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| 13:55 Uhr

Leser für Leser
Aus der Geschichte Altdöberns

 Ein alter Häuserblock in Altdöbern, der einst zu den modernsten im Ort gehörte.
Ein alter Häuserblock in Altdöbern, der einst zu den modernsten im Ort gehörte. FOTO: LR / Horst Bernstein
Siedlung der Bergarbeiter entstand in den 50er-Jahren

Wir schreiben das Jahr 1953. Das Kalenderblatt zeigt Sonnabend, den 15. August 1953. Acht Jahre nach Kriegsende waren die Spuren des Zweiten  Weltkrieges noch deutlich in Altdöbern zu erkennen. Bescheidenheit, Achtung  und  Aufbruchstimmung macht sich jedoch in der Bevölkerung  bemerkbar. Das Vereinsleben war  wieder  entstanden, und insbesondere der Sport findet viele Anhänger. Die Versorgung mit täglichen Nahrungsmitteln stabilisierte  sich zusehends. Der politische und staatliche Einfluss wurde immer offensichtlicher.  So gibt es bereits eine FDJ-Grundorganisation mit mehr als 60 Mitgliedern. Seit Februar 1953 gabt es eine staatliche Handelsorganisation  (HO) in der Marktstraße (heute Spar Helbig), den  „alten“ Altdöberanern  noch unter „Dirrwald“   bekannt. Kaufhaus Herrmann Fiedler wurde  vom Konsum übernommen und zum Landwarenhaus umfunktioniert.

Bereits seit 1951 bestand in Altdöbern eine DFD (Demokratischer Frauenbund Deutschlands) Ortsgruppe mit mehr als 250 Mitgliedern. Neben der gut organisierten Freiwilligen Feuerwehr, hier ist insbesondere   Jörg Welkisch zu nennen, der mit elf Jahren  1. Brandmeister der Feuerwehr der Jungen Pioniere war, an  der Zentralschule von Altdöbern „Verantwortung“  übernahm. Bürgermeister  war der Verwaltungskaufmann Friedrich Richter.

 Die Entwicklung des Tagebaues Greifenhain ging an Altdöbern nicht spurlos vorbei. Die  Kohleförderung veranlasst  viele Menschen  zum Wohnortwechsel.  Sie kamen vorrangig aus dem Ostseeraum nach  Altdöbern und brauchten natürlich Wohnungen. Der kaum bebaute westliche Teil des Ortes bot sich regelrecht für einen Neubau an. Auf dem Gelände des 1. innerörtlichen Sportplatzes  in der Turnstraße wurden –  für alle Bewohner des Ortes völlig neu –  zwei- und dreigeschossige Häuser gebaut. 1953 waren das ganz besondere Bauten, mit einem bis daher nicht gekannten Luxus. Alle Wohnungen hatten ein Bad mit einem WC und einem Waschbecken.  Luxus war das schon, bedenkt man, das erst 23 Jahre zuvor, 1930  das erste Haus mit innenliegendem WC in Altdöbern erbaut wurde.  Am 15. August 1953 standen die ersten Leiter-, Hand- und Möbelwagen vor den Eingängen der neuen Häuser. Wer solch eine Wohnung  beziehen konnte, war überglücklich.

Mit dieser Baumaßnahme kamen die Steine ins Rollen. Es war der Grundstein für eine in den Jahren heranwachsenden Bergarbeitergemeinde gelegt. Der Neubau in der Bahnhofstraße, der Neubau der neuen Schule, die Bebauung der Weststraße, der Neubau des Internats für Schüler (leider heute eine Ruine) sind nur einige  hier zu nennende Maßnahmen, die den Ort Altdöbern zunehmend vergrößern. Das war vor 65 Jahren in Altdöbern zu erleben.