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| 02:32 Uhr

Macht und Allmacht

Das Gedenken an den 17. Juni 1953 hat bei Lübbenaus Alt-Bürgermeister Wolfgang Seeliger Erinnerungen geweckt.

Auf den Tag genau vor 60 Jahren hat er sein Abitur gebaut, als unfreiwilliger Nachzügler. Seeliger lebte damals in Berlin und musste im Rathaus Köpenick zur Nachprüfung erscheinen. Die erste Prüf-Runde im Frühjahr hatte den 17-Jährigen mit einem auf Lenin gründenden Satz aus der DDR-Verfassung scheitern lassen: "Der Marxismus ist allmächtig, weil er wahr ist." Seeliger, späterer Theologie-Student, war damals Mitglied der Jungen Gemeinde: "Ich war völlig blockiert, weil ich dachte, Gott ist allmächtig." Nur wenige Minuten nach der erfolgreichen Prüfung bekam Seeliger mit, wie es um die realen Machtverhältnisse stand: "Als wir aus dem Rathaus kamen, fuhren die Panzer gerade Richtung Innenstadt. Im Rias hatten wir von dem Streik in der Stalinallee gehört." 37 Jahre sollten vergehen, dann brachte die Macht der Straße die DDR zu Fall, und Wolfgang Seeliger wurde in Lübbenau erster demokratisch gewählter Bürgermeister. Und war plötzlich an der Macht.