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| 18:06 Uhr

Hotel zur Post in Calau gewinnt Inklusions-Sonderpreis
Mit Gebärdensprache durchs Hotel

 Das ausgezeichnete Team vom Calauer Hotel zur Post um Inhaber Torsten Teichert (u.r.) mit Cornelia Knizia, Anett Hoffmann, Petra Teichert und Heike Neubauer (o.v.l.n.r.) sowie Patrick Junker und Katharina Hennig (u.v.l.n.r.). Es fehlen Nico Fielher, Petra Geppert, Stefanie Kämpfe und Rosalind Sponholz.
Das ausgezeichnete Team vom Calauer Hotel zur Post um Inhaber Torsten Teichert (u.r.) mit Cornelia Knizia, Anett Hoffmann, Petra Teichert und Heike Neubauer (o.v.l.n.r.) sowie Patrick Junker und Katharina Hennig (u.v.l.n.r.). Es fehlen Nico Fielher, Petra Geppert, Stefanie Kämpfe und Rosalind Sponholz. FOTO: Hofmann Rüdiger
Calau. Mehrere Menschen mit Handicap arbeiten im Hotel zur Post in Calau. Der Landkreis prämiert das mit dem Sonderpreis für Inklusion. Der Inhaber spricht über einen großen Kraftakt, der sich aber lohnt. Von Rüdiger Hofmann

Wenn Anett Hoffmann frühmorgens zur Arbeit geht, liegt an ihrem Arbeitsort schon ein Zettel bereit. Darauf stehen Tagesaufgaben, die das Zimmermädchen im „Hotel zur Post“ in Calau zu erledigen hat. Betten beziehen, Räume säubern, die Minibar kontrollieren. Ihr Chef Torsten Teichert spricht neudeutsch von „Housekeeping“. Eigentlich alles völlig ungewöhnlich. Doch Anett Hoffmann kann weder ihren Vorgesetzten noch die Angestellten fragen, was als Nächstes zu tun sei. Auf Bitten kann sie nicht antworten. Die 39-Jährige ist taubstumm.

„2018 ist sie zu unserem Team gestoßen“, sagt Torsten Teichert. Angefragt hatte die Agentur für Arbeit, ob in dem Hotel jemand wie Anett Hoffmann gebraucht werde. „Dann gab es ein Treffen mit einer Gebärdensprachdolmetscherin vom Integrationsamt und der Agentur für Arbeit“, sagt Teichert. „Wir zeigten Anett ihren möglichen Arbeitsbereich, und dann absolvierte sie ein dreimonatiges Praktikum“, so der Unternehmer. Anfangs lief sie mit einer Kollegin mit. „Es hat alles reibungslos geklappt, inzwischen ist sie fest bei uns angestellt“, erzählt der Inhaber. „Ich glaube, sie mag uns.“

Verständigt wird sich „mit Händen und Füßen“, wie es so schön heißt, vor allem aber per Mimik und Gestik. „Oder wir schreiben Sachen auf, die zu tun sind“, sagt Petra Teichert, Schwägerin des Hotelinhabers. „Erste Grundlagen der Gebärdensprache sind bereits vorhanden. Und ein ,Guten Morgen’ bekommen wir auch schon hin“, sagt sie mit einem Augenzwinkern.

Anett Hoffmann ist eine von drei Behinderten, die derzeit im „Hotel zur Post“ neben sieben weiteren Angestellten tätig sind. Patrick Junker aus Senftenberg und Nico Fielher aus Großräschen werden im Haus zum Koch ausgebildet. Patrick kam 2015, Nico 2017 in das Hotel. Beide haben eine Lernschwäche. Betroffene haben in solchen Fällen bei zwar hinreichender Intelligenz im Vergleich mit Gleichaltrigen Defizite unter anderem beim Schreiben, Lesen oder Rechnen.

Angefangen hat Torsten Teichert 2012, in seinem Hotel mit gehandicapten Menschen zu arbeiten. Damals hatte er eine junge Frau, die an einer Lernschwäche leidet, erst als Praktikantin beschäftigt und anschließend zur Facharbeiterin ausgebildet. „In Zeiten von Fachkräftemangel haben wir eine Nische aufgetan, und es funktioniert“, so Teichert.

Generell ist diese Ausbildung, aber auch die Zusammenarbeit mit Nichtbehinderten, recht schwer. „Das ist schon ein Kraftakt“, sagt der Unternehmer, der in Calau zudem das jährliche Stadtfest organisiert und seit 2018 im Lübbenauer Gasthaus Wotschofska auch als Betreiber tätig ist. Dort beschäftigt er ebenfalls einen Behinderten. „Man benötigt dafür viel Fingerspitzengefühl. Außerdem ist die Rücksichtnahme aller Beteiligten notwendig“, sagt Teichert. Und der Faktor Neid spiele eine nicht zu unterschätzende Rolle. „Im Fall von Anett Hoffmann gab es anfangs teilweise Neid unter den Kollegen wegen des Gefühls einer ungleichen Behandlung.“

Dass Torsten Teichert mehrere behinderte Menschen unter seinen Angestellten hat, ist zuletzt auch dem Landkreis Oberspreewald-Lausitz nicht verborgen geblieben. Vor knapp zwei Wochen gab es im Rahmen der Verleihung der Inklusionspreise in Schwarzheide für das außerordentliche Engagement den mit 500 Euro dotierten Sonderpreis. Abgeräumt hatte außerdem der Calauer Verein „Seelsorger der Ohren“ (die RUNDSCHAU berichtete).

„Wir haben uns sehr gefreut, dass der Landkreis uns in diesem Maße gewürdigt hat“, sagt Torsten Teichert stolz. Im vergangenen Jahr hatte sein Hotel bereits einen Inklusionspreis von der Agentur für Arbeit erhalten. Regelmäßig nimmt Teichert auch an dem „Inklusiven Frühstück“ teil, einem Treffen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, die sich im Bereich Inklusion engagieren. Das Preisgeld will Teichert in seine Mitarbeiter investieren. „Davon gönnen wir uns eine kleine Reise mit allen Angestellten“, so der Hotelchef.

 Das ausgezeichnete Team vom Calauer Hotel zur Post um Inhaber Torsten Teichert (u.r.) mit Cornelia Knizia, Anett Hoffmann, Petra Teichert und Heike Neubauer (o.v.l.n.r.) sowie Patrick Junker und Katharina Hennig (u.v.l.n.r.). Es fehlen Nico Fielher, Petra Geppert, Stefanie Kämpfe und Rosalind Sponholz.
Das ausgezeichnete Team vom Calauer Hotel zur Post um Inhaber Torsten Teichert (u.r.) mit Cornelia Knizia, Anett Hoffmann, Petra Teichert und Heike Neubauer (o.v.l.n.r.) sowie Patrick Junker und Katharina Hennig (u.v.l.n.r.). Es fehlen Nico Fielher, Petra Geppert, Stefanie Kämpfe und Rosalind Sponholz. FOTO: Hofmann Rüdiger