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| 17:44 Uhr

Tierrettung
Lübbenauer retten Wüstenbussard

Sicher auf des Falkners Arm. Dirk von Bargen mit dem mexikanischen Wüstenbussard, der mit Fangleine entflohen war. Das Jungtier hatte sich mit dem Lederriemen an einem Baumast verfangen und musste befreit werden.
Sicher auf des Falkners Arm. Dirk von Bargen mit dem mexikanischen Wüstenbussard, der mit Fangleine entflohen war. Das Jungtier hatte sich mit dem Lederriemen an einem Baumast verfangen und musste befreit werden. FOTO: Familie Kroll
Lübbenau. Ausgebüxter, seltener Raubvogel gerät in Notlage — Tierfreunde reagieren sofort. Von Daniel Preikschat

Von seinem Balkon aus in der Lübbenauer Neustadt sieht Edmund Kroll sonst meist nur Meisen, Amseln oder Finken. Der Vogel aber, den er vergangene Woche im Geäst eines Baums auf der Grünfläche gegenüber sah, war definitiv ein Raubvogel. Schon tags zuvor hatten ihn der Lübbenauer und seine Frau Siegrid dort auf dem Ast sitzen sehen. Er schien dort irgendwie festzuhängen. Die Krolls sahen sich das näher an und stellten fest: Ein Bussard mit außergewöhnlich schönem Gefieder hatte sich mit seiner Fangleine verfangen.

Was dann am Samstag vergangener Woche seinen Lauf nahm, war eine Tierrrettungsaktion, die in der Lübbenauer Neustadt ihresgleichen sucht. Die Krolls riefen beim Forstamt an. In der Behörde empfahl man Nabu-Fachmann Bernd Elsner aus Kittlitz, der wiederum Falkner Dirk von Bargen vom Adler- und Jagdfalkenhof zur Calauer Schweiz herantelefonierte. Wenig später war fachkundiges Personal vor Ort versammelt. Van Bargen erkannte gleich: Ein seltener mexikanischer Wüstenbussard, im Spreewald alles andere als heimisch, befindet sich hier in prekärer Lage. Ein Anruf bei der Feuerwehr – und nur wenige Minuten später rollt ein Einsatzfahrzeug mit Rettungsleiter vom Depothof im Gewerbepark.

„Wir mussten aber einsehen, dass dieses Fahrzeug viel zu groß und zu schwer war“, erzählt Edmund Kroll. Ein Feuerwehrmann kam auf die Idee, es beim Bauhof zu versuchen. Da in Lübbenau die Frühjahrsputzaktion lief, war dort auch am Samstag jemand zu erreichen. Wenig später hielt ein kleineres Fahrzeug mit Hebebühne in der Schollstraße. Der Calauer Falkner konnte hoch zum Bussard befördert werden, der ihn wild fauchend empfing. Ein noch ganz junges Tier, wie von Bargen erkannte, noch kein Jahr alt. Der Geschirr-Riemen hatte sich um einen Ast geschlungen und hielt den Vogel hier fest. Er musste bei seinem Halter ausgebüxt sein.

Mit einem Hebebühnenfahrzeug des Bauhofs kamen die Retter an den Bussard heran. Auch ein Einsatzfahrzeug der Feuerwehr mit Rettungsleiter war vor Ort, erwies sich jedoch als zu groß und schwer.
Mit einem Hebebühnenfahrzeug des Bauhofs kamen die Retter an den Bussard heran. Auch ein Einsatzfahrzeug der Feuerwehr mit Rettungsleiter war vor Ort, erwies sich jedoch als zu groß und schwer. FOTO: Familie Kroll

Mit all seiner Rountine beruhigte Dirk von Bargen den exotischen Raubvogel und befreite ihn. Er nahm den Bussard daraufhin erst mal mit zu seinem Jagdfalkenhof. „Er war zum Glück unverletzt“, so von Bargen. Beringung und Lederfessel ließen darauf schließen, dass der Raubvogel aus einer Falknerei stammen musste.“ Mit Hilfe der Ringgravur machte von Bargen den Besitzer schnell ausfindig. Er wohnt in der Friedrich-Engels-Straße in Lübbenau, ganz in der Nähe des Fundortes, und holte sein Tier sofort ab. „Der hat sich ein Loch in den Bauch gefreut“, sagt der Vogelfachmann.

Der Bussard war also gar nicht weit gekommen. Es reichte nur für einen kleinen Ausflug über die Dächer der Neustadt-Wohnblocks – dann beendeten Lederriemen und Ast die Abenteuerreise. „Das war Glück im Unglück für den Bussard“, sagt Dirk von Bargen.