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Lübbenauer machen weiter Druck

Die Güterbahnhofstraße soll zur L 49 werden. Erwin Lieke fordert zehn Meter Abstand zwischen Fahrbahn und Bebauung.
Die Güterbahnhofstraße soll zur L 49 werden. Erwin Lieke fordert zehn Meter Abstand zwischen Fahrbahn und Bebauung. FOTO: Preikschat
Lübbenau. 2019 rechnet die Bürgerinitiative "Drüber oder Drunter" mit dem Baubeginn für die neuen Bahnübergänge in Lübbenau. Um die Planung zu beschleunigen, sollen die Bürger bereits im Juni beteiligt werden. Außerdem will man die Planer kritisch begleiten. Daniel Preikschat

Die Mitglieder der Bürgerinitiative haben bei ihrem Treffen am Mittwoch im Kulturhof des Gleis 3 Humor bewiesen. "Ganz schön alt werden muss ich, um das noch zu erleben", hieß es. Oder auch: "Dann sollten wir mal langsam anfangen, gesundheitsbewusster zu leben." Witzige Anmerkungen, die sich auf den Bau der geplanten Bahnübergänge in Lübbenau bezogen. Denn voraussichtlich erst 2022 oder 2023 ist mit der Fertigstellung zu rechnen, so die Schätzung des BI-Vorstandsvorsitzenden Uwe Pielenz.

Zugleich zeigten sich die Mitglieder optimistisch, dass das Großprojekt überhaupt umgesetzt wird. Nach dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts im März vergangenen Jahres sah das noch ganz anders aus, wie Pielenz und Vorstandsmitglied Carola Krahl erinnerten. Denn die Richter bestätigten damals dem Eisenbahnbundesamt, dass es für die Planfeststellung nicht zuständig ist. "Total enttäuscht und geknickt", sei man damals gewesen, so Carola Krahl. Doch im November, nachdem die Bürgerinitiative Verkehrsministerin Kathrin Schneider mehrfach auf das Problem gestoßen hatte, übernahm das Land die Planung.

Bis Juni sollen nun dem zuständigen Landesbetrieb für Straßenwesen die Planungsunterlagen vorliegen, so Uwe Pielenz. Mit 24 Monaten Dauer, inklusive vorgeschriebener öffentlicher Beteiligung, müsse man in Lübbenau rechnen, so der Vorstandsvorsitzende weiter. Danach erst könne europaweit ausgeschrieben und die Aufträge vergeben werden. Nach dem voraussichtlichen Baustart dauere es noch einmal zwei bis drei Jahre, bis alles fertig ist. Vier Verkehrskreisel sind zu bauen sowie Unter- und Überführungen. Außerdem wird die Güterbahnhofstraße zur L 49 ausgebaut.

Um das Planfeststellungsverfahren zu beschleunigen, will die Bürgerinitiative die Öffentlichkeit schon vorher beteiligen. Bereits in den kommenden Wochen, so Uwe Pielenz. Dabei könne auch ein Model genutzt und das Vorhaben so anschaulicher dargestellt werden. Der Vorteil dabei: Anwohner und Behörden können sich mit dem Vorhaben im Detail schon früh vertraut machen, Einwände später bei der Planfeststellung schneller formuliert, vielleicht sogar schon vorher ausgeräumt werden. Die Frage der Finanzierung, ergänzte Veit-Uwe Böhm von der Stadtverwaltung, sei durch eine Kreuzungsvereinbarung glücklicherweise bereits geklärt. Der Bund bezahle den Löwenanteil der 27,9 Millionen Euro Gesamtkosten, der Anteil der Stadt betrage rund 6,5 Millionen Euro.

Darüber hinaus will man bei der Bürgerinitiative das Verfahren kritisch begleiten. Dazu berufen fühlt sich insbesondere Erwin Lieke. Der Ingenieur hat schon vor Gründung der Bürgerinitiative das Ausbauprojekt in einer 50 Seiten umfassenden Studie komplett durchgeplant und damit wichtige Vorarbeit geleistet. Bereits Mittwoch gab er kritische Hinweise zu der Vorplanung für den Ausbau der Güterbahnhofstraße vom Landesbetrieb für Straßenwesen. Die vorgesehenen Abstände zwischen Straße und anliegenden Häusern seien nicht groß genug. Außerdem dürfe der Straßenbau nicht die funktionierende Regenentwässerung der Grundstücke beeinträchtigen.

Zum Thema:
Die Bürgerinitiative gründete sich im Juni 2007. Gefordert wurde ein schrankenloses Lübbenau. Alt- und Neustadt blieben sonst getrennt. Durch die Barrieren verzögerten sich Einsatzfahrten von Feuerwehren und Rettungsfahrzeugen