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| 15:53 Uhr

Olsenbande im Fokus von LR vor Ort
Mächtig gewaltiger Auftritt von Egon & Co.

In der Mehrzweckhalle von Groß Beuchow (Ortsteil von Lübbenau), hat das Sommertheater mit der Olsenbande mehrere umjubelte Veranstaltungen gefeiert. Besonders in Erinnerung bleiben wird das angedeutete Auto, wobei in Wirklichkeit lediglich ein Lenkrad gehalten wurde.
In der Mehrzweckhalle von Groß Beuchow (Ortsteil von Lübbenau), hat das Sommertheater mit der Olsenbande mehrere umjubelte Veranstaltungen gefeiert. Besonders in Erinnerung bleiben wird das angedeutete Auto, wobei in Wirklichkeit lediglich ein Lenkrad gehalten wurde. FOTO: Uwe Hegewald
Lübbenau. 2000 Besucher, alle Veranstaltungen beim Sommertheater ausverkauft. Was macht den riesigen Erfolg der Olsenbande-Inszenierungen aus? Von Rüdiger Hofmann

Wer kennt sie nicht, die wohl berühmteste dänische Kriminalkomödienreihe mit dem unverwechselbaren Titelsong, die zwischen 1968 und 1998 bei so vielen Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern über die Mattscheibe geflimmert ist? Bei der „Olsenbande“ gelingt es einem Gaunertrio immer wieder, mit einem „großen Coup“ und einem „raffinierten Plan“ ihres Anführers sowie einer „mächtig gewaltigen“ Aktion reich zu werden, es scheitert aber stets aus unterschiedlichen, meist skurrilen Gründen. Autor, Regisseur und Schauspieler Matthias Härtig hat den Stoff aufgegriffen und nach dem Erfolg des ersten Teils im vergangenen Jahr nun „Olsenbande - Teil 2“ herausgebracht. Als Theaterstück auf die Bühne der Mehrzweckhalle von Groß Beuchow gezaubert. Jede der rund 20 Veranstaltungen war ausverkauft, insgesamt kamen etwa 2000 Zuschauer.

Grund genug, im LR vor Ort-Forum der Frage nachzugehen: Was macht eigentlich den Erfolg dieser Inszenierungen aus? RUNDSCHAU-Reporter Daniel Preikschat diskutierte dazu am Donnerstagabend in der Bunten Bühne Lübbenau mit Matthias Härtig und Michael Apel, der den Kjeld bei den Aufführungen spielte.

Der Wiedererkennungswert: „Viele Zuschauer erinnern sich an die lustigen Streiche des Trios, denken an ihre eigene Jugend zurück und identifizieren sich mit der einen oder anderen Person“, sagt Michael Apel.

Das Handgemachte: „Das Stück lebt vom Nostalgischen - man könnte fast sagen: Ostalgischen“, sagt Regisseur Matthias Härtig. Das Ländliche, das Auto und die Outfits würden die Inszenierung so liebenswert machen. Das Publikum fühle sich in alte Zeiten zurückversetzt.

Die Rollenbesetzung und die Szenen: Mindestens 50 Prozent einer guten Inszenierung hängen von der Besetzung ab. In dem Moment, indem die Musik beginnt, ist die Rollenverteilung jedem Zuschauer klar. „Da haben wir unsere Rollen sinnvoll vergeben“, sagt Härtig. Das sehen auch die Zuhörer des Abends so. „Den Kjeld kann kein anderer spielen“, ruft Gabi Schröder aus dem Publikum. Die Rolle sei Michael Apel auf den Leib geschneidert. Apel kommt vom Tanz, hat damit gewisse Vorteile und die berühmte Schrittfolge von Kjeld im Blut. „Er trägt auch immer diese Zweifel mit sich herum“, so Apel. Nahezu tragikomisch.

Grundsätzlich ist es schwierig, einen Film auf die Theaterbühne zu projizieren. „Es gibt Szenen, die kannst du nicht auf der Bühne umsetzen“, sagt Härtig. Und verweist auf seine Lieblingsszene aus „Die Olsenbande sieht rot“. Dort sprengt sich das Trio mit Dynamit durch ein Opernhaus, um an die Beute zu gelangen – immer im Takt der Musik während lauter Akkordfolgen. Das geht im Film, aber nicht im Theater.

Die Sprüche: Auch sie sind ein Erfolgsgarant. Jeder kennt „Ich habe einen Plan“, „Was wird Yvonne dazu sagen?“, „Ist es gefährlich?“ oder „Mächtig gewaltig, Egon“. „Diese Stereotypen gehören einfach dazu“, sagt Michael Apel.

Der kleine Mann, der aufbegehrt - oder: die Gesellschaftskritik: Leute, die nicht reich sind, auf der Suche nach dem großen Coup und einem Leben ohne Sorgen. „Die Vorgänge sind teilweise schon bizarr“, sagt Matthias Härtig. Und lassen Parallelen zur DDR zu. Die Hauptakteure fahren mit einem kaputten Auto herum, im Grunde mangelt es an allem. Und dennoch wird ein Verständnis dafür entwickelt, dass man zwar nicht alles hatte, aber es einem doch gar nicht so schlecht ging. Stolz zu sein, dass man selber werkeln konnte, sich zu helfen wusste. „Eine angenehme Konstellation für die Zuschauer, sie identifizieren sich mit den dänischen Protagonisten“, sagt Härtig. Auch heute sei das Gefühl „klein gegen groß“ noch ausgeprägt, wenn man gegen das Hochkapital aufbegehre.

Gewaltfreie Komik: Die Konflikte werden ohne Waffengewalt gelöst - was die Reihe auch erfolgreich macht. „Wenn wirklich mal Gewalt im Spiel ist, dann nur unfreiwillig“, sagt Michael Apel. Rundum – die Komödie ist und bleibt ein Knaller. „Ich habe Kindheitserinnerungen, wenn ich die Szenen sehe“, sagt Gabi Schröder im Publikum. Natürlich hat sie eine der Aufführungen in Groß Beuchow gesehen. „Ich war begeistert“, sagt sie, während das Podium mit einem Tuborg anstößt.

Bunte-Bühne-Chef Matthias Härtig (l.) und Schauspieler Michael Apel plauderten angeregt mit dem Publikum über den Erfolg der Inszenierungen.
Bunte-Bühne-Chef Matthias Härtig (l.) und Schauspieler Michael Apel plauderten angeregt mit dem Publikum über den Erfolg der Inszenierungen. FOTO: LR / Rüdiger Hofmann