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Michael Jurtz verteidigt Teichfahr-Titel

FOTO: U. Hegewald
Bischdorf. Mit seinem fünften WM-Titel im Teichfahren ist Michael Jurtz endgültig auf dem Olymp der Ausnahme-Sportler aufgestiegen, die seinen Vornamen tragen: Schumacher, Jordan, Phelps, Stich, Groß oder Rummenigge. „Ich bin selbst überrascht, gewonnen zu haben; war mir nicht sicher, ob noch eine Runde zu fahren ist. Das war eine ganz enge Kiste“, schildert der 34-Jährige seinen Blick aufs Herzschlagfinale. Uwe Hegenwald

Bereits im Vorlauf signalisiert Michael Jurtz mit einer souveränen Fahrt, dass mit ihm zu rechnen sei. Verrückt: die jungen Männer strampeln durchs halbe Dorf und kürzen ihre Wettfahrt über dem Dorfteich ab, obwohl der darüber führende Steg nur so mit Schikanen gespickt ist. Nicht genug, dass die Pedaleure ein ums andere Mal im Wasser landen, müssen sie noch die scharfzüngigen Kommentare des Moderatorenteams über sich ergehen lassen.

Norbert Abt und Helmut Richter keilen verbal aus, wenn sie sich nicht gegenseitig aufs Korn nehmen. Unterhaltungswert haben die Ausführungen in Baumann & Clausen-Manier allemal. "Sie gehören zu unserem Teichfahren dazu", sagt Robert Hartmann, der zum 17. Mal am Wettbewerb teilnimmt. "Die Konkurrenz hat von Jahr zu Jahr zugenommen. Jeder will gewinnen", so der Vorsitzende des Jugendvereins Bischdorf.

Severin Vogt hat andere Ziele: "Einmal trocken rüberkommen. Beim Training, am Freitag ist mir das nicht gelungen", führt der 28-jährige Debütant an. In Düsseldorf als Zweiradmechaniker tätig, ist er von Freundin Anja Jakobi auf den Bischdorfer Wettbewerb aufmerksam gemacht worden. Die ersten Lebensjahre verbrachte die 23-Jährige im Dorf, bis sie mit ihren Eltern ins Ruhrgebiet zog. Alles Daumendrücken für ihren Freund Severin hilft jedoch nur ansatzweise. Im Halbfinale ist für den passionierten Mountainbike-Fahrer Schluss, der jedoch mit einem Handicap antreten muss. Nicht das technisch ausgereifte Mountainbike, sondern ein ungewohntes 26er Damenrad ohne Schutzbleche, Schaltung und Bremshebel erhält den Vorzug.
"So sieht es das Reglement vor", erklärt Robert Hartmann. "Gleiche Bedingungen für alle", so der Vereinschef, der in diesem Jahr schon fast eine Hand am Pokal hat. Kein langweiliger Pott, wie man ihn vom Fußball kennt, sondern ein nagelneues Herren-Tourenrad ist es, was 22 Starter bewegt, die Torturen auf sich zu nehmen. Hinzu kommt das Recht, sich Weltmeister nennen zu dürfen und in Bischdorf auch die Chance, als zukünftiger Schwiegersohn Eindruck zu schinden.

Die WM-Krone bleibt jedoch bei "Mister Unbesiegbar" Michael Jurtz, der mit sich ringt, den Titel 2018 ein weiteres Mal zu verteidigen. "Eigentlich wollte ich nach fünf Titeln aufhören, andersrum reizt mich die 20. Teilnahme beim Bischdorfer Teichfahren, die kommendes Jahr ansteht", erzählt er. "Es wird wohl auf eine kurzfristige Entscheidung hinauslaufen", so der 34-Jährige, der am Sonntag Mitfavorit Robert Hartmann auf den Bronzeplatz verweist. Zwischen den beiden jongliert sich Mirko Richter zum doppelten Titel: "Vizeweltmeister" und "ewiger Zweiter". Für Spannung und Unterhaltung beim 66. Bischdorfer Teichfahren, am ersten Augustwochenende 2018 ist also gesorgt, zumal Schlagersänger Andreas Schenker angekündigt hat: "Nächstes Jahr springe ich auch ins Wasser!"

Sechs Starterinnen beim Badewannenrennen

Zur Damen-Disziplin, dem Badewannen-Rennen, meldeten sich sechs Starterinnen zuzüglich zwei Mädchen, die sich in der Klasse U 14 in altehrwürdigen Zink-Badewannen duellierten. Im Finale ließ Franziska Schulze nichts anbrennen, schlug beim Zieldurchlauf noch ein turnakrobatisches Rad. Zweite wurde Yvonne Irrgang, Bronze ging an Jule Kuba.