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| 01:13 Uhr

Lübbenauer zeigen Unmut über Gesundheitspolitik

Gegen die aktuellen Sparmaßnahmen in der ambulanten Betreuung haben gestern Nachmittag Ärzte, Apotheker, Mitarbeiter aus Arztpraxen im Lichthof des Kolosseums Lübbenau demonstriert. Unterstützung hat die Veranstaltung von Medicos, dem Medizinischen Collegium Spreewald, auch durch zahlreiche Patienten gefunden, die aus Lübbenau und Umgebung der Einladung gefolgt waren. Weitere Proteste sind angekündigt worden. Von Ingrid Hoberg

Die Plakate, die die Demonstranten gestern in den Lichthof des Kolosseums mitgebracht hatten, zeigten die Grundstimmung: „Sollen wir alle früher sterben“ stand auf dem Transparent der Herzgruppe aus Vetschau. Medizinische Mitarbeiter stellten fest „Das Gesundheitswesen blutet aus!“ und „Erst sterben die Praxen, dann die Patienten“ . Über 200 Menschen waren gestern dem Aufruf von Medicos gefolgt, um gemeinsam gegen die „Fehlentwicklungen“ im Gesundheitswesen zu protestieren, wie es im Aufruf zur Veranstaltung hieß.
„Hautärzte, Orthopäden, Nervenärzte und Augenärzte sind am stärksten von den neuen Einstufungen betroffen“ , sagte Dr. Sylke Hübner, Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie in Lübbenau. Die Patientenzahlen in den Facharztpraxen wachsen, dennoch könnten sie nicht mehr wirtschaftlich arbeiten. Arzthelferinnen seien schon entlassen worden, weitere würden folgen. „Ist es angesichts der hohen Arbeitslosenzahlen in der Region und der damit verbundenen psychischen Probleme von immer mehr Menschen das Ziel der Politik, die Nervenarztpraxen zu schließen?“ , fragte die Fachärztin. „Die Nervenärzte im Land Brandenburg stehen vor dem Aus bei bis zu 30 Prozent Einbußen“ , so Sylke Hübner.
Petra Wilhelm, sie hat ihre Hausarztpraxis im Kolosseum, wies auf ein anderes Missverhältnis hin: „Wir haben 70 Prozent des Einkommens unserer Kollegen im Westen Deutschlands, haben aber 20 bis 30 Prozent mehr Patienten zu versorgen.“ Unter diesen Verhältnissen würden junge Kollegen nicht in die Region kommen. „Es gibt keinen Ersatz für Praxen, die geschlossen werden“ , betonte sie.
Unter den Demonstranten waren gestern auch wieder Kollegen aus den umliegenden Orten, beispielsweise aus Calau und Vetschau. Dr. Ute Arend, sie hatte vor vier Wochen ihre Praxis nach dem Eingang der Abrechungen für das zweite Quartal geschlossen, erzählte, dass sie immer wieder Patienten ansprechen würden, wann sie ihre Praxis öffnet. „Ich bin bereit, meine Praxis wieder zu öffnen, doch dazu muss eine schnelle Lösung gefunden werden. Bisher hat niemand mit mir gesprochen, auch nicht von der Kassenärztlichen Vereinigung“ , stellte sie gestern fest.
Die Zuschauer zeigten mit Applaus, was sie über die aktuelle Gesundheitspolitik denken. Die Lübbenauer Horst und Ute Horenberg, beide Mitte 60, wollten genau wie ihre Bekannte Rosemarie Weiße (68) zeigen, dass sie sich zur Wehr setzen. Sie kennen die jetzt schon langen Wartezeiten, wenn sie einen Termin beim Orthopäden oder Augenarzt haben wollen. „Selbst mit Termin musste ich beim Urologen drei Stunden warten. Die Ärzte schaffen das ja kaum noch“ , sagt Horst Horenberg. „Die Versorgung der Patienten ist jetzt schon katastrophal. Und es wird noch schlimmer, Termine zu bekommen. Das lassen wir uns so nicht bieten“ , brachte Gisela Kaiser (67) aus Lübbenau die Empörung vieler Älterer unter den Zuhörern zum Ausdruck.
Wenn auch noch kein neuer Termin für weitere Proteste feststehe, so werde Medicos doch weitermachen, versicherte Sylke Hübner. „Wir sind am Freitag bei der großen Demonstration in Potsdam dabei“ , sagte sie.

Info zum Thema Medicos in Lübbenau
 Das Medizinische Collegium Spreewald (Medicos) hat sich im August 2005 in Lübbenau gegründet. Der Interessengemeinschaft gehören zurzeit 20 Mitglieder an. Niedergelassene Ärzte mit Praxen im Kolosseum, in Stottoff und im Medizinischen Zentrum, Apotheker, Physiotherapeuten und andere medizinische Dienstleister der Stadt haben sich zusammengeschlossen.