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Meilenstein nimmt wieder seinen angestammten Platz ein

An der Landstraße 52, zwischen Buckow und der Autobahnabfahrt Bathow, auf der Gemarkung Groß Jehser, ist ein preußischer Meilenstein wieder aufgestellt worden. Wolfgang Pinkow, Mitglied der Forschungsgruppe preußischer, anhaltinischer und mecklenburgischer Meilensteine in Neubrandenburg, begleitete die Aktion, die Mitarbeiter der Straßenmeisterei Calau und des Steinmetzbetriebs Weber aus Lübben ausführten. Von Bernd Marx

Der Rundsockelstein aus dem Jahre 1865 aus Arnsdorfer Granit war am 9. Dezember 2005 vom Standort entfernt, in Calau eingelagert und vor wenigen Wochen in Lübben einer gründlichen Sanierung unterzogen worden. "Im preußischen Meilenstein von Groß Jehser, der historische Bedeutung hat, hatten sich bereits Risse gezeigt, die unbedingt ausgebessert werden mussten", sagte der 63-jährige Diplomgeologe Wolfgang Pinkow.
Calauer Heimatforscher vermuten dass der Rundsockelstein in den Jahren 1979/80 von den sowjetischen Streitkräften umgefahren und teilweise dabei zerstört worden war. Ein Steinmetz hatte damals bereits eine Reparatur mit einem Kupferstift und Ausfüllmasse vorgenommen. Doch der Zahn der Zeit nagte weiter an dieser Granitsäule und hinterließ bedenkliche Spuren. Auch einige Einschüsse aus dem Zweiten Weltkrieg hatten beträchtlichen Schaden angerichtet. Beschriftet ist der Rundsockelstein nicht. Bekannt ist, dass er genau zwei preußische Meilen (15, 64 Kilometer) von Luckau entfernt steht. In Luckau steht am Abzweig zur L 52 als "Null-Punkt" ein Wegweiserstein in Taubenhausform. Noch nicht bewiesen wurde, dass es dazwischen, also in der Nähe der Ortschaft Schlabendorf, einen weiteren Meilenstein gegeben hat.
"Wir waren bei der Entfernung des Steines erstaunt, wie lang er ist und wie stark das Bodenfundament angelegt war", erklärte Detlef Petermann von der Straßenmeisterei. Vermutlich ist der Stein beim Bau der Straße um 1864/65 gesetzt worden. Der Straßenabschnitt von Calau nach Zinnitz, der eine wichtige Verbindung von Luckau nach Spremberg über Calau und Drebkau darstellte, war am 1. September 1864 fertiggestellt worden. Es gab sogar an dieser Straße bei Buckow eine Chausseegeldhebestelle. Das Haus steht heute noch.
Nach der Restaurierung zeigt sich der Stein in einem hellen Farbton, wiegt etwa 600 Kilogramm, ist 1,50 Meter lang und hat an der Spitze einen Durchmesser von 40 Zentimetern. Ein starkes Betonbett sorgt für die nötige Standfestigkeit. "Während der Sanierung wurde der Stein sandgestrahlt, mit einem Edelstahldübel stabilisiert und fehlende Stellen mit Steinersatzmasse ersetzt", sagte Steinbildhauermeister Denny Weber aus Lübben. Zur Anfertigung eines solchen Steines benötigten die Steinmetze einst etwa drei Arbeitstage. Im Gebiet des damaligen Preußen können die Mitglieder der Forschungsgruppe gegenwärtig auf etwa 2000 Stück verweisen. Auch die beschrifteten Meilensteine in Krimnitz und Boblitz zählen dazu. Andere wurden bei der Erweiterung von Straßen entfernt, gingen bei Bauarbeiten verloren oder wurden während des Zweiten Weltkrieges teilweise oder gänzlich zerstört.
"Wir sind sehr stolz, dass es uns gelungen ist, dieses historische Belegstück für die Heimatforschung und unsere Nachwelt zu erhalten", bemerkte Wolfgang Reichardt, Leiter der Straßenmeisterei Calau. Die Kosten der Restauration belaufen sich auf rund 500 Euro. Der historische Meilenstein von Groß Jehser hat wieder seinen alten Platz als Zeugnis der regionalen Heimat- und Verkehrsgeschichte eingenommen.