Von Daniel Preikschat

Lübbenau wird auch im Winter beliebter. Eine vor drei Jahren gestartete Marketing-Offensive, mit der Touristen der Besuch der Spreewaldstadt auch in der kalten Jahreszeit ans Herz gelegt wurde, zeigt offenbar Wirkung. Zumindest konnte Caroline Fürll von der Spreewald-Touristinformation in der Interessengemeinschaft Altstadt Lübbenau (IGEA) kürzlich mit einer beeindruckenden Zahl aufwarten: 11 000 Übernachtungen zusätzlich in den Wintermonaten hat die Marketing-Offensive der Stadt in den vergangenen drei Jahren beschert.

Ebenfalls erst kürzlich merkte Tourismusmarketing-Experte Professor Felix Herle von der Hochschule Bremen in der Lübbenauer Stadtmarketing-AG an: Für Lübbenau sei „die Außenwahrnehmung bereits vielfach positiv belegt“. Herle moderiert die Treffen der Arbeitsgruppe, zu der wichtige Akteure des Tourismus in der Stadt gehören, seit Jahren. Seine Studenten kommen immer im Frühjahr in die Stadt, um bestimmte Bereiche des touristischen Angebots kritisch zu betrachten. Dabei wurden entweder Tourismusanbieter oder Touristen befragt. Herle hält es jedoch für eine gute Idee, nun auch mal die Einwohner der Stadt selbst zu befragen, wie sie das örtliche Angebot beurteilen. Das könnte helfen, sagte er, „ein offensives Innenmarketing“ zu entwickeln. Sprich: Die Stadt Lübbenau auch den Lübbenauern selbst besser zu verkaufen.

Jüngste Kommentare in den sozialen Netzwerken lassen darauf schließen, dass dies angebracht sein könnte. Es sei nichts los in Lübbenau, wurde zuletzt im Internet mitgeteilt, den Bewohnern werde wenig angeboten. Was in der Stadtmarketing AG für verbales Kopfschütteln sorgte. Wo doch andere Orte neidisch nach Lübbenau schauen und bewundern, was hier in den vergangenen 20, 30 Jahren geschaffen worden ist, wie Michael Petschick vom Biosphärenreservat Spreewald anmerkte. Hartmut Klauschk von der Stadtverwaltung verwies auf sanierte Wohnhäuser, grüne Außenanlagen, Spielplätze, kurze Wege zu Schulen und Kitas, Einkaufsmärkte und gute medizinische Versorgung.

Wie genau so eine Einwohnerbefragung aussehen, wer sie durchführen soll, das ist freilich noch offen. Möglicherweise könnten das Herles Studenten machen, die sich im nächsten Jahr aber erstmal einem anderen Thema zuwenden, das noch mehr drängt: dem Arbeitskräfte-Engpass in Hotellerie und Gastronomie.

Dabei sind Umfragen in Lübbenau nichts Neues. Bei der WIS Wohnungsbaugesellschaft im Spreewald wurden erst im Sommer dieses Jahres alle 3572 Lübbenauer Mieterhaushalte befragt. Es gab 816 Rückmeldungen, wie das Wohnungsunternehmen informiert. Die Mehrheit der Umfrage-Teilnehmer zeigte sich zufrieden mit ihrer Wohnung. Auch die Nachbarschaft wurde überwiegend als angenehm empfunden, mehr gegenseitige Rücksichtnahme wäre jedoch schön, merkten einige Mieter an. Zwischen Alt und Jung beispielsweise oder zwischen Hundebesitzern und Nichthundebesitzern. Nach der vorangegangenen Umfrage habe man sich bei der WIS Problemen mit den Außenanlagen besser annehmen können, heißt es weiter.

Etwas länger zurück liegt eine Umfrage der Lübbenauer CDU unter Senioren. Dabei kam im vergangenen Jahr unter anderem heraus, dass älteren Menschen neben der ärztlichen Versorgung und zu Fuß gut erreichbaren Einkaufsmöglichkeiten auch die Verkehrssicherheit ganz wichtig ist und hierfür mehr getan werden müsste. In der Folge wurde, zunächt in der Poststraße, ein mobiles Tempomessgerät instaliert und der Wochenmarkt in der Neustadt besser befestigt.

Mit unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen auch in Lübbenau gesprochen hingegen haben in diesem Jahr die Akteure der „tanzkompanie golde g.“ In Zusammenarbeit mit dem „ars momento e.V.“ (Verein zur Förderung des Zeitgenössischen Tanzes) in Cottbus. Antworten auf die Fragen, wie man die aktuelle Lebenssituation einschätzt in der Lausitz, was Heimat im Hier und Jetzt bedeutet und was im Alltag beschäftigt, wurden zu einer Tanzperformance verarbeitet. Sie wird zu sehen sein beim diesjährigen Lübbenauer Herbstfest im Kulturzentrum Gleis 3 am Freitag kommender Woche, 18. Oktober. Der Eintritt ist kostenlos.