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| 18:57 Uhr

Kunst am Bau
Lübbenauer Schüler gestalten ein Stück Stadtgeschichte

Fassadengestalter-Profi Christian Hipp übte mit Schülern diese Woche am Objekt. Aufgetragen wird der fertige Entwurf nächstes Jahr.
Fassadengestalter-Profi Christian Hipp übte mit Schülern diese Woche am Objekt. Aufgetragen wird der fertige Entwurf nächstes Jahr. FOTO: LR / Daniel Preikschat
Lübbenau. Eine Wand mit Mosaik blieb als Erinnerung an eine ehemalige POS im Neubaugebiet stehen. In die Zukunft weisen soll der Fassadenentwurf, an dem derzeit Profis mit Jugendlichen arbeiten. Von Daniel Preikschat

Sie wirkt etwas verloren auf der großen grünen Wiese am Rande der Neustadt, trotz ihrer 60 Quadratmeter Größe. Nur ältere Lübbenauer dürften noch wissen, was es mit der  Betonwand auf sich hat und dass einstmals Schüler der POS Gerhart Eisler beim Betreten der Bildunsgeinrichtung zuerst auf diese an sozialistische Kunst erinnernde Darstellung geschaut haben. Im September 1963, weiß Hans-Joachim Nemitz von der Lübbenauer Arbeitsgruppe (AG) Zeitgeschichte, wurden die ersten Kinder dort eingeschult. Nach der Wende wurde aus der POS die zweite Grundschule der Stadt Lübbenau, später zog dort die Jenaplanschule ein, 2012 schließlich wurde das nicht mehr länger benötigte Gebäude abgerissen.

Stehen gelassen wurde nur diese eine Wand mit Mosaik – als Fragment mit Denkmalcharakter, kurz „Fragmal“, so eine Rathaus-Sprecherin. 2013 wurde dieses Stück Stadtgeschichte saniert und haltbar gemacht. Unter anderen auch Queenie Nopper vom Projektbüro Lübbenaubrücke beobachtete, dass Spaziergänger gern an dem auch „Lübbenauer Fenster“ genannten Fragmal verweilten. Schon länger, so Queenie Nopper, wollte man in der Lübbenaubrücke mit der Wand etwas anfangen, sie noch interessanter machen. Dank einer finanziellen Förderung über ein „Regionalbudget“ könnte das nun gelingen. Die Idee, die im Förderantrag formuliert wurde: Schüler sollen auf der Beton-Rückseite des Mosaiks aus DDR-Zeiten ihre Zukunftsvison für Lübbenau darstellen.

Nach einem Partner musste man bei der Lübbenaubrücke nicht lange suchen. Die Potsdamer Fassadengestaltungsprofis von Art-efx hatten mit Lübbenauer Schülern unter anderem schon die Wände eines Garagenkomplexes schöner gemacht. Diese Woche nun gab es erneut einen Workshop mit gut 20 Schülern aus der Spreewaldstadt. Christian Hipp und seine Kollegen von Art-efx vermittelten den Jugendlichen theoretische Grundlagen. Weiterhin wurden Skizzen gefertigt und Pappen besprüht, schließlich die Betonseite des Fragmals besprüht. Unter anderem mit Symbolen und Buchstaben. „Das verschwindet alles wieder“, erklärt Hipp. Sinn der Übung sei, dass die Jugendlichen ein Gefühl bekommen für den Umgang mit der Sprühdose und das Objekt.

Wertvoll sind vor allem die Skizzen der Schüler. Einige „tolle Ideen“ seien dabei, sagt Christian Hipp. Das findet auch Queenie Nopper. Den Schülern selbst gefiel die Idee von Adam und Felix vom Fahlisch-Gymnasium am besten. Sie können sich vorstellen, auf den 60 Quadratmetern Sprühfläche ein neues Buch aufzuschlagen. Der endgültige Entwurf sei aber noch längst nicht fertig, so Queenie Nopper. Auch Elemente aus den anderen Entwürfen sollen noch berücksichtigt werden. An die Ausführung gehen soll es auf jeden Fall noch 2019.