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"Missbrauch Tragehilfe"

Tom Elfering (links), Jugendfeuerwehrwart der Stadt Schwarzheide, ist am Samstag mit dem Ehrenzeichen der Landesjugendfeuerwehr Brandenburg in Bronze ausgezeichnet worden. Zu den ersten Gratulanten zählten KFV-Vorstand Manfred Mrose, Kreisjugendfeuerwehrwart Fred-Hagen Karzenburg sowie KFV-Geschäftsführer Harald Jurke (von links).
Tom Elfering (links), Jugendfeuerwehrwart der Stadt Schwarzheide, ist am Samstag mit dem Ehrenzeichen der Landesjugendfeuerwehr Brandenburg in Bronze ausgezeichnet worden. Zu den ersten Gratulanten zählten KFV-Vorstand Manfred Mrose, Kreisjugendfeuerwehrwart Fred-Hagen Karzenburg sowie KFV-Geschäftsführer Harald Jurke (von links). FOTO: Uwe Hegewald/uhd1
Bronkow. KFV-Vorsitzender Manfred Mrose (Klein Radden) hat in seinem Geschäftsbericht des Jahres 2016 klargestellt, wo genau die Feuerwehrstiefel drücken. So sei in Sachen Türnotöffnung und Tragehilfe bisher keine Entspannung eingetreten. Uwe Hegewald / uhd1

Noch immer würden ehrenamtliche Feuerwehrleute zu dieser Form von Einsätzen gerufen, obwohl sie in Aufgabenfelder der Polizei oder Hilfsorganisationen liegen.

"Müssen wir in diesen Fällen etwa den Dienst verweigern oder hohe Gebühren erheben, um endlich eine Veränderung herbeizuführen?" mahnte Manfred Mrose. Zum wiederholten Mal untermauerte er seinen Eindruck, wonach "Feuerwehrleute die Müllmänner der Nation" seien.

Ingo Mambk, Ortswehrführer der FF Schöllnitz (Amt Altdöbern) stellt klar: "Wir sind doch keine professionellen Türnotöffner." Auch machen Tragehilfen vor vermeintlich kleine Ortsfeuerwehren keinen Bogen, haderte er. In Großräschen hielten sich Türnotöffnungen und Tragehilfen nach Aussagen von Olaf Schulz im erträglichen Rahmen. "Ärgerlich sind nicht gerechtfertigte Alarmierungen oder Hilferufe", so der Ortswehrführer der FF Großräschen-Nord. "Bei Personen, die mitunter 150 Kilogramm auf die Waage bringen, stehen wir den Rettungskräften selbstverständlich bei", beteuerte er. Nicht nachvollziehbar sei das Anfordern von Feuerwehrleuten, wenn Patienten aus Kliniken entlassen werden und vom Sanitätskraftwagen in ihre Wohnungen transportiert werden sollen. "Das muss anders organisiert werden", so Olaf Schulz.

Verständnis für ihren Protest ernteten die Mitglieder des Kreisfeuerwehrverbandes von Landrat Siegurd Heinze (parteilos). Zum "Missbrauch Tragehilfe" vertrat er schon vor zwei Jahren die Meinung, "dass das abgestellt werden muss". Nach dem Abzeichnen leichter Erfolge schlichen sich die Praktiken langsam zurück ins Geschehen. "So geht das nicht. Wir bezahlen die Rettungsdienste. Wenn das nicht aufhört, lernen die Verursacher mal die dunkle Seite des Landrates kennen", mahnte er.

Siegurd Heinze räumte ein, dass in Extremfällen eine Unterstützung durch die Feuerwehr erforderlich sei, nicht aber in ganz normalen Situationen. Darüber hinaus würdigte der Landrat die Position des Kreisfeuerwehrverbandes bezüglich der Diskussionen um die angestrebte Kreisgebietsreform. Über eine Fläche von 4945 Quadratkilometern würde sich der aus den Landkreisen OSL, EE, SPN und der Stadt Cottbus bestehende Megakreis ausdehnen und 435 000 Einwohner umfassen (OSL aktuell: 112 000 Einwohner). Eine Präsenz des Landrates - wer immer es auch sein mag - bei wichtigen Terminen und bei Fahrzeiten von zwei bis drei Stunden sieht er als nicht vorstellbar. Eine Randbemerkung konnte und wollte sich der Kreis-Verwaltungschef nicht verkneifen: "Möglicherweis wir der Landrat zu kommenden Delegiertenversammlungen dann mit einem Helikopter anreisen." Gegenüber den Delegierten zeigte er sich skeptisch, dass diese dann noch in Bronkow stattfinden.

Zum Thema:
Die Zahl der Feuerwehrleute im Landkreis ist auf 2994 gestiegen. 2015 waren es noch 2861 Mitglieder. Mit 552 Frauen beträgt der Anteil 18,4 Prozent. Er liegt deutlich über den Bundesdurchschnitt. Insgesamt sind die Feuerwehren 2016 zu 16 Wohnungsbränden und 20 Kfz-Bränden gerufen worden. Technische Hilfeleistungen liegen mit 817 Einsätzen auf hohem Niveau. Bei 154 Verkehrsunfällen konnten 81 Personen gerettet werden; für acht Menschen kam jede Hilfe zu spät. Bei 82 Waldbränden lag der Schwerpunkt im Forst zwischen Altdöbern und Großräschen. Beklemmend: die Situation hat sich dort noch immer nicht entspannt. Fünf Minuten nach Rückkehr von der Delegiertenversammlung heulten in Großräschen und im Amt Altdöbern die Sirenen. 30 Kubikmeter Wasser wurden zum Löschen der 1, 75 Hektar großen Fläche benötigt. Da an mehreren Stellen ein Feuer loderte, ist Brandstiftung nicht auszuschließen.