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| 17:33 Uhr

Naturschützer
Naturschutzbeirat kommt mit dem Kahn

Sein Büro hat Alexander Hoschke im Lübbenauer „Haus für Mensch und Natur“ (Altstadt) mit eigener Kahnanlegestelle. Von dort aus kann sich der Naturwacht-Ranger mit dem markantesten Fortbewegungsmittel im Spreewald auf den Weg zu Biber, Weißstorch & Co machen.
Sein Büro hat Alexander Hoschke im Lübbenauer „Haus für Mensch und Natur“ (Altstadt) mit eigener Kahnanlegestelle. Von dort aus kann sich der Naturwacht-Ranger mit dem markantesten Fortbewegungsmittel im Spreewald auf den Weg zu Biber, Weißstorch & Co machen. FOTO: Uwe Hegewald
Boblitz/Lübbenau. Sie bewähren sich als Moorlobbyisten, Baumhirten, Krötenchauffeure, treten als Agrar-Visionäre, Energiewender oder Insektenmanager auf und sind im Naturschutzbeirat des Landkreises Oberspreewald-Lausitz vereint. Die RUNDSCHAU besucht die couragierten und ambitionierten Naturschutzmacher. Heute: Alexander Hoschke (Boblitz). Von Uwe Hegewald

Eine Biologielehrerin, die den Unterrichtsstoff außergewöhnlich gut vermitteln konnte? Achselzucken. Engagierte Naturschützer im Elternhaus oder ein besonderes Schlüsselerlebnis? „Nö“. Es ist nicht ganz einfach herauszufinden, wann und wo bei Alexander Hoschke die Naturschutzinteressen begonnen haben. „Ich war schon als Kind neugierig, was in der Natur so passiert“, erklärt er.

Nach Anfangsjahren in Lübbenau zog er 1996 mit der Familie vor die Tore der Spreewaldstadt, nach Boblitz. „In einen Generationenhof“, so der 30-Jährige, der vor wenigen Wochen in den Naturschutzbeirat der Landkreises Oberspreewald-Lausitz berufen wurde. „Ich freue mich auf die Arbeit in diesem Gremium; werde versuchen, mich so gut es geht einzubringen und schätze mich glücklich, mit Fachleuten zusammenzukommen, die über einen einzigartigen Erfahrungsschatz verfügen“, fasst er seine Erwartungen an die ehrenamtliche Beiratsarbeit zusammen.

Als „bemerkenswert“ beschreibt er die Struktur des Gremiums, mit fachlichen Ausrichtungen und entsprechenden Mitstreitern, von denen fast jeder ein anderes Steckenpferd reitet. Ornithologen, Baumsachverständige oder Experten für Renaturierung, Land- und Forstwirtschaft sind vertreten, wie auch Insekten-, Biber- oder Wildtierkenner. Alexander Hoschke wird sich in erster Linie der Tourismuslenkung in Schutzgebieten widmen. Gerne auch in Verbindung mit Aufklärungsarbeit in Sachen Naturschutzbelangen in Schulen oder Kindertagesstätten.

An der Liuba-Grundschule Lübben leitet er die Arbeitsgemeinschaft „Moorfüchse“, befindet sich mit Projekten an der Förderschule Lübbenau in einer stillen Kooperation, führt Vier- bis Fünfjährige der Lübbenauer Kita „Findus“ an die Vielfalt von Flora und Fauna heran, wie auch im Hort an der Jenaplanschule oder im Hort „So aktiv“ der Werner-Seelenbinder-Grundschule (beide Lübbenau). „Damit ist ein Teil unserer Öffentlichkeitsarbeit in Bildungseinrichtungen abgedeckt“, erklärt der Boblitzer Es ist Öffentlichkeitsarbeit des Naturschutzfonds Brandenburg, in dem Alexander Hoschke seit 2017 als Naturwacht-Ranger für das Biosphärenreservat Spreewald arbeitet – mit besonderem Blick auf Botanik, Fledermaus und Wolf. „Vorausgegangen ist ein Bundesfreiwilligendienst in den Jahren 2016/2017“, so der Naturfreund, der an der TU Cottbus/Senftenberg Landnutzung und Wasserbewirtschaftung studiert hat.

Obwohl: Studium ist das eine – die Realität vor Ort etwas völlig Anderes. „Trotz praxisbezogenen Studiums bin ich schon bei meinem Bundesfreiwilligendienst bei der Naturwacht komplett geerdet worden“, räumt er ein. Zum Glück habe er in dieser Phase erfahrene Kolleginnen und Kollegen an seiner Seite gewusst, deren Wissensschatz seinen Worten nach „nur noch wie Goldstaub aufgesogen werden musste“. Generell gilt die Zusammenarbeit der acht Ranger im Biosphärenreservat als sehr harmonisch und unterstützend. Das macht Alexander Hoschke an einem Beispiel fest: Als es darum ging, in einer Kirchturmspitze seltene Schleiereulen zu kartieren, meldete er sich freiwillig. Für den passionierten Kraftsportler (mit Trainerschein) und Rettungsschwimmer der Wasserwacht Lübbenau ist es ein Klacks, auf schmalen, knarrenden Balken entlang zu balancieren.

Bis vor wenigen Monaten jagte er bei Schwarz-Gelb Boblitz noch dem runden Leder nach, hing die Töppen jedoch inzwischen an den Nagel. Ein Grund waren die zeitintensiven Reisen zu Auswärtspunktspielen. „Das wollte ich meiner jungen Familie nicht länger zumuten“, begründet er. Wenn es sich einrichten lässt, bittet er seine Lebensgefährtin und die gemeinsame zweieinhalbjährige Tochter zu Ausflügen in den Spreewaldkahn. Schließlich besitzt er einen Kahnfährschein, den er zudem für seinen Ranger-Job benötigt.

Alexander Hoschke liebt diese Momente und will sie gerne auch Mitmenschen vermitteln. „Auch wenn das nicht immer so einfach ist. Naturschutz wird noch allzu oft und manchmal ausschließlich mit dem Wort Verbot in Verbindung gebracht“, erzählt er. Mitunter fehle der Wille, Zusammenhänge zu verstehen, für die der Mensch selbst verantwortlich ist. „Wenn Wildschweine oder Füchse etwa aufgrund von Monokulturen auf landwirtschaftlichen Flächen keine vertrauten Lebensräume mehr vorfinden, ziehen sie eben in besiedelte Gebiete, wo sie in Gärten noch kleine, intakte Ökosysteme vorfinden“, führt Alexander Hoschke ein Beispiel an. Heranwachsende stünden dem Vermitteln komplexer Zusammenhänge oftmals aufgeschlossener gegenüber. Das ist für den Boblitzer ein Grund, die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen oder Studenten fortzusetzen: „Es ist doch schön, wenn diese nach Streifzügen, Veranstaltungen oder Projekten nach Hause gehen und sagen: Natur ist toll.“