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| 19:09 Uhr

Slawenburg Raddusch
Busse, Bussard, Burggeschichten

Für einen Augenblick durfte der siebenjährige Leon in die Rolle eines Falkners schlüpfen und seinen Arm als Landeplatz für Wüstenbussard Lugh anbieten. Der neben ihn stehende Falkner Gerd Perschke zeigte sich beeindruckt von der Unerschrockenheit seines temporären Assistenten.
Für einen Augenblick durfte der siebenjährige Leon in die Rolle eines Falkners schlüpfen und seinen Arm als Landeplatz für Wüstenbussard Lugh anbieten. Der neben ihn stehende Falkner Gerd Perschke zeigte sich beeindruckt von der Unerschrockenheit seines temporären Assistenten. FOTO: Uwe Hegewald
Raddusch. Maifest des Vereins Slawenburg Raddusch mit Glück der Tüchtigen. Von Uwe Hegewald

 Das Maifest vor den Toren der Slawenburg Raddusch (Stadt Vetschau) wird Ingrid Willingshofer wohl nie vergessen. Erstmals in ihrem Leben trägt die Seniorin aus Schlieben (Elbe-Elster) einen echten Greifvogel auf ihrem Arm. Ehemann Bernd hält den außergewöhnlichen Moment mit dem Smartphone fest.

„Verrückt“, fasst seine Gattin den Augenblick mit nur einem Wort zusammen. „Das Tier ist so hübsch und so stolz. Der nochmalige Ausflug hat sich zweifellos gelohnt“, so Ingrid Willingshofer, die der Slawenburg bereits in der Vorwoche einen Besuch abgestattet hat. „Da haben wir das Plakat vom Maifest gelesen und uns spontan entschieden, noch einmal hier herzufahren“, begründen die Schliebener ihren erneuten Besuch.

Einige Zeit später gesellt sich das Paar zu den Zuschauern einer kleinen Flug-Show mit Falkner Gerd Perschke. Vor den Augen der Gäste lässt der Greifvogel-Experte aus Bautzen seinem Wüstenbussard Lugh die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Nahezu spielerisch fängt er Futtergaben aus der Luft auf, die Perschke zuvor mittels Katapult in die Luft geschossen hat. „So einen Vogel möchte ich später auch mal haben“, kommentiert der siebenjährige Leon das akrobatische Geschick des Bussards. Seinen Wunsch kaum ausgesprochen, bekommt er von Gerd Perschke einen schützenden Handschuh übergestülpt und schon landet Lugh auf dem Arm des Grundschülers.

Beifall brandet auf, was Moderator Manfred Kliche auf den Plan ruft. Fliegende Objekte habe es im Vorjahr auch gegeben, so der Ortschronist aus Raddusch. Unwissende klärt er auf: „Wir froren bei vier Grad plus und extrem starkem Westwind, der zuerst das Musikerzelt und dann auch noch ein Versorgungszelt durch die Luft wirbelte“, erinnert das Radduscher Urgestein an das Maifest anno 2017. Diesmal verwöhnte die Sonne die Besucher.

Am Samstag muss Manfred Kliche bereits kurz nach Öffnung des Festgeländes zu Hochform auflaufen. Drei Reisebusse aus Chemnitz steuern die Slawenburg an und bescheren der Veranstaltung einen zwischenzeitlichen Besucheransturm. Wie die Gastgeber der Slawenburg erfahren, handelt es sich um einen Mitarbeiterausflug anlässlich eines 20-jährigen Betriebsjubiläums. Neben einer Kahnfahrt im Spreewald haben sich die Gäste aus dem Freistaat Sachsen für einen zweistündigen Besuch der Burg bei Raddusch samt Maifest ausgesprochen.

Unter den Mitwirkenden wird der Ansturm der Bustouristen mit Wohlwollen wahrgenommen. „Leider war die Zeit etwas zu kurz, um alle an meinem Hobby teilhaben zu lassen“, fasst Petra Nasdal zusammen. Nach ihrer Premiere beim Marktplatz Lausitzer Kulturen im Oktober vorigen Jahres hat die Handwerkerin der Altdöberner Filz-Manufaktur erneut ihren Pavillon aufgebaut. „Eine gute Gelegenheit, um auf das Filzen als Handwerk aufmerksam zu machen, aber auch auf meine Produkte und meine Kurse, die ich regelmäßig durchführe“, begründet Petra Nasdal ihre Teilnahme.

Ginge es nach Ulrich Lagemann, Geschäftsführer des Vereins Slawenburg Raddusch, könnten Enthusiasten von ihrem Format öfter am Tor der Burg anklopfen, um auch dem Maifest zu noch mehr Pep zu verhelfen. Bei der gebotenen Vielfalt von A wie Alpakas bis Z wie zischendes Bier der Lübbenauer Brauerei Babben hätte die Veranstaltung zwischenzeitlich mehr Besucher verdient. Auch hinsichtlich einer Ehrerbietung gegenüber den weitgereisten Milzenern, westliche Slawen aus dem 11. Jahrhundert. Der dahinter stehende, 2001 gegründete Verein mit Sitz in Melaune (bei Görlitz), hat es sich zur Aufgabe gemacht, die mittelalterliche Alltagskultur zu erforschen, zu rekonstruieren und zu vermitteln.