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Raddusch
Fideln, Filzen, Feuer hüten

Einem Stelldichein von Handwerkern, Künstlern und Freunden Lausitzer Kulturen konnten Besucher der Slawenburg Raddusch am vergangenen Samstag beiwohnen. Zu den vielen Mitwirkenden zählten unter anderem auch die Instrumentenbauer und Musiker Michel Bach (l.) und Stephan Thiele (r.), die aus Vorpommern angereist waren.
Einem Stelldichein von Handwerkern, Künstlern und Freunden Lausitzer Kulturen konnten Besucher der Slawenburg Raddusch am vergangenen Samstag beiwohnen. Zu den vielen Mitwirkenden zählten unter anderem auch die Instrumentenbauer und Musiker Michel Bach (l.) und Stephan Thiele (r.), die aus Vorpommern angereist waren. FOTO: Uwe Hegewald / Hegewald Uwe
Raddusch. Der Marktplatz Lausitzer Kulturen hat zahlreiche Gäste in die Slawenburg Raddusch gezogen. Von Uwe Hegewald

Um es vorweg zu nehmen: Die gute Besucherresonanz beim Marktplatz Lausitzer Kulturen in der Slawenburg allein dem guten Wetter zuzuschreiben, würde der Sache nicht gerecht werden. „Bereits zur Sonderausstellung Neu ist nur das Wort, die am Samstag endete, konnten wir ein gestiegenes Interesse verzeichneten“, resümiert Harriet Bönisch. „Demnächst ist die Ausstellung an der Universität in Hamburg zu sehen“, so die im Objekt für die wissenschaftliche Arbeit zuständige „Burgherrin“.

Matthias Kallähne weiß gleich mehrere Gründe zu benennen, warum es ihn immer wieder zum Herbsthöhepunkt in die Slawenburg lockt: „Coole, knackige Veranstaltung, an nur einem Tag, wo man Dreck machen kann, Krach erlaubt ist und wo man netten Leuten begegnet“, so der Geweih-Schnitzer. Während er filigrane Nähnadeln und einen Löffel aus der Wikingerzeit reproduziert, erklärt die mitgereiste Carola von Heidenfeld, woher die Inspiration kommt: „ein Ausflug ins schottische Nationalmuseum in Edinburgh mit seinen fünf Etagen. Wir können einen Besuch dieses Hauses nur empfehlen“, so die Berlinerin, die an einem dicken Mantel aus echter Wolle näht. „Der Winter steht vor der Tür“, begründet sie.

Passend dazu sind Axthiebe zu hören. Stück für Stück treibt Michel Bach das Beil ins Holz, das jedoch nicht als Scheit in den Kamin landen soll. „Wir produzieren historische Musikinstrumente. Aus diesem Stück soll eine Fidel entstehen“, erklärt er an einem hölzernen Rohling. Zum „Wir“ zählt noch Stephan Thiele, dem das aufwendige Herstellen einer Laute zu lange dauert. Vor den Augen von Besuchern bastelt er eine Drei-Minuten-Flöte. „Mehr Zeit wird dafür nicht benötigt“, prophezeit er, nimmt sich den trockenen Stiel eines Riesenknöterichs, brennt in entsprechenden Abständen Löcher hinein und schon ist die Querflöte fertig.

Auf die Frage, von wem er schließlich das Musizieren erlernt hat, zeigt der Norddeutsche auf seinen Kollegen Michel Bach, um ihm zu schmeicheln: „Am Bach-Konservatorium“, so Thiele. Die Stimmung im Innenhof der Slawenburg ist von ansteckend positiver Atmosphäre geprägt. „Die Leute sind aufgeschlossen und probierfreudig“, stellt Juliane Schudek, Mitarbeiterin der Museumspädagogik an „ihrer“ Steinzeitküche fest. Unter dem Motto „Kochen durch die Epochen“ serviert sie mit ihrem Team neun verschiedene Aufstriche, Quarkspeisen oder Kompotte sowie zwei deftige Eintöpfe. „Einige Zutaten stammen aus eigenem Anbau“, sagt sie und verweist auf das dauerhafte Angebot, sich in der Slawenburg in früh- und mittelalterliche Kostkunst entführen zu lassen. Wie Juliane Schudek gegenüber der RUNDSCHAU erklärt, werde das Angebot insbesondere von Schülergruppen sehr gern angenommen. Apropos Schüler: Als Meisterschüler darf sich Andreas Kühne fühlen, der an der Seite seines „Lehrmeisters“ Frank Trommer Bronzegegenstände fabriziert. Aus Blaubeuren (bei Ulm) angereist bringt das Duo die transportable Lehmbrennschale auf über 1250 Grad Celsius, verwandelt die hochwertige Bronze vom festen in flüssigen Aggregatzustand und gießt diese in Formen aus Speckstein.

Vor acht Jahren war Frank Trommer erstmals in Raddusch zu Gast, der drei Festangestellte und zehn Freie Mitarbeiter beschäftigt – unter ihnen Andreas Kühne. Im  deutschsprachigen Raum unterwegs reproduzieren Trommer und sein Team Objekte, die dem Original sehr nahe kommen. Darunter Salzpickel aus Österreich, Steigeisen aus Tirol oder die bekannte Himmelsscheibe von Nebra (Sachsen-Anhalt). „Die Arbeit bereitet immer wieder Freude, sonst wären wir nicht hier“, sagt Trommer. Und: „man kann sogar davon leben. Fragen sie nur nicht wie.“

Weitere Fotos: lr.online.de/bilder/