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| 19:10 Uhr

Brandenburg
Mit dem „Spreewaldkahn“ auf Polizeistreife

Bauer Manfred Schier aus Lehde ist mit einem motorbetriebenen Kahn im Lübbenauer Spreewald unterwegs, kann aber Aileen Ziffus alle dafür notwendigen Papiere vorlegen.
Bauer Manfred Schier aus Lehde ist mit einem motorbetriebenen Kahn im Lübbenauer Spreewald unterwegs, kann aber Aileen Ziffus alle dafür notwendigen Papiere vorlegen. FOTO: LR / Jenny Theiler
Lübbenau. Die RUNDSCHAU hat den Beamten vom Wasserschutzbereich in Lübbenau einen Tag bei der Arbeit über die Schulter geschaut. Von Jenny Theiler

Sommerliches Erwachen im Spreewald – die Sonne scheint, auf den Fließen fahren wieder die Kähne, und der Tourismus kommt langsam auf Touren. Dort, wo der Urlaub am schönsten ist und sich jährlich Tausende Besucher erholen, haben Aileen Ziffus und Horant Opitz viel zu tun. Die Beamten der Wasserschutzpolizei sorgen täglich für die Sicherheit der Einheimischen und der Touristen und das mitten auf dem Wasser.

Dienstag 10.18 Uhr. Ein Streifenwagen der Polizei parkt an einem Bootshaus, das ganz in der Nähe des großen Hafens in Lübbenau liegt. Hier bereiten sich Ziffus und Opitz auf die Streife durch den Spreewald vor. Ein kleines blau-weißes Motorboot mit der Aufschrift Polizei steht einsatzbereit an der Wasserseite. „Wir nehmen aber den Kahn“, legt Opitz fest. Der Einsatzkahn der Wasserschutzpolizei liegt abgedeckt am Steg. Bis auf den Motor am Heck unterscheidet er sich kaum von den Kähnen, mit denen täglich Reisegruppen den Spreewald erkunden. „Der Kahn ist für diese Gewässer einfach viel praktischer“, erklärt der Polizist. Boote mit höherem Tiefgang seien im Spreewald generell ungünstig. „Durch moorige Gebiete kommt man mit dem Motorboot kaum richtig durch, da muss man traditionell mit Rudel fahren“, ergänzt Ziffus.

Über Blaulicht und Sirene verfügt der Einsatzkahn der Wasserschutzpolizei nicht. Übersehen werden die Polizisten bei ihrer Kontrollfahrt durch den Spreewald dennoch nicht. Für die Touristen sind die Polizisten im Spreewaldkahn fast schon eine kleine Sensation. „Das sind wir schon gewöhnt. Es vergeht eigentlich kein Tag, an dem wir nicht fotografiert werden“, sagt Ziffus schmunzelnd. Dass die Beamten im Urlaubsgebiet ihre Arbeit erledigen und keine Touristenattraktion sind, ist vielen Urlaubern allerdings nicht immer klar. „So wie Sie arbeiten, möchte ich mal Urlaub machen“, erinnert sich der Beamte Opitz an den spitzen Kommentar einer Urlauberin. Wenngleich der Wasserverkehr im Spreewald nicht mit dem Straßenverkehr einer Großstadt verglichen werden kann, so existieren auch auf den Spreewaldfließen gewisse Regeln, an die sich ausnahmslos alle zu halten haben.

Die Wasserschutzpolizei der Direktion Süd sorgt für die Einhaltung der Schifffahrtsverordnung des Landes Brandenburg und des Umwelt- und Naturschutzes im Spreewald. Trotz zweijähriger Zusatzausbildung und einem dreimonatigen Pflichtaufenthalt in Hamburg müssen sich alle Beamten der Wasserschutzpolizei spezielles Wissen für ihre jeweiligen Einsatzgebiete zusätzlich aneignen. „Für den Spreewald gelten beispielsweise völlig andere Richtlinien als für den Bodensee“, erklärt Polizistin Ziffus. Das gilt insbesondere beim Ablauf der Kontrollen auf den Spreewaldfließen.

So wie auch Autofahrer im Straßenverkehr regelmäßig kontrolliert werden, wird im Spreewald mit Booten und Kähnen ähnlich verfahren. Es ist 11.42 Uhr, als Roland Wentow in die Kontrolle gerät. Der erfahrene Kahnfahrer bereitet sich gerade auf seine erste Tour vor. Ein Spreewaldkahn darf maximal 9,50 Meter lang und 1,90 Meter breit sein. Wenn der Spreewaldkahn Personen gewerbsmäßig befördert, gelten die Richtlinien für den Personenkahn – ein Wasserfahrzeug der Kategorie E.

