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| 16:00 Uhr

Lesung
Mit Fontane unterwegsim Spreewald

 Ines Bunzel hat  Michael Lange zu einem Vortrag  in Burg begrüßt. Gemeinsam mit dem Lübbenauer Heimatforscher sind sie und Besucher den Spuren Fontanes im Spreewald gefolgt.
Ines Bunzel hat  Michael Lange zu einem Vortrag in Burg begrüßt. Gemeinsam mit dem Lübbenauer Heimatforscher sind sie und Besucher den Spuren Fontanes im Spreewald gefolgt. FOTO: Ingrid Hoberg
Burg/Lübbenau. Der Lübbenauer Michael Lange ist den Spuren des Reiseschriftstellers auf Wegen und Karten gefolgt. Von Ingrid Hoberg

Mancher will Theodor Fontane (1819-1898) gern auf touristisch ausgebauten oder kulinarischen Spuren entdecken. Der Lübbenauer Michael Lange hat  bereits vor zehn Jahren eine mit Fotografien  und Kartenmaterial illustrierte Zeitreise zusammengestellt, die sich durch Detailtreue auszeichnet. Er folgte den Wegen des Autors, die dieser im August 1859 in und um Lübbenau sowie beim Abstecher nach Burg zurückgelegt hatte.

Fontane sei noch in England gewesen, als er die Ideen für Reisen in die Mark Brandenburg hatte, so Michael Lange. „Die erste Reise nach der Rückkehr führte den Berichterstatter nach Neuruppin, die zweite in den Spreewald. Das zeigt den Stellenwert. Er empfahl den Berlinern, zu den Quellen ihres Stroms, der Spree, zu fahren“, ergänzt er.  Berlin, das sei damals die Stadt zwischen Oberbaum und Unterbaum gewesen.  Die Lebensader war die Spree, die abends durch einen „Baum“ abgesperrt wurde. „Charlottenburg lag jottwede, ganz weit draußen“, bemerkt Michael Lange bei seinem Vortrag in der Buchhandlung „Lesezeichen“ in Burg.

Ines Bunzel, sie führt gemeinsam mit ihrem Mann Dietmar Bunzel die Buchhandlung, unterstützt den bebilderten Vortrag von Lange durch Textbeiträge aus den „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“. So entwickelt sich im Wechselspiel ein Kaleidoskop von literarischen Eindrücken und belegbaren Zeitzeugnissen bis in die Gegenwart.

Michael Lange zeigt anhand von historischen Stadtplänen, wo Fontane 1859 in Berlin, in der Stadt mit rund 500 000 Einwohnern, wohnte und auf welchem Straßennetz er sich im August auf den Weg in den Spreewald gemacht hatte. Der Lübbenauer bringt in die Heimatforschung immer auch sein Fachwissen als Stadtplaner ein. Neben historischen Fotos sind es Landkarten und Messtischblätter, die Fontanes Wege im Spreewald nachvollziehbar machen.  Auch wenn es manches nicht mehr gibt, nach den Angaben in den Aufzeichnungen des Reisenden könne noch heute Kahn gefahren werden, so Michael Lange.

„Wenn man nicht Lehde  wäre, möchte man Leipe sein“, schwärmte Fontane und machte auch ansonsten tüchtig Werbung für den Spreewald. Den Burger Schlossberg, wo das Schloss des letzten Wendenkönigs gestanden haben soll, sah er allerdings nicht. Der Bootsführer hatte versichert, dass dort „eigentlich nichts zu sehen sei als ein Grasplatz“. So war die Reisegesellschaft entschlossen, „die Geister der alten Wendenburg in ihrem Nachtmittagsschlaf nicht zu stören.“ Das habe sich dann wohl gerächt, denn sie landeten in einem versandeten Fließ. Das Gasthaus „Zur Eiche“ und Kätner Post, den westlichsten Vorposten von Burg-Kauper in Richtung Lübbenau, erreichten sie dennoch.

Obwohl Fontane einen Teil eines wendischen Gottesdienstes in Lübbenau erlebte und die Trachten ausführlich beschrieb, konstatierte er aber auch: „Man sieht deutlich, dass das Wendische nur wie was Überkommenes gepflegt und geschont wird.“  Der Staat höre bloß mit deutschen Ohren. Der „Herr Oberpfarrer“ sei nicht nur der „Seelsorger der Spreewälder“, sondern ihr Dolmetscher.

Zu seiner Partie durch den Spreewald stellte Fontane fest: „Die Dörfer und ihre Felder, die Menschen und ihre Trachten sind sein Reiz, nicht jene Wiesen und Waldflächen, die, so wohl sie den Augen des Städters tun mögen, doch nichts bieten, was über das Gewöhnliche hinausginge.“

Vier Wochen nach seinem Wochenendausflug von Samstagabend, 6. August 1859,  bis Montagfrüh schrieb er in vier Kapiteln in der „Preußischen Zeitung“ über den Spreewald. Gekürzt nahm er den Text in die „Wanderungen, Band Spreeland“ auf.

Das Buch „Theodor Fontane. In den Spreewald – Mit der Postkutsche von Berlin nach Lübbenau im August 1859. Eine illustrierte Zeitreise von Michael Lange“ ist 2009 im Regia Verlag erschienen und im Handel erhältlich.