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| 02:44 Uhr

Märchenheld macht vor dem Spreewald nicht Halt

Wie viele Wölfe gibt es? Wie nutzen sie ihr Territorium? Wie kann man Schafe vor Wolfs-Übergriffen schützen? Was ändert sich für die Bevölkerung, wenn Wölfe in der Nachbarschaft leben? Diese und viele weitere Fragen beschäftigen die Fachleute seit Bekanntwerden der Rückkehr von Wölfen in die Region.
Wie viele Wölfe gibt es? Wie nutzen sie ihr Territorium? Wie kann man Schafe vor Wolfs-Übergriffen schützen? Was ändert sich für die Bevölkerung, wenn Wölfe in der Nachbarschaft leben? Diese und viele weitere Fragen beschäftigen die Fachleute seit Bekanntwerden der Rückkehr von Wölfen in die Region. FOTO: Archiv
Lübbenau/Vetschau. Isegrim zieht seine Spur in der ehemaligen Tagebaulandschaft Seese-Ost und -West sowie auf den Schlabendorfer Feldern bis hin nach Babben. Bernd Elsner, Geschäftsführer des Nabu-Regionalverbandes Calau und Wolfsbeobachter, geht von zwei Rudeln in diesem Terrain aus, die mit großer Wahrscheinlichkeit aus Polen herüber kamen. Hannelore Kuschy

"Kot- und Urinproben, die eingeschickt und genetisch untersucht werden, geben Aufschluss darüber, ob es sich um bei den Tieren um mehrere Rudel handelt oder nicht und klären die verwandtschaftlichen Verhältnisse", erzählt Bernd Elsner. So habe es auf Seeser Seite im vorigen Jahr keinen Nachwuchs gegeben, im Schlabendorfer Raum sollen Jungtiere gesehen worden sein. Weil der Wolf energieaufwendige Märsche durch Wälder eher meide und stattdessen Weg bevorzuge, seien solche Proben dort auch immer wieder zu finden. "Wir haben ein Auge darauf", sagt er.

Das Märchen vom Wolf ist zwischen Calau, Luckau, Lübbenau und Vetschau wahr geworden. Vor acht Jahren etwa war der erste in diesem Territorium gesichtet worden. Was damals niemand so recht glauben wollte, wissen Beobachter seit einem knappen Jahr: Der Wolf macht auch vor dem Spreewald nicht halt. "Erst kürzlich ist ein Tier zwischen Vetschau und Göritz gesehen worden", bestätigt Bernd Elsner. Und erinnern wir uns: Erst vor wenigen Tagen machte ein schwimmender Wolf im Nordumfluter zwischen Burg und Byhle guhre Schlagzeilen.

Nicht immer bevorzugt Isegrim Wasser und Feuchtwiesen. "Im Spreewald findet er durchaus Ruhezonen und trockene Ecken für sich", schätzt Bernd Elsner ein.

Nicht jeder unter der Calauer Sonne ist ein Freund des grauen Märchenhelden. Dass der aus deutschen Gefilden vor mehr als 150 Jahren verschwunden war, führt Wildtier-Kenner Dr. Reinhard Möckel auf Jäger zurück, die im Wolf den Konkurrenten sahen. Landwirte, die sich von Angebautem und Haustieren wie Ziegen und Schafen ernähren mussten, hätten sich des Problems auf ihre Weise entledigt. "Auf den Wolf müssen wir uns einstellen, er gehört hierher und wird zu einem wichtigem Glied in unserer Fauna", ist sich auch der Jäger Reinhard Möckel sicher. "Durch den Wolf versprechen wir uns positive Einflüsse auf die Waldentwicklung. Wie sagt man so schön: Wo der Wolf die Fährte zieht, wächst der Wald. Denn während Rehe jeden Keimling im Wald fressen, machen die Rehe 50 Prozent der Beute des Wolfes aus", erklärt er.

Risse von Haustieren würden nach wie vor angezeigt, weiß Bernd Elsner. Beim Landesumweltamt gibt es deshalb eine Hotline für Tierhalter bei Übergriffen durch den Wolf: 0172 5641700.