Der Kahn muss ein Kennzeichen haben, das im Heckbereich angebracht sein muss. Diese Zone, in der der Kahnfahrer steht, wird Steuerbereich genannt und muss 1,30 Meter lang sein. 50 Prozent der Stellfläche müssen für den Fahrer frei bleiben. Es wird geprüft, ob die Sitzbänke auf dem Kahn fixiert sind und ob ein Verbandskasten vorhanden ist. Auch muss der Kahnfahrer ein Ersatzrudel mitführen. „Auf die Konsistenz des Holzes wird auch regelmäßig geachtet“, erklärt Wentow. Während Ziffus die Kontrolle schriftlich protokolliert, prüft Opitz die Holzstruktur des Kahns und schaut gleichzeitig nach den Einsenkungsmarken. „Das sind helle Markierungen an der Seite, die den zulässigen Tiefgang des Kahns anzeigen, wenn er voll beladen ist“, erklärt er.

Eine Polizeikontrolle darf auch mit anwesenden Fahrgästen durchgeführt werden, was aber sehr selten vorkommt. „Die meisten Leute sind entspannt, wenn sie hier im Urlaub sind und haben dafür auch Verständnis“, erzählt Opitz. Negative Vorkommnisse gibt es nur selten. Wenn beispielsweise die Tauglichkeitsbescheinigung oder andere Zulassungspapiere, die der Fahrer mitführen muss, nicht mehr gültig sind, muss die Fahrt abgebrochen werden. Bei Kahnfahrer Wentow ist aber alles in Ordnung. Er darf seine erste Tagestour wie geplant antreten.

Mit den Verkehrsregeln im Spreewald sind viele Urlauber nicht vertraut, obwohl sie verpflichtet sind, sich darüber zu informieren, wenn sie beispielsweise paddeln möchten. „Viele wissen nicht, dass es verboten ist, Boote und Kähne an den Bäumen anzuketten“, erklärt Opitz. Jedes Paddelboot muss zudem eine Kennzeichnung haben – das kann ein Name oder eine Kombination aus Zahlen und Buchstaben sein. Auch das Thema Alkohol am Boots-Steuer unterliegt strengen Richtlinien. „Ab 0,5 Promille sprechen wir von einer Ordnungswidrigkeit und ab 1,1 Promille von einer Straftat“, erklärt Ziffus. Generell werden Strafvergehen auf dem Wasser höher geahndet als auf der Straße. Das hat mit der besonderen Art der Verkehrsführung auf dem Wasser zu tun. „Ausweich- und Wendemanöver sind im Spreewald deutlich aufwendiger. Sie erfordern viel mehr Konzentration und Aufmerksamkeit. Im Straßenverkehr ist es oft leichter, im letzten Moment noch auszuweichen“, erklärt Opitz. Gerade unerfahrene Paddler würden das häufig unterschätzen. Dennoch halten sich die Alkoholvergehen im Spreewald momentan noch in Grenzen.

Gegen 12.30 Uhr fährt den Polizisten auf der moorigen Tschummi, einem Seitenarm vom Lehder Fließ, ein motorbetriebener Kahn entgegen. Das könnte zu einem Problem werden, da motorbetriebene Wasserfahrzeuge im Lübbenauer Spreewald verboten sind. Dennoch gibt es Sonderregelungen, die für die Wasserschutzpolizei und Einheimische gelten. „Jäger, Fischer und Landwirte haben in solchen Fällen Ausnahmegenehmigungen, weil sie für ihre Tätigkeiten ein Motorboot brauchen“, erklärt Ziffus. Der Privatbauer Manfred Schier aus Lehde hat eine solche Genehmigung und kann auch alle anderen notwendigen Papiere vorweisen. „Ich weiß, dass ich mit dem Motor-Kahn nur in bestimmte Bereiche fahren darf, und daran halte ich mich auch. Wenn es möglich ist, fahre ich sowieso lieber mit dem Rudel“, erklärt Manfred Schier.

Die beruhigende Muße, die der Spreewald ausstrahlt, prägt Urlauber und Einheimische. „Wir haben hier sicherlich nicht die großen Einsätze. Trotzdem haben wir hier auch genug zu tun“, betont Opitz. Da erscheinen die scherzhaften Bemerkungen wie Entenpolizei, Freizeitkapitäne und Wasserwacht durch die Urlauber nicht immer motivierend. „Das muss man vertragen können. Irgendwann hat man sich auch die nötige Schlagfertigkeit antrainiert“, erklärt Polizistin Ziffus.

Bei Roland Wentow (M.) ist alles bestens. Aileen Ziffus und Horant Opitz gehen mit dem langjährigen Kahnfahrer die wichtigsten Punkte der Kontrolle durch.
Bei Roland Wentow (M.) ist alles bestens. Aileen Ziffus und Horant Opitz gehen mit dem langjährigen Kahnfahrer die wichtigsten Punkte der Kontrolle durch. FOTO: LR / Jenny Theiler