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| 13:38 Uhr

Tradition und Lebensfreude
Geklotzt und nicht gegurkt

 Strafarbeit oder Brauchtumspflege? Beim Gurkenschälen hatten die Männer von der Spiel- und Trachtengruppe Briesensee Zeit, darüber nachzudenken. Die Interessengruppe ist Dauergast des Lübbenauer Spreewald- und Schützenfestes und bei diesen immer auf dem Gurkenmarkt anzutreffen.
Strafarbeit oder Brauchtumspflege? Beim Gurkenschälen hatten die Männer von der Spiel- und Trachtengruppe Briesensee Zeit, darüber nachzudenken. Die Interessengruppe ist Dauergast des Lübbenauer Spreewald- und Schützenfestes und bei diesen immer auf dem Gurkenmarkt anzutreffen. FOTO: Uwe Hegewald
48. Lübbenauer Spreewald- und Schützenfest lockt Tausende Besucher. Von Uwe Hegewald

Die Musik ist verstummt, die Zapfhähne sind geschlossen, die Bräuche gepflegt und so manches Portemonnaie geleert. An vier Tagen haben Lübbenau und seine Gäste das 48. Spreewald- und Schützenfest gefeiert – und das mit gewohnter Gründlichkeit.

„Bis jetzt bin ich sehr zufrieden“, ließ sich Daniel Schmidgunst Samstagmittag ein Zwischenresümee entlocken. Was dem Mitorganisator besonders gefallen hat, war das Irish-Folk-Programm mit „Murphys Law“ am Freitagabend. „So voll habe ich den Topfmarkt selten erlebt. Mein letztes Bier war ein Pils, weil das Guinness ausverkauft war“, bemerkte er. Böse Blicke musste er nicht fürchten, waren die Mikrophone doch zu den spielenden Blasmusikern „Vinsovanka“ aus der Goldenen Stadt Prag ausgerichtet. Mitorganisator Philipp Hoffmann hatte das Ensemble aus dem Pils-Ursprungsland nach Lübbenau geholt.

 Marlene Jedro und Manfred Kliche führt auf dem Festgelände heiter durchs Programm.
Marlene Jedro und Manfred Kliche führt auf dem Festgelände heiter durchs Programm. FOTO: Uwe Hegewald

Erstmals, im Gegensatz zur Spiel- und Trachtengruppe der Domowina e.V. aus Briesensee, die beim größten Volksfest im Spreewald nicht fehlen durfte. Auf dem Gurkenmarkt hatte die Gruppe Stellung bezogen und sich von Neugierigen über die Schultern blicken ließen. „Hier können Besucher live miterleben, wie Gurken veredelt werden“, hallte es aus der Männergruppe. Im Kreis saß diese um einen Holz-Bottich, schälte und entkernte das Charaktergemüse, um dieses als Senfgurken weiterzuverarbeiten. Doch was passiert mit den Abfällen? „Die gehen an die Nobelhotels im Spreewald um sie für Gurkenmasken zu verwenden“, erklärte Mathias Kohlick mit einem Augenzwinkern.

Dass es immer wieder die Männer sind, die es in die Berichterstattungen schaffen, tragen die Briesenseer Frauen längst mit Fassung. Auch Gertrud Heider, Grande Dame des Vereins, den sie seinerzeit mit ins Leben gerufen hat. „1975 war das, zur 825-Jahrfeier von Lübben, wo wir uns eingebracht haben“, berichtete sie. Seither seien Anfragen nie abgerissen. Was auch an der ausgelassenen Stimmung der authentischen Gruppe liegen dürfte, der man nicht alles glauben darf, die man aber immer beim Wort nehmen sollte.

 Stimmungsvoll drehten die Besucher mit den Autoscootern auf dem Spreewaldfest ihre Runden.
Stimmungsvoll drehten die Besucher mit den Autoscootern auf dem Spreewaldfest ihre Runden. FOTO: Kunipatz

Um lustig zu sein, brauchen die Briesenseer ebenso keine sauren Gurken, wie eine ausgeflippte Männerrunde aus dem Amtsgebiet Altdöbern. Junggesellenabschied für Marian Heinick aus Muckwar (Gemeinde Luckaitztal). Am 6. September soll geheiratet werden, vorausgesetzt der designierte Bräutigam „überlebt“ das Lübbenauer Spreewald- und Schützenfest.

Dieses erlebte mit dem Anschneiden des Gurkenbrotes auf der Bühne des Kirchplatzes einen weiteren Höhepunkt. An der Seite von Bürgermeister Helmut Wenzel griff Thomas Bubner von der gleichnamigen Bäckerei zum Messer, um den Zehn-Kilogramm-Laib portionsgerecht zu teilen. Festbesucher mussten sich nicht lange bitten lassen, zumal zum Neutralisieren eingelegte Gurken gereicht wurden. „Belaschk, Müller, Krügermann“, kündigte Stadtoberhaupt Wenzel die mitwirkenden Gurkenveredler an und beteuerte, dass es sich bei Spreewälder Gurken um eine „geschützte geographische Angabe handelt“. Demnach müssten mindestens 50 Prozent der Produkte aus dem ausgewiesenen Wirtschaftsraum kommen.

Überhaupt erwies sich das Volksfest wieder einmal als Schlemmermeile, was die Wiener Waffelbäckerei unmissverständlich zum Ausdruck brachte: „Man soll dem Leib etwas Gutes bieten, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen.“ Den teilnehmenden Schützengilden und Trachtengruppen war es vergönnt, die Schlemmermeile vom Torhaus bis zum Schlossbezirk komplett zu durchschreiten. Ohne Zwischenstopp, dafür aber mit einem gemeinsamen Foto der Lübbenauer Schützengilde mit dem Lübbenauer Spielmannszug. „Wenn alles klappt, fahren wir 2020 zur legendären Steuben Parade nach New York“, erklärte Hauptmann Reinhard Krieg den Fototermin mit Schloss als Hintergrundmotiv.

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