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| 01:38 Uhr

Malerinnen mit Lübbener Geschichte

Erinnerungen an Lübben damals haben Bildbetrachter wie Erika Haschenz aus Lübben in der Ausstellung mit Bildern der Lübbener Malerinnen Marie Moritz und Frieda Moritz im Museum Schloss Lübben genossen. Die Schau ist bis zum 20. September mittwochs bis sonntags zwischen 10 und 17 Uhr zu besichtigen.Foto: -ds
Erinnerungen an Lübben damals haben Bildbetrachter wie Erika Haschenz aus Lübben in der Ausstellung mit Bildern der Lübbener Malerinnen Marie Moritz und Frieda Moritz im Museum Schloss Lübben genossen. Die Schau ist bis zum 20. September mittwochs bis sonntags zwischen 10 und 17 Uhr zu besichtigen.Foto: -ds FOTO: -ds
Lübben. Andrang am Donnerstag im Stadt- und Regionalmuseum im Lübbener Schloss – und das bei einer Bilderausstellung, was Besonderes verspricht. Den Malerinnen Marie Moritz (1860 bis 1925) und Frieda Boehr (1877 bis 1967) erweisen viele Besucher der Vernissage für die Sonderausstellung „Brotlose Kunst?“ die Ehre. -ds

Marie Moritz und Frieda Boehr sind gebürtige Lübbenerinnen, denen mit dieser Ausstellung gedacht werden soll. Der Museums-Mannschaft um Direktorin Christina Orphal schwebte das schon seit zehn Jahren vor, aber diese ganz besondere Ausstellung machte auch ganz besondere Mühe. Beim Gestalten der Exposition halfen immerhin 21 Spreewälder, die Stiftung Stadtmuseum Berlin, das Spreewaldmuseum Lübbenau sowie Bilder aus dem Depot des Museums Schloss Lübben.

Über Frieda Boehr, der Tochter des angesehenen Leiters des Lübbener Hebammeninstituts im 19. Jahrhundert, ist weitaus mehr Biografisches und vor allem Bildnerisches überliefert als von Marie Moritz, der Tochter eines anerkannten Lübbener Lehrers und seiner Gattin, einer Tochter der ebenfalls angesehenen Lübbener Familie Löscher.

“Beide Frauen wagten im 19. Jahrhundert, wo ihnen noch der künstlerisch-akademische Weg versperrt war, den Schritt in die freiberufliche Malerei. Beide blieben dem Spreewald und ihrer Geburtsstadt Lübben verbunden„, stellte Museumsdirektorin Christina Orphal fest. Das Kulturland Brandenburg widmet sich in diesem Jahr starken Frauen, und da sei die Erinnerung an diese Künstlerinnen im Lübbener Stadt- und Regionalmuseum angebracht.

Ausstellungs-Gestalter Philip Kardell, zugleich Mitarbeiter im Museums-Team, wollte neben dem großen künstlerischen und heimatgeschichtlichen Wert der Werke beider Künstlerinnen die Schau mit dem Titel “Brotlose Kunst?„ auch als Hinweis auf die schwierige Lage freischaffender Künstler verstanden wissen. Beide Malerinnen stammten aus den wohl situierten gutbürgerlichen Lübbener Familien Uschner, Löschner und Moritz. Marie Moritz konnte bei selbstständig wirkenden Künstlerinnen in Berlin studieren und verlegte spätestens 1905 ihren Wohnsitz dorthin. Frieda Boehr konnte vermutlich von ihrer Schwester, die Porzellan-Malerin wurde, lernen und blieb bis auf wenige Ausnahmen Lübben verbunden. Marie Moritz verstarb 1925. Frieda Boehr verlor im Zweiten Weltkrieg all ihre Habe und erlitt so das Schicksal vieler Lübbener, malte aber sporadisch weiter bis zu ihrem Ableben 1967.

Der Vergleich der Bilder in der Ausstellung zeigt Eindrücke aus dem alten Lübben und dem Spreewald damals. Die Betrachter in der Vernissage regte das sowohl zu Vergleichen als auch zu Gesprächen über die unterschiedlichen Bildauffassungen und Maltechniken an. Schrifttafeln, gestaltet vom Museums-Team, geben Denkanstöße zu Bildaussagen und heimatgeschichtlichen wie biografischen Hintergründen.

“Interessant aufbereitet und als Bilder so noch nicht gesehen„, wertete Jürgen Lüth vom Freundeskreis für Lübben die ungewöhnliche Exposition. Das sei informativ für das Leben der Künstlerinnen in damaliger Zeit und gebe von den Bild-Eindrücken her auch Einblicke in die Lübbener Geschichte. Ingrid Groschke, selbst Malerin, Illustratorin und Autorin aus Lübben, sah die Schau “mit Freude und Interesse, wie Frauen damals die Stadt und unsere Spreewald-Landschaft aufgefasst haben„ und zog Vergleiche mit dem, was heute zu sehen ist. Interessant sei die Ausstellung im Museum allemal.