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| 14:56 Uhr

Konzert
Melodiöser und jazziger Kontrabass in Reuden

 Jaspar Libuda hat am Samstag in der Gutskapelle Reuden gezeigt, was mit einem Kontrabass musikalisch möglich ist.
Jaspar Libuda hat am Samstag in der Gutskapelle Reuden gezeigt, was mit einem Kontrabass musikalisch möglich ist. FOTO: Hofmann Rüdiger
Reuden. Jaspar Libuda besticht mit ungewöhnlichen Klängen in der Gutskapelle – einem kulturhistorischen Kleinod. Von Rüdiger Hofmann

Ein verlängertes Griffbrett, ein höhenverstellbarer Steg, fünf Saiten, und ein Knickstachel für eine ausbalancierte Haltung des Basses – das sind die besonderen Elemente des Kontrabasses von Jaspar Libuda. Der Berliner Musiker hat dieses außergewöhnliche Exemplar am Samstag in der Gutskapelle Reuden in einem rund zweistündigen Benefizkonzert zum Klingen gebracht. Die Kapelle war gut gefüllt. Eingesammelte Spenden werden für die Erhaltung des barocken Kanzelaltars genutzt.

Die Besonderheit bei Konzerten von Libuda: Der Künstler nutzt eine „Loop-Station“ – eine Art Kreismaschine, vergleichbar mit einem Tonbandgerät, bei dem Töne oder einzelne Sequenzen aufgenommen und in wiederkehrender Folge mit anderen Tönen kombiniert und wiedergegeben werden. Durch diese Überlagerung entsteht ein fantastischer Klangteppich. So hat man einen Kontrabass noch nicht gehört!

„In jeder meiner Kompositionen spiele ich ein Solo und improvisiere wie beim Jazz, nur gliedere ich das Solo nahezu unmerklich ein“, sagt Libuda, der eine beeindruckende Biografie hat, 2014 zum „Jazz in den Ministergärten“ eingeladen wurde und auch Musik für Hörbücher und Dokumentationsfilme produziert. Während des Konzertes moderiert er mit warmer Stimme seine Stücke an, die unter anderem aus seinem aktuellen Kontrabass-Solo- Album „Die Geburt der stillen Farben“ stammen. Das macht es dem Zuhörer leicht, zu folgen und die Entstehungsgeschichten nachzuvollziehen. Melodiöses Bogenspiel und akkordbezogene Zupftechnik wechseln sich perfekt ab, Flächen und Rhythmen werden übereinander geschichtet.

Raffiniert kommt „Auf der Jagd nach Ewigkeit“ daher, ruhig und besinnlich dagegen „Stille“, während Libuda beim Stück „Fetter Grashüpfer“ mit atemberaubender Geschwindigkeit auf dem Griffbrett umher springt und darüber hinaus einen verzerrten, nahezu krei­schenden Mittelteil integriert. Der „verschleierte Zauber“ besteht fast nur aus Obertönen, und die Zugabe „Heimat für Rastlose“ gelingt als musikalische Umarmung. Am Ende bleibt ein begeistertes Publikum zurück, das Libuda nach 2009 und 2014 bereits zum dritten Mal in Reuden beklatschen durfte.

 Jaspar Libuda hat am Samstag in der Gutskapelle Reuden gezeigt, was mit einem Kontrabass musikalisch möglich ist.
Jaspar Libuda hat am Samstag in der Gutskapelle Reuden gezeigt, was mit einem Kontrabass musikalisch möglich ist. FOTO: Hofmann Rüdiger