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| 16:54 Uhr

Erfolgreich
Lübbenauer redet sich auf Platz 2

Jean Meyer bei seinem Auftritt in München. Über das Streben der Menschen nach Reichtum hatte der Lübbenauer ausdrucksstark Packendes mitzuteilen.
Jean Meyer bei seinem Auftritt in München. Über das Streben der Menschen nach Reichtum hatte der Lübbenauer ausdrucksstark Packendes mitzuteilen.
Lübbenau. Immobilien- und Finanzfachmann mischt bei Redner-Wettstreit international vorn mit. Von Daniel Preikschat

Dieser Mann redet sich nicht um Kopf und Kragen, sondern aufs Podest. In München, im Hilton-Hotel am Flughafen, ließ der Lübbenauer Jean Meyer mit seinem Vortrag beim Internationalen Speaker Slam 52 Konkurrenten hinter sich. Das war im Februar. Im April wurde er bei einem zweiten Redner-Wettstreit in Wien wiederum Zweiter

Immerhin Zweiter, könnte man meinen. Nur Zweiter, sagt Jean Meyer. Der 45-jährige Finanz- und Immobilienfachmann aus der Spreewaldstadt macht keinen Hehl daraus, dass er ehrgeizig ist. Das sei er immer schon gewesen. Als Ringer auf der Jugendsportschule in Frankfurt (Oder), bei seiner Ausbildung zum Bankkaufmann, im Job und eben auch bei seinen Hobbys. Auf den Gläsern mit seinem selbst produzierten Bienenhonig zum Beispiel klebt ein Silbermedaille-Etikett des Landesverbandes Brandenburgischer Imker. Lieber, sagt Jean Meyer, hätte er bei der Honigprämierung damals die Goldmedaille bekommen.

Aber daran könne er ja arbeiten. Wie auch daran, noch besser zu reden auf einer Bühne vor hunderten Zuschauern und vor Fernsehkameras. Wobei es mit reden allein nicht getan ist bei einem solchen Wettstreit, wie der Schilderung des Lübbenauers zu entnehmen ist. In fünf Minuten mussten die Teilnehmer durch sein mit ihrem Thema und dabei auch noch die Jury von den eigenen Vortragsfähigkeiten überzeugt haben. Da müssen Mimik und Gestik genauso sitzen wie das Timing. Keine Sekunde zu lang, keine Sekunde zu kurz soll der Vortrag geraten. „Ich habe meine Rede auswendig gelernt und viel Male mit der Uhr in der Hand vor mich hergesagt“, so Jean Meyer. Anders gehe es nicht.

Was da so geredet wird, sei übrigens gar nicht so wichtig, wie mancher denken mag. „Der Inhalt“, verrät Meyer ein Speaker-Gehemnis, „macht nur sieben Prozent der Wirkung aus.“ Entscheidend wichtig sei, den Inhalt emotional packend rüberzubringen. Bei seinen Reden im Lions-Club oder im Förderverein der Jenaplanschule habe das seiner eigenen Einschätzung nach nicht so gut geklappt, sagt der selbstkritische Spreewälder. „Nette Rede“, „schöner Vortrag“ bekam er mitunter zu hören. Doch Meyer wusste: Diese lobenden Äußerungen waren nicht wirklich ehrlich gemeint.

Also, ehrgeizig und ständig darauf aus, sich zu verbessern, belegte Jean Meyer ein Seminar bei dem Top-Redner und selbst ernannten Provokateur Hermann Scherer. Das half. Der Lübbenauer wurde besser. Auch seiner strengen eigenen Einschätzung nach. Als er von dem Redner-Wettbewerb hörte, den Scherer ins Leben gerufen hatte, meldete sich Meyer an – und wurde gleich Zweiter.

Was er denn nun eigentlich vorgetragen hat in München und dann später in Wien im April? Seine Gedanken über ein Zitat von Goethe. „Ein gesunder Mensch ohne Geld ist halb krank.“ Ein faszinierender Satz für den Lübbenauer Immobilien- und Finanzfachmann. Fast jeder Mensch, sagt er allein schon aus Berufserfahrung, wolle doch reich werden und fühle sich nicht gut, wenn er das nicht schafft. In Wien, erzählt Meyer, habe er vor dem zweiten Wettbewerb eine Umfrage gemacht und hundert Leute auf der Straße gefragt. „99 haben mir gesagt, dass sie gern Millionär wären. Einer hat gesagt, das sei er schon.“ Dabei stehe fest: Fast jeder, der im Lotto ein Million Euro gewinnt oder noch mehr, der ist das Geld nach fünf Jahren wieder los. Und danach gehe es ihm noch schlechter als vor dem großen Gewinn.

Der Wettbewerbsgewinner, ein Schweizer, habe in Wien übrigens über Landminen geredet, erzählt der Zweitplatzierte. Emotional äußerst überzeugend. Mit Krücken sei er auf die Bühne gekommen. Das allein habe natürlich gewirkt. Jean Meyer weiß noch nicht, welches Thema er das nächste Mal wählen wird bei einem Redner-Wettbewerb. Er weiß nur, dass er sich ständig verbessern will – ohne je ein perfekter Redner zu werden. Er besteige einen Berg, sagt Meyer, ohne Gipfel.