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Lübbenauer wegen Kindesmissbrauchs verurteilt

FOTO: Jan Augustin
Update> | Cottbus. Wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern ist ein 51-jähriger Lübbenauer am Dienstag zu sechseinhalb Jahren verurteilt worden. Das Landgericht Cottbus sah es als erwiesen an, dass er insgesamt 21 Taten begangen hat. jag

Ein kurzer Handschlag, ein knappes Hallo. Mehr haben sich Staatsanwältin Martina Eberhard und Pflichtverteidiger Sven Biebrach kurz vor Prozessbeginn am Dienstag nicht zu sagen. Beide setzen sich auf ihre Stühle und schauen sich in den nächsten zehn Minuten, bis der Angeklagte in Handschellen in den Saal geführt wird, nicht mehr in die Augen. Kein Wunder, die Vorstellungen über den Ausgang der Verhandlung am Landgericht Cottbus könnten nicht größer sein. Biebrach fordert Freispruch für seinen Mandanten. Eberhard sieben Jahre und sechs Monate. Zufrieden ist am Ende aber nur die Cottbuser Staatsanwältin mit dem Ausgang. Der Vorsitzende Richter Christian Fisch verurteilt den 51-jährigen Lübbenauer wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern zu sechseinhalb Jahren Gefängnis.

Die Strafe könnte aber noch höher ausfallen. Denn das Amtsgericht Lübben hatte den Mann schon im Jahr 2015 wegen ähnlicher Fälle schuldig gesprochen. Noch ist das aktuelle Urteil des Landgerichts jedoch nicht rechtskräftig. Eine Woche beträgt die Frist, bis ein Rechtsmittel eingelegt werden kann. Und gegenüber der RUNDSCHAU hat Rechtsanwalt Sven Biebrach kurz nach dem Urteil bereits angekündigt, in Revision zu gehen.

Insgesamt 21 Taten habe die Strafkammer dem ehemaligen Lastkraftwagenfahrer nachgewiesen. Acht davon wurden als schwerer sexueller Missbrauch von Kindern gewertet, in einem Fall sogar mit Vergewaltigung. Die anderen Taten wurden als sexueller Missbrauch gedeutet. "Wahrscheinlich gab es noch weit mehr Taten", glaubt Christian Fisch.

Das Urteil stützt sich dabei auch auf die Aussagen von zwei Brüdern. Im Prozess hatten sie geschildert, wie sie vor etwa zehn Jahren in die Fänge des Mannes gerieten. Beim gemeinsamen Angeln, beim Fernsehen in der Wohnung des Zweifamilienhauses in einem Lübbenauer Ortsteil, in der Badewanne oder in der Schlafkabine des Lasters sei es dann zu den Übergriffen gekommen. Meistens soll er dabei die Glieder der Kinder manipuliert haben. Im Sommer 2008 soll es zum Oralverkehr gekommen sein. Der Angeklagte habe sich ein Kondom übergestreift und seinen Kopf nach unten gedrückt, hatte der heute 17-jährige Berufsschüler ausgesagt. "Er hat nichts dazu gesagt. Er hat nichts erklärt. Er hat es einfach gemacht", schilderte er. Für das Landgericht wiegt diese Tat am schwersten. Weil hier Gewalt angewendet wurde, erklärt Christian Fisch, liege hier eine Vergewaltigung vor. Die Strafkammer habe keine Anhaltspunkte gefunden, dass sich die beiden heute jungen Erwachsenen abgesprochen haben. Es sei auch nicht zu erkennen gewesen, dass sie den Angeklagten in die Pfanne hauen wollten. "Sie haben ihn teilweise als Vater angesehen", erklärt Christian Fisch zur Urteilsbegründung.