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| 15:30 Uhr

Firmenjubiläum
Maßanfertigung in fünfter Generation

Vater Jens Knöbig (r.) mit Sohnemann René Knöbig haben mit ihrer Bau- und Möbeltischlerei das älteste Familienunternehmen der Stadt Calau. Hier werkeln sie am Herzstück der Firma, der Formatkreissäge, mit der Winkel und Höhen mit absoluter Präzision exakt abgefahren werden können.
Vater Jens Knöbig (r.) mit Sohnemann René Knöbig haben mit ihrer Bau- und Möbeltischlerei das älteste Familienunternehmen der Stadt Calau. Hier werkeln sie am Herzstück der Firma, der Formatkreissäge, mit der Winkel und Höhen mit absoluter Präzision exakt abgefahren werden können. FOTO: Rüdiger Hofmann
Calau. Bau- und Möbeltischlerei Knöbig produziert seit 135 Jahren und ist damit das älteste Unternehmen in Calau. Von Rüdiger Hofmann

Der traditionelle Familienbetrieb „Bau- und Möbeltischlerei Knöbig“ in Calau hat allen Grund zum Feiern: Seit nunmehr 135 Jahren fertigt und produziert das Unternehmen in der Stadt. Damit ist es nachweislich die älteste Firma in Calau, wie der historische Zeitungsartikel mit der Gewerbeanmeldung aus dem Jahr 1883 beweist (siehe kleines Foto). Gefeiert werden soll das Jubiläum noch in diesem Jahr, wenn es Vater Jens gesundheitlich wieder besser geht.

„Wir befinden uns mittlerweile in der fünften Generation“, sagt Sohn René Knöbig stolz. Tendenz steigend. Denn inzwischen hat René seine Verlobte Heike geheiratet – ein weiterer Grund zum Feiern. „Der später geplante und sehr gewünschte Nachwuchs wird eventuell die nächste Generation der Bau- und Möbeltischlerei Knöbig werden und die Familientradition weiterführen“, sagt er. Das Ja-Wort gegeben haben sich Heike und René am 8. September im Standesamt in Calau. „Nächstes Jahr folgt dann die kirchliche Trauung“, so René Knöbig. „Wir sind eine alteingesessene Familie und wollen auch hierbleiben, denn es gefällt uns in Calau“, sagt er.

Ein Blick in die Familienchronik zeigt zugleich auch die interessante Unternehmensgeschichte. 1883 von Otto Knöbig gegründet, war der Betrieb zunächst in der Töpferstraße ansässig. Später erfolgte der Umzug in die Schlossstraße 23. Bis in die 60er-Jahre wurde unter Günter Knöbig auch noch „Sargtischlerei“ betrieben. In der Werkstatt arbeiteten damals bis zu 15 Mitarbeiter. Danach übernahm Robert Knöbig die Firma und gab sie schließlich an Jens Knöbig weiter.

„Ich bin damals immer bei Opa und Vater auf Baustellen mitgefahren und habe Spaß an deren Arbeit gefunden“, erzählt René, wie ihn das Tischlereifieber gepackt hat. Vater und Großvater hätten aber keinen Druck auf ihn aufgebaut. „Wenn der Junge Spaß dran findet, soll er es machen“, haben sie ihm geraten. 2012 macht René den Meister. Heute steht das Unternehmen ausschließlich für Bau- und Möbeltischlerei. „Der Schwerpunkt liegt auf Fenstern, Türen und Möbeln“, sagt Jens Knöbig. Vor allem aber auf Sonderanfertigungen, die es im gewöhnlichen Marktumfeld nicht gibt. So musste beispielsweise der Tisch im Standesamt nach einem Wasserschaden für die Trauung aufgearbeitet und lackiert werden. „Wir machen Kniffliges, wo sich nicht jeder herantraut.“

Bedient werden hauptsächlich Privatkunden. Vater Jens und Sohnemann René betreiben das Zwei-Mann-Unternehmen mit absoluter Leidenschaft. Die Auftragslage sei gut, der Kundenstamm habe sich über Generationen hinweg entwickelt, einige Stammkunden aus der Region bestellen seit Jahrzehnten und nehmen auch lange Wartezeiten in Kauf. Neuerdings liegt der Fokus auch auf altersgerechten Spezialanfertigungen. Gerichtet wird sich nach individuellen Kundenwünschen. Auf Fotomaterial zeigen die beiden speziell angefertigte große Regalflächen oder Türen in Dachschrägen, Maßschränke und außergewöhnliche Holzvertäfelungen. Bei einigen Kunden sind sie für die gesamte Innenausstattung verantwortlich gewesen.

„2013 mussten wir uns komplett neue Technik anschaffen“, sagt René. Investiert wurde in eine Formatkreissäge, in einen Hobel, eine Tischfräse und in etliche Handmaschinen, Spezialwerkzeuge und einen neuen Transporter. Grund für die Neuanschaffungen war ein Großauftrag im gleichen Jahr für den Deutschen Bundestag. „Dabei ging es um neue Schrankbeschläge und Möbelreparaturen“, erinnert sich René Knöbig.

Die Formatkreissäge ist übrigens im Calauer Vater-Sohn-Betrieb das Herzstück (siehe großes Foto). Sie gehört zu den Standardmaschinen in der Tischlerei und wird in der Regel zum präzisen Zuschneiden und zum winkelgenauen Aufteilen von plattenförmigen Werkstücken, Holzwerkstoffen sowie von besäumtem und unbesäumtem Massivholz eingesetzt, vermehrt aber auch zum Schneiden von Metallen und Kunststoff. Anschläge erfolgen digital, Winkel werden exakt berechnet. Ein Sägeblatt fährt Winkel und Höhen mit absoluter Genauigkeit ab. „Die Maschine ist 2,5 Tonnen schwer“, sagt Vater Jens. Die Anlieferung kam einer logistischen Meisterleistung gleich. Arbeiten ohne diese Präzisionsmaschine sind für die beiden nicht mehr denkbar. Massivholz besorgen Vater und Sohn aus Leipzig. „Was die weiteren Werkstoffe anbelangt, bleiben wir aber bei regionalen Händlern“, so Jens Knöbig.

Bei einer 135-jährigen Firmengeschichte bleiben Veränderungen und notwendige Weiterbildungen nicht aus. Werkstoffe ändern sich, neue Umwelt- und Gesundheitsbestimmungen für Lacke und Farben kommen hinzu, die Technik wird besser, neue Maschinen streben auf den Markt. „Unsere Arbeit beruht zwar auf der einen Seite auf dem traditionellen Handwerk, wir verschließen uns aber auch nicht dem technischen Fortschritt und den Neuheiten innerhalb der Branche“, sagt René Knöbig. Nur so würde man auf dem Laufenden bleiben und nicht stehen bleiben.

Die Stammkundschaft wird es freuen.

Der Beweis: ein Zeitungsausschnitt aus dem Calauer Kreisblatt von 1883, dem Jahr der Firmengründung.
Der Beweis: ein Zeitungsausschnitt aus dem Calauer Kreisblatt von 1883, dem Jahr der Firmengründung. FOTO: Rüdiger Hofmann