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Lübbenauer Sträflingsgraben soll entschlammt werden

Durch den zu erwartenden Grundwasserwiederanstieg nach dem Wegfall der Tagebaue in der Region wird auf Lübbenau und die gesamte Region noch einiges zukommen. Davon ist die Bürgerinitiative Grundwasserauswirkungen im Südpoldergebiet Lübbenau-Lübben überzeugt. Wie ihr Sprecher Helmut Knothe erklärt, ist es für die Bürgerinitiative nicht nachvollziehbar, dass sich die Stadt kaum engagiere. Während der jüngsten Verbandsschau des Wasser- und Bodenverbandes Oberland Calau sind Maßnahmen zur Wasserableitung in Lübbenau festgeschrieben worden. Von Hannelore Kuschy

Rainer Schloddarick, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes Ober land Calau , sieht unter anderem wegen des steigenden Grundwassers für die Zukunft viel Arbeit auf seinen Verband zukommen. Wie die Zerkwitzer haben auch heute schon Kleingärtner in Boblitz mit dem Wasser zu kämpfen. Edelgard und Harald Zimmer können ein Lied davon singen. Das Berliner Ehepaar hat nicht nur einmal seinen Garten im Wasser versinken sehen. Stunden um Stunden mussten sie nach eigenen Angaben pumpen. Den Garten zu bestellen, war zeitweise überhaupt nicht möglich , sagt die Berlinerin und denkt noch mit Entsetzen an das vergangene Jahr.
Als einen Erfolg seiner Bürgerinitiative wertet Helmut Knothe die Tatsache, dass in diesem Jahr damit begonnen werden soll, den Entsalzungsgraben, von den Lübbenauern auch Sträflingsgraben genannt, weil er einst von Gefangenen ausgehoben worden sein soll, abschnittsweise zu entschlammen. Die Kühl- und Abwässer des Kraftwerks seien über diesen Graben einst abgeleitet worden, so Knothe. Auch das Pumpwasser , ergänzt Eberhard Rothfeld von der Bürgerinitiative, denn das Kraftwerk war auf vernässtem Gebiet errichtet worden. Im Lübbenauer Musikerviertel hätten in der Vergangenheit auch zahlreiche Garagen unter Wasser gestanden.
Seit Jahren schon rührt sich die Bürgerinitiative, um Druck zu machen auf Behörden, um dem Missstand beizukommen. Auf der jüngsten Verbandsschau des Wasser- und Bodenverbandes hatte die Initiative erneut auf die vernässten Wohngrundstücke entlang der oberen Zerkwitzer Kahnfahrt hingewiesen. Helmut Knothe benennt den nach seiner Meinung einzigen Knackpunkt: Nach der Wende ist dort das Gewerbegebiet errichtet worden, Gräben wurden zugeschüttet und ein Durchlass unter der ehemaligen B 115 gebaut. Der aber liege einen halben Meter zu hoch. Deshalb könne das Wasser aus der Neustadt über die Zerkwitzer Kahnfahrt nicht abfließen. Im Protokoll der Verbandsschau ist festgehalten, dass der Wasser- und Bodenverband den Einbau einer zusätzlichen Röhre prüfen wird. Darüber hinaus sollen die Schlammtiefen in der oberen Zerkwitzer Kahnfahrt ermittelt und anschließend gemeinsam mit der Bürgerinitiative ausgewertet werden.
Der Burjauer Graben, der in die Zerkwitzer Kahnfahrt mündet, ist nach Angaben des Wasser- und Bodenverbandes am Klärwerk zu öffnen. Somit könne das Oberflächenwasser frei abfließen. Die Bürgerinitiative sieht nach Angaben Knothes dort die Stadt Lübbenau in der Pflicht. Die wiederum ist nach Angaben von Bürgermeister Helmut Wenzel nicht bereit, Aufgaben des Verbandes zu erledigen.
Helmut Knothe nimmt die Wasser-Prognosen für die kommenden Jahre sehr ernst und stellt täglich auf seinem Grundstück Messungen an. Die Absenkungen im Sommer werden immer geringer , stellt er fest und sieht deshalb für seine Bürgerinitiative noch lange keinen Grund zur Ruhe. Rainer Schloddarick vom Wasser- und Bodenverband befürchtet Ähnliches für die Region, denn: Grabensysteme, auch zur Regenentwässerung, verschwinden, das Grundwasser steigt, starke und kurze Regengüsse werden zunehmen.