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| 02:32 Uhr

Lübbenauer Ruhe vor der Flut

Bei der Feuerwer in Lübbenau liegen Sandsäcke bereit. Die Wehr ist mit mehr als 50 Leuten in Alarmbereitschaft. Erste Deichläufer sind unterwegs und haben bei Ragow Sickerstellen entdeckt, die abgedichtet wurden.
Bei der Feuerwer in Lübbenau liegen Sandsäcke bereit. Die Wehr ist mit mehr als 50 Leuten in Alarmbereitschaft. Erste Deichläufer sind unterwegs und haben bei Ragow Sickerstellen entdeckt, die abgedichtet wurden. FOTO: Jan Gloßmann
Lübbenau. Stunden der Anspannung: Das Wasser wird kommen, es muss kommen – nur niemand weiß genau, wann und wie viel es sein wird. Deshalb haben Landkreis Oberspreewald-Lausitz sowie Vetschau und Lübbenau einen Krisenstab gebildet. Selbst wenn das Wasser am Wochenende durchkommt, sind die Probleme nicht weg. Jan Gloßmann

Bei schönstem Urlaubswetter zieht eine Hochzeitsgesellschaft ins Erdgeschoss des Lübbenauer Rathauses. Es gibt Freudentränen - irgendwie ist Wasser allgegenwärtig in diesen Tagen.

Ein Stockwerk drüber spielt es die Hauptrolle. Der Krisenstab tagt, Landrat Siegurd Heinze leitet das Gremium mit Vertretern der Nachbarkreise und der Stadtverwaltungen Vetschau und Lübbenau sowie von Behörden und Verbänden. "Das Hochwasser ist spürbar, allein schon an der Verfärbung des Wassers zu sehen", sagt Heinze im Anschluss an die Beratung. Es werde "Beeinträchtigungen geben", so der Landrat, selbst wenn sich die Fachleute mit Prognosen zurückhalten. Kommt das Wasser am Sonnabend oder am Sonntag? Es wird kommen, und die Probleme werden in den nächsten Tagen nicht kleiner, da der Abfluss aus der Talsperre Spremberg zumindest konstant bei 110 Kubikmetern pro Sekunde liegen wird. Es gibt Zweifel, ob tatsächlich 90 Prozent dieser Massen durch den Nordumfluter geleitet werden können und was sich am Ende in den Spreewald ergießt. Deshalb: Vorsorge.

Landwirte sind informiert, dass ein Teil ihrer Flächen in den Poldergebieten wohl oder übel überflutet werden wird.

Der Kahnfähr- und Paddelbootbetrieb ist in der Nacht zum Sonnabend eingestellt worden. Heinze: "Es wird gefährlich. Wir wollen nicht erst den ersten Unfall abwarten."

In Teilen der Lübbenauer Altstadt beginnen Anwohner, Sandsäcke zu füllen. Vetschau hat mittlerweile 20 000, Lübbenau 40 000 Säcke geordert. Damit können, so Bürgermeister Helmut Wenzel, je nach Bedarf für Wohnbauten 100 Säcke zur Verfügung gestellt werden. Es könne jedoch nicht jede Gartenlaube durch die Kommune geschützt werden.

Besondere Gefahr droht aus Richtung Lübben. Aus dem "Flaschenhals" (Wenzel) am Zusammenfluss der Umfluter und der Spree wird sich Wasser zurückstauen, von Ragow und über den Kreuzgraben hinaus möglicherweise bis zur Gerbergasse.

Bei älteren Lübbenauern werden Erinnerungen wach an den Sommer 1981. Feuerwehr-Urgestein Manfred Neumann: "Damals stand das Wasser bis in die halbe Gerbergasse und bis zur Altstadt-Feuerwehr."

Die Feuerwehr ist bereits im Einsatz, kontrolliert die Deiche bei Ragow, Zerkwitz und Krimnitz. Wenzel: "Wir müssen gewappnet sein." In Ragow gibt es einen Indikator, den Pegelstand. Am 30. Mai lag der bei vier Metern, am Freitagmittag schon bei 4,50 Metern. Beim Hochwasser 1981 soll er 5,16 Meter betragen haben - ob es jetzt wieder so hoch kommt, vermag niemand genau vorherzusagen. Landrat Heinze: "Selbst wenn es hier in der Stadt noch nach Urlaub aussieht, es muss allen bewusst sein, dass sich draußen am Nordumfluter und an den Fließen die Probleme nach und nach verschärfen." Es gebe derzeit aber keinen Grund zur Panik. Heinze und Wenzel werden sich am Sonnabend bei der Brandenburger Landpartie in Bischdorf treffen. Heinze: "Ich komme in Halbschuhen, nicht in Gummistiefeln." Allerdings: Die Stiefel liegen im Kofferraum.

Zum Thema:
Das Biosphärenreservat Spreewald schaut gebannt auf die Hochwasser-Entwicklung. Leiter Eugen Nowak: "Zunächst muss das Hochwasser durch, und dabei haben Schutz von Leib und Leben Vorrang." Erst danach lasse sich abschätzen, inwieweit das Schutzgebiet beeinträchtigt wird. Man müsse davon ausgehen, dass der Spree-Schlamm, der auch den Eisenocker mit sich führt, verlagert werde von der Talsperre in den Fluss. Nowak: "Zum einen wird es stark verdünnt durch die Wassermenge, und wir wissen nicht, wie weit es getragen wird." Das Problem werde sich durch das Hochwasser aber "realistischerweise erweitern". Der Spreewald werde nicht vergiftet, da der Eisenocker nicht giftig sei. Die Folgen müsse man später bewerten.