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Methusalem auf vier Pfoten

Stolzes Alter – Markus Hentschel mit seinem 19 Jahre alten Schäferhund Robin.
Stolzes Alter – Markus Hentschel mit seinem 19 Jahre alten Schäferhund Robin. FOTO: Daniel Preikschat
Lübbenau. Wer bei der Blitzschutzsysteme-Firma Hentschel in Lübbenau auf den Klingelknopf drückt, hört es im Haus sofort bellen. Ein Schäferhund erscheint an der Glastür, guckt neugierig und erwartungsvoll. Daniel Preikschat

Das Fell an einigen Stellen ergraut, der Blick schon etwas trübe, der Gang ein wenig schleppend. Keine Frage, ein älteres Tier. Aber 19 Jahre? Diese Auskunft von "Herrchen" Markus Hentschel erstaunt jeden Hundefreund.

So zum Beispiel auch Carola Böldt vom Lübbenauer Hundesportverein: "Es ist extrem selten, dass ein Schäferhund dieses Alter erreicht." Kleinere Hunde können schon mal 16, 17 Jahre alt werden. Aber Schäferhund, Labrador, Boxer und Co. schaffen das in aller Regel nicht. Die Expertin mutmaßt, dass im Fall von Robin alles gepasst hat: Konstitution, Haltung, Pflege.

Bei Markus Hentschel hat es Robin zumindest immer gut gehabt. Wenn man den Unternehmer von seinem Hund erzählen hört, zweifelt man nicht daran. Seine Schwester habe ihn vor nunmehr 14 Jahren auf eine Kleinanzeige in der Zeitung aufmerksam gemacht und gesagt: "Markus, das ist dein neuer Hund." Der alte Hund des Lübbenauers hieß Trixi, eine Schäferhündin, die mit 14 Jahren starb. Ein Jahr ließ Hentschel daraufhin vergehen. Danach war er der hundelosen Zeit überdrüssig. Hinzu kam, dass es ihm aus privaten Gründen - der Vater war verstorben - nicht so gut ging. Robin kam gerade recht, ihn auf andere Gedanken zu bringen.

Hentschel nahm den damals fünf Jahre alten Rüden aus einem Tierheim in Langengrassau sofort mit nach Hause in die Wiesenstraße nach Lübbenau. Das lebhafte, eigensinnige Tier hatte es ihm gleich angetan. Hentschel akzeptierte Robin so, wie er war, versuchte gar nicht erst, den "Freigeist" zu erziehen. "Er hört bis heute nicht", sagt er lächelnd. Dafür begleitete Robin "Herrchen" liebend gern überall mit hin, trabte neben dem Jogger Kilometer weit mit, passte auf im Betrieb, verbreitete gute Laune.

Mehrmals in den vergangenen Jahren dachte Markus Hentschel schon, Robin müsse das Zeitliche segnen. Im Alter bekam er Probleme mit den Schilddrüsen, mit den Knochen und der Durchblutung. Doch der Hund überwand bisher alle gesundheitlichen Tiefs. "Er wird einfach nur älter und älter", so Hentschel. Sieben Tabletten, täglich ins Futter gemischt, helfen dabei. Und natürlich ziehe der Methusalem mit dem für Hunde biblischen Alter heute deutlich kleinere Kreise als noch vor einigen Jahren. Zwei Spaziergänge täglich von ein, zwei Kilometer Länge reichen ihm. Zugleich werden die Schlafenszeiten tagsüber länger.

Markus Henschel hat von einem Hütehund in Schottland gehört, der erst mit 31 Jahren gestorben ist. Wahrscheinlich wird sein Robin nicht ganz so alt. Dagegen einzuwenden, hätte er aber auch nichts.

Zum Thema:
Laut dem Verein für Deutsche Schäferhunde werden die Tiere im Durchschnitt elf bis 13 Jahre. Größere Hunde wie Deutsche Dogge oder Berner Sennenhund werden im Schnitt nur sechs bis acht Jahre alt. Kleinere Hunde hingegen haben eine höhere Lebenserwartung. So wäre ein Alter von 19 Jahren bei einem Chihuahua weniger erstaunlich. Sie können bis zu 18 Jahre alt werden.