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Taubenzucht
Mit 82 Jahren Deutscher Meister

Joachim Jacobick hat es wieder geschafft. Mit seinen Schautauben errang der Rassetaubenzüchter aus Altdöbern zum siebenten Mal den Titel „Deutscher Meister der Rassetaubenzucht“ – und das mit stattlichen 82 Jahren.
Joachim Jacobick hat es wieder geschafft. Mit seinen Schautauben errang der Rassetaubenzüchter aus Altdöbern zum siebenten Mal den Titel „Deutscher Meister der Rassetaubenzucht“ – und das mit stattlichen 82 Jahren. FOTO: Uwe Hegewald
Altdöbern/Berlin. Die Erfolgsgeschichte von Rassetaubenzüchter Joachim Jacobick begann vor 70 Jahren.

Am ersten Dezemberwochenende ist Joachim Jacobick der Titel „Deutscher Meister der Rassetaubenzucht“ verliehen worden, doch erst jetzt kann der Altdöberner seinen Erfolg auch belegen. Möglich macht das ein dicker Umschlag, der in seinem Briefkasten steckte. Darin enthalten der Deutsche-Meister-Wimpel sowie ein Gratulationsschreiben, unterzeichnet von Götz Ziaja, Vorsitzender des Verbands Deutscher Rassetaubenzüchter.

„Es ist zwar schon der siebente Deutsche Meistertitel, den ich in meiner Laufbahn errungen haben, aber einer der mir aufgrund meines Alters sehr viel bedeutet“, resümiert der Züchter von „Deutschen Schautauben, blau mit schwarzen Binden“.

Vor wenigen Wochen feierte die Lausitzer Taubenzüchter-Ikone bereits seinen 82. Geburtstag. Dass er noch immer fit und beweglich ist, macht der Altdöberner auch an seinem Hobby fest: „Um zu den Tieren zu gelangen, summiert sich die Zahl der täglich zu absolvierenden Treppenstufen zum Taubenschlag auf rund 300. Während der Zeit des Schlüpfens oder vor Ausstellungen können es auch schon mal 600 Stufen werden“, erzählt er.

Davon zu berichten, wo Joachim Jacobick bereits mit seinen Tieren auf Rassetauben-Ausstellungen präsent war, würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Auch lässt sich nicht zurückverfolgen, wann er zuletzt ohne eine hohe Punktwertung für seine Schautauben zurückgekehrt ist. Klar erfahre er aufgrund des anhaltenden Erfolges auch Neid „Aber den muss man sich bekanntlich hart erarbeiten, wobei einem Mitleid schnell zufliegt“, räumt er ein.

Die Errungenschaften sprechen für sich: 156 Mal die Traumnote „V“ (vorzüglich), 100 Ehrenbänder, mehrfacher Meister auf Vereins-. Kreis- oder Landesebene, im Niederlausitzer Rassetaubenverein oder Sondervereinen Deutscher Schautauben. Höhepunkt des Ex-Europameisters und zweifachen Europa-Champions war die Ernennung zum „Meister der Deutschen Rassetaubenzucht“ vor drei Jahren. In diesem Jahr wiederholt sich der Einstieg in die Taubenzucht zum 70. Mal. „1948 konnte ich beim Züchter Wilhelm Schulz in Groß Jauer (heute überbaggert) meine ersten beringten Brieftauben erwerben“, blickt er zurück. 25 Jahre befasste sich der seinerzeit in Pritzen (Gemeinde Altdöbern) lebende Tauben-Experte mit Brieftauben, die im Volksmund auch „Rennpferde der Lüfte“ genannt werden.

Etwas Betroffenheit schwingt in seinen Worten mit. „Die Momente, wenn Brieftauben-Formationen über Dächer und Baumwipfel kreisen, werden immer seltener und in unserer Region irgendwann gar nicht mehr zu erleben sein“, prognostiziert Joachim Jacobick und macht das an einem Beispiel fest: „In den 1970er Jahren gab es in Altdöbern rund 30 Brieftaubenzüchter, heute sind es noch drei“, bedauert er. 1977 fiel der Entschluss, vom Brieftaubensport in die Rassetaubenzucht zu wechseln. „Ich habe mich relativ schnell auf die Rasse Deutsche Schautauben, blau mit schwarzen Binden festgelegt. Sie haben aufgrund ihrer blauen Färbung Ähnlichkeit mit Brieftauben und zählten bereits im Jugendalter zu meinen Favoriten. Zudem gelten die Blauen als der Paradefarbenschlag aller Deutschen Schautauben; werden in Fachkreisen auch Schönheitsbrieftauben genannt“, begründet Joachim Jacobick seinen Schritt.

Ein konsequenter, wie richtiger Schritt, was der jüngste Deutsche-Meister-Wimpel und das Gratulationsschreiben des VDR-Vorsitzenden Götz Ziaja nun erneut belegen.