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Mit Fischers (Spreewald-)Kahn auf Schleien-Fang

Mithilfe zweier Spontan-Assistenten erklärt Karl-Heinz Marschner das Fischen mit spreewaldtypischem Knebelnetz.
Mithilfe zweier Spontan-Assistenten erklärt Karl-Heinz Marschner das Fischen mit spreewaldtypischem Knebelnetz. FOTO: Hegewald/uhd1
Lübbenau. Bei der "Fischzeit im Spreewald" hat Karl-Heinz Marschner Samstag 20 Personen im voll besetzten Kahn in die Lagunenlandschaft sowie in die Geschichte und Gegenwart klassischer Spreewaldfischerei entführt. Dabei geht Karl-Heinz Marschner sonst eigentlich mit einem kleinen Holzkahn auf großen Fischfang. Uwe Hegewald/uhd1

"Der lässt sich nahezu lautlos steuern, wodurch Fische nicht aufgeschreckt werden und er lässt sich leichter manövrieren", so der 66-Jährige.

Für die Fischfahrt mit Touristen bekommt der robuste Aluminiumkahn den Vorrang. Auch was den "großen Fischfang" anbetrifft, tritt der Lübbenauer auf die Euphorie-Bremse: "Ich zähle mich zu den klassischen Kochtopffischern. Es werden nur so viele Fische mit nach Hause genommen, wie die Familie verzehrt", so der Spreewälder, der in zwei Jahren doppeltes Jubiläum feiert: 50 Jahre Fährmann, 30 Jahre Spreewaldfischer.

Karl-Heinz Marschner zählt zu den 70 eingetragenen Personen der Fischereirolle (Frankfurt/Oder). "1953 ist diese aktualisiert, im selben Jahr der Verband der Spreewaldfischer gegründet worden, erzählt er. "Um das Fischereirecht ausüben zu können, muss eine Berufsausbildung absolviert werden. Vor 1953 beanspruchten die Fischer zwei bis drei Fließe für sich. Was jedoch gelegentlich zu Missstimmung führte, wenn mal wieder ein Fischer mit nassen Netzen im eigenen Revier aufkreuzte", berichtet der Kahnfährmann.

"Ein vollbesetzter Kahn. Prima. Die vor drei Jahren ins Leben gerufenen Fischer-Kahnfahrten scheinen sich zu etablieren", bemerkt Daniel Schmidgunst von der Lübbenauer Touristinformation. Das liege aber auch an Karl-Heinz Marschner, der die Touren mit Leidenschaft und Fachkompetenz leitet. Von dem erfahrenen Fischer bekommen die Urlauber alles Wissenswerte über die Spreewaldfischerei vermittelt. Arbeitsgeräte und -techniken werden erläutert, die Fischarten vorgestellt, aber auch Geheimnisse preisgegeben, mit welchen Rezepten Fischers Frau (Marianne) die Fänge veredelt.

Beliebt macht sich der ehemalige Lübbenauer Lehrer durch die von ihm ausgeübte Fischerei-Philosophie. Demut gegenüber der Natur und Kreatur ist den Worten von Karl-Heinz Marschner zu entnehmen. So nutze er nur grobmaschige und weiche Netze, damit Tiere keine unnötigen Verletzungen erleiden. Als er eine Schleie zurück in Freiheit entlässt, die in einer aufgestellten Reuse gefangen ist, erntet er zustimmende Kommentare.

Auch hält sich der Naturliebhaber nicht mit Verbesserungsvorschlägen oder Kritik zurück. So mahnt er ein ausgewogenes Verhältnis bei anstehenden Investitionen an: "Ein regelmäßiger Fischbesatz ist richtig und wichtig. Ebenso wenig darf die Gewässerpflege vernachlässigt werden, damit Fische entsprechende Laichräume vorfinden."

Kein Verständnis hat er für den Braunkohlenabbau, dem Verursacher brauner Gewässer. Die Verockerung sei ein Riesenproblem für den Spreewald. Fischbestände gingen zurück, das ökologische Gleichgewicht gerate aus den Fugen, so Marschners Kritik.

Frank Bauke aus Altenburg, selbst Angler, lobt die souveräne vorgetragene, fachkundige und informative Kahnfahrt: "Es war richtig, unseren Urlaub am Pinnower See mit der Fischer-Kahnfahrt ausklingen zu lassen"

Mit über 10 000 Bildern betreibt Karl-Heinz Marschner eine der größten Foto-Datenbanken über den Spreewald. Gästen empfiehlt er die Internetseite www.naturfoto-spreewald.de .