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| 02:44 Uhr

Mit dem Fahrrad durch Indien

Steffen Riemer umringt von Kindern einer moslemischen Schule.
Steffen Riemer umringt von Kindern einer moslemischen Schule. FOTO: Simone Brüggemann-Riemer
Die beiden Lübbenauer Simone Brüggemann-Riemer und ihr Mann Steffen Riemer sind zu einer außergewöhnlichen Reise durch Indien gestartet. Per Flugzeug ging es nach Bangalore. Dort in der Zehn-Millionen-Stadt sind sie aufs Fahrrad umgestiegen und lernen das Land kennen. Simone schreibt ein Reisetagebuch und schickte Auszüge an die Redaktion.

Nachricht vom 15. Januar 2016: Ich kann mich jetzt erst melden, da wir heute einen Internetzugang haben. Wir sind jetzt den sechsten Tag im Süden Indiens mit dem Fahrrad unterwegs, haben uns an den Verkehr, die Lautstärke und den Staub gewöhnt. Wir sind hier nie allein. Sobald wir halten, sind Menschentrauben um uns und wollen alles wissen.

An einem Tag tanzte ich mit Frauen an einem Hindutempel, die gerade von ihrer Zeremonie kamen. Am nächsten Tag fuhren wir durch einen Ort und ein paar Minuten später liefen wir bei einer Demonstration mit. Wir bekamen Blumen umgehängt und waren Ehrengäste des Polizeipräsidenten. Es ging darum, einen Helm zu tragen beim Mopedfahren - und wir mit unseren Fahrradhelmen kamen genau richtig. Zweiradmechaniker trugen die Banner und wir liefen in der ersten Reihe. Die Presse hielt alles fest. Wir trafen Frauen bei der Ingwerernte.

Steffen wurde beim Fahrradschlauchflicken von zehn mehr oder weniger begabten Indern assistiert. Wir mussten zum Luftaufpumpen ins nächste Dorf schieben. Das ganze Dorf suchte die passende Fahrradpumpe. In der Wartezeit folgte eine Einladung. Den nächsten Tag fanden wir lange nichts zum Schlafen, aber da sind wir beide der gleichen Meinung, es gibt immer eine Lösung. In einem Dorf beim Teetrinken ins Gespräch mit den Bewohnern gekommen, schickten sie uns ein Dorf weiter, wo eine einfache Lodge staatlich betrieben wird. Ein Polizist zeigte uns dann den Weg. Dann waren wir in einer moslemischen Schule und dem Internat eingeladen. Die Jungs probierten unsere Fahrräder und im Büro bekamen wir kalte Getränke. Es sind hier um die 30 Grad. Mehr als 70 Kilometer schaffen wir am Tag nicht.

Nachricht vom 17. Januar: Heute, den 8. Tag mit dem Rad durch Indien, sind wir in Kerala. Hier spricht man Malayalam. Ein paar Worte und Sätze habe ich vorher zu Hause gelernt, genauso wie Tamil, welches man in Tamil Nadu spricht und was wir auch noch durchfahren wollen.

Gestern sind wir zu dem hinduistischen Pilgerort Guruvajar gefahren, wo Tausende Gläubige täglich den Tempel besuchen. Wir sahen geschmückte Elefanten und den für Kerala typischen Tanz Mohiniyattam, kamen ins Gespräch mit Pilgern, die mit dem Auto alle heiligen Stätten Indiens in zehn Tagen abfahren. Kurz vor Sonnenuntergang sind wir noch an den Strand gefahren, wo Hunderte Einheimische die Abendsonne genießen und aufs Meer schauen. Heute kamen wir durch Zufall bei einem Hindufest vorbei, wo ein prunkvoll geschmückter Elefant Teil der Putja (Zeremonie) war. Ein Mann sagte uns, dass jetzt zehn Tage gefeiert wird. Wir waren glücklich, dabei gewesen zu sein.

Wieder mal bei einem Kaffeestop in einem Dorf lernten wir die ganze Familie kennen. Am meisten begeisterte uns die Tochter Sethulakehmy. Sie sang für uns zwei traditionelle Lieder in Malayalam und sagte uns, dass sie auf einer speziellen Schule geht, wo sie auch den Tanz lernt. Wir waren so ergriffen von ihrer zarten Stimme. Wir versprachen, in Verbindung zu bleiben, was nicht nur so gesagt ist. Zum Abschied sang ich ihr auch ein Lied von Hannes Wader vor. Dann drückten wir uns und winkten noch lange.

Wenig später hielt mal wieder ein Motorrad neben uns. Aber dieses Gespräch war länger und intensiver. Vignes ist 21 und wird in ein paar Monaten in Warschau anfangen zu studieren. Zwei Jahre kann er dann nicht nach Hause. Wir luden ihn ein, uns zu besuchen. Er hat am Goethe-Institut in Bangalore Deutsch gelernt. Ich weiß, wir werden uns wieder sehen. Das Foto zeigt Sethulakehmy, mit Familie. Am 31. Januar wollen die beiden Lübbenauer wieder zurück im Spreewald sein.

Simone Brüggemann-Riemer wird am Freitag, 12. Februar, um 19.30 Uhr in der Bunten Bühne Lübbenau über ihre erste Reise durch Indien, damals durch Rajasthan, mit Bildern und Filmsequenzen berichten.