| 02:53 Uhr

Mit dem Frühling kommen die Osterlämmer

Schäfer-Azubi Magarethe Kühn führt die Herde auf die Weide.
Schäfer-Azubi Magarethe Kühn führt die Herde auf die Weide. FOTO: Peter Becker
Ogrosen. Auf dem Ogrosener Bio-Hof "Schafgarbe" wird vorgeführt, wie artgerechte Tierhaltung geht und wie Kreisläufe geschlossen werden. Pralles Leben findet derzeit inmitten der wachsenden Schafherde statt. Peter Becker

Der Tierbestand verdreifacht sich gerade, denn die Schafe bekommen in aller Regel Zwillinge. Aktuell kaum beteiligt sind die drei Zuchtböcke. "Die haben sich im letzten Herbst ins Zeug gelegt, die dürfen sich ausruhen", erklärt Schäfer Friedhelm Plaß. "Von den 120 Muttertieren sind 119 tragend geworden!"

Die Auszubildende Margarethe Kühn, eine Leipzigerin, öffnet das Gatter und schon stürmen die Schafe mit ihren Lämmern ins Freie. Doch einige der Kleinen kehren sofort wieder um und wollen zurück in den wärmenden Stall - der kalte Ostwind passte ihnen nicht. Erst das besorgte Blöken ihrer Mütter konnte sie dazu bewegen, doch noch den ersten Freiluftspaziergang ihres Lebens anzutreten.

Friedhelm Plaß kümmert sich gerade um ein lammendes Schaf, das etwas unruhig ist: "Das ist normal, es ist ein Erstgebärendes und hat noch keine Erfahrung!" Mit ruhigen Worten nimmt er es an sich, gleichzeitig führt er das eben geborene Lamm an das Euter der Mutter. "Es ist sehr wichtig, das erste Säugen bald zu ermöglichen. Mit der Milch werden Abwehrstoffe aufgenommen, die das Lamm immun gegen viele Krankheiten macht", erklärt Friedhelm Plaß, während er das noch zittrige Lamm im Auge behält.

Vor mehr als 20 Jahren haben der Schäfer und seine Frau Ulrike mit einer kleinen Herdbuchherde von 20 Tieren im Oderbruch angefangen. Damals erreichte sie das Angebot des Ogrosener Landwirts Lüdtke-Schwienhorst, auf seinem Gut Stallungen zu pachten, was die Beiden dankbar annahmen. Seit dieser Zeit haben sie die Zucht ständig ausgebaut und die Vermarktung wurde in eigene Hände genommen. Schafwolle wird natürlich auch gewonnen, meist im Sommer. "Die kommt nach Görlitz, zu einer Steppdeckenfabrik. Der Erlös deckt nicht mal die Kosten für den Schafscherer! Wir machen das aber für unsere Tiere, auch damit sie nicht zu sehr unter der Sommerhitze leiden müssen", so der Schäfer.

Neben dem Schafstall liegen in weitläufigen Anlagen Schweine in der Märzensonne, um sie herum wuseln Dutzende Ferkel aller Farbschattierungen. Schweine auf dem Schafhof? Wie passt das zusammen? "Ganz einfach", erklärt Schäfer Plaß. "Bei der Käseproduktion fällt reichlich Molke an, ein nahrhaftes Nebenprodukt, das sich ideal für die Schweineaufzucht eignet. Vermischt mit zugekauftem Bio-Getreide, haben wir so ein natürliches Futter." Käse und Fleisch wird auf Berliner Wochenmärkten und im Ogrosener Hofladen angeboten. Es kostet etwa das Dreifache, wie im Supermarkt. "Aber wir haben treue Käufer, unsere Kundschaft weiß, was sie kauft! Sie kauft lieber seltener, dafür aber ein Lebensmittel - ein Mittel zum Leben, das diese Bezeichnung auch verdient", betont Friedhelm Plaß.

Wer sich auf dem Schafhof umschaut, sieht die Mühen, sieht den Aufwand. Es gibt viele freie Flächen, kein Gedränge in den Herden. Die bewegungshungrigen Ferkel von nebenan jagen von einer Ecke in die andere - kaum vorstellbar, dass diese Tiere laut Gesetz auch auf engen Raum gehalten werden dürfen. "Den Züchter trifft keine Schuld! Die liegt beim Verbraucher, dem es nicht billig genug sein kann. Tierschutz muss hier ansetzen", ist der Schaf- und Schweinzüchter überzeugt. Auf die Mistgabel gestützt, blickt er zufrieden seiner sich entfernenden Schafherde hinterher. Sie folgt nun brav den Helfern des Schäfers: Claudia Schwan aus Hamburg und Victor Monnet aus Berlin leisten auf dem Gut ihr freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ) ab.

Die Weide befindet sich in Waldnähe, was die Frage nach dem Wolfsschutz aufwirft. "Dank einer großzügigen Förderung konnten wir Wolfschutzzäune aufstellen", erzählt der Schäfer. "Und wenn tatsächlich mal ein Tier dem Wolf zum Opfer fällt, werden wir das sicher zu verschmerzen wissen. Es sind nun mal natürliche Kreisläufe, die wir zu akzeptieren haben!"