ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:32 Uhr

Mischwald in der Calauer Schweiz

Revierförsterin Monique Müller (vorn) führte die Exkursionsteilnehmer an markante Stellen in den Forst der Calauer Schweiz, an denen die Stiftung August Bier an einem nachhaltigen Waldumbauprojekt arbeitet.
Revierförsterin Monique Müller (vorn) führte die Exkursionsteilnehmer an markante Stellen in den Forst der Calauer Schweiz, an denen die Stiftung August Bier an einem nachhaltigen Waldumbauprojekt arbeitet. FOTO: Uwe Hegewald/uhd1
Calau/Cabel. Ein bedachter Umgang mit dem Juwel Wald, eine Forstbewirtschaftung, die auf Nachhaltigkeit setzt, und bei der der finanzielle Gewinn in den Hintergrund rückt, sind prägend für das Streben der Waldspezialisten aus der Stiftung "August Bier". Bei einer Exkursion konnten kürzlich sich Mitglieder des Nabu-Regionalverbandes Calau ein Bild von der Stiftung machen. Und ihrem Wirken in der Calauer Schweiz. Uwe Hegewald / uhd1 uhd1

Initiiert wurde der Ausflug von der Arbeitsgemeinschaft (AG) Orts- und Flurbegrünung um Hans-Joachim Emmrich und Gunther Lützner. Für ihre 37. AG-Veranstaltung konnten die Organisatoren mit Karl-Heinz Jank (Cabel) und Sandro Richter (Werchow) zwei ortskundige Fuhrmänner mit ihren Kutschen gewinnen. Monique Müller, Revierförsterin der Stiftung "August Bier" begleitete die Tour. "In der Calauer Schweiz bewirtschaften wir rund 375 Hektar, davon 317 Hektar im Schutzgebiet", informierte die Fachhochschulabsolventin, die auf Praktika in Schottland und Neuseeland verweisen kann.

Das Herz der Waldexpertin schlägt für den deutschen Hain, insbesondere für den nach Konzepten des Professors August Bier (1861 - 1949). Der deutsche Hochschullehrer und Chirurg hatte 1912 in Sauen bei Beeskow einen Wald erworben, um auch diesen zu heilen. In der Folge gelang es ihm, die dortige heruntergewirtschaftete Kiefernheide in einen standortgerechten Mischwald umzuwandeln.

"Das versuchen wir auch hier in der Calauer Schweiz", erklärte Monique Müller und entführte die Reisegruppe in die Philosophie des ambitionierten Waldumbauprojektes. Als Basis bediente sich "Walddoktor" August Bier bekannter Merksätze des Philosophen Heraklit: "Alles fließt" (Panta rhei) und "Die Gegensätze fügen sich zur Harmonie". Bezüglich des funktionierenden Mit- und Nebeneinanders von Flora und Fauna hatte Monique Müller bemerkenswerte Beispiele parat: So gäbe es in der Calauer Schweiz zehn kleinere Moore und 132 Wildbienenarten. Die Birke werde als Freund geduldet, auch wenn sie sich von konventionellen Förstern oft die Frage gefallen lassen muss: "Warum nimmst du diese Peitschen nicht raus?"

Überhaupt war und ist es nicht leicht, Verständnis für die konsequente Umsetzung der Bewirtschaftung hin zu einer naturgemäßen Waldwirtschaft zu finden. Müller spricht von einem "schweren Einstieg, als seinerzeit eine Stiftung mit Sitz in Köln plötzlich in der Calauer Schweiz auftauchte und Forstflächen erwarb".

Geradezu geschockt zeigten sich die Mitglieder der AG Orts- und Flurbegrünung von der Info, dass der Stiftung durch Sorg- und Respektlosigkeit großer Schaden zugefügt werde. Längst hätten Pilzsucher neben ihrem Messer auch eine Zange dabei. Sie würden Wildschutzzäune zertrennen, um sich Zugang zu Aufforstungsflächen zu verschaffen, erzählte die seit zehn Jahren für die Stiftung August Bier tätige Revierförsterin. "Wenn die Stellen entdeckt und geflickt wurden, dauert es nur wenige Tage, bis auf einmal die Spannschlösser fehlen", ergänzte sie.

Trotz der gelegentlichen Rückschläge zog Monique Müller ein positives Fazit des nun bereits seit über acht Jahren währenden Waldumbauprojektes: "Die zurückliegenden drei Jahre waren niederschlagsreich, was dem übergeordneten Vorhaben zum Vorteil reicht: das Wasser in der Calauer Schweiz zu halten und Laubbäume zu etablieren", sagte sie.

Zum Thema:
August Bier zählt zu den Entdeckern der Lokalanästhesie (örtliche Schmerzausschaltung). Er arbeitete als Land-, Universitäts- aber auch als Marinegeneralarzt. Um den schweren Kopfverletzungen von Soldaten entgegenzutreten, erfand er während des 1. Weltkrieges, gemeinsam mit Professor Friedrich Magnus Schwerd den noch heute von der Bundeswehr genutzten Stahlhelm. uhd1