mitteln unserer Sponsoren ausschließlich die Erhaltung und Pflege unserer Gärten und Wege, der landwirtschaftlichen Flächen und der typischen Spreewaldlandschaft", so die Vorsitzende. "Unsere Mitglieder bringen sich aktiv in das Fest ein, viele helfen beim Auf- und Abbau der Stände. Ganz aktiv ist auch unsere neugegründete Jugendfeuerwehr unter der Leitung von Matthias Warnatsch diesmal dabei", ergänzte sie noch. Die Jungen und Mädchen fanden sich überall als Helfer ein, so auch bei der Handspritze der Lübbenauer Wehr von 1902.

Die Berlinerin Kathrin Rieseberg und ihre Tochter Sarah versuchten, möglichst weit zu spritzen - eine gehörige Kraftanstrengung setzte dies erst einmal voraus. "Wir sind total begeistert von dem Fest. Nicht der Kommerz, sondern die Traditionen stehen hier in vorbildlicher Weise im Mittelpunkt. Unsere Leiper Gasteltern haben uns diesen Tipp gegeben", sagte etwas außer Atem Kathrin Rieseberg.

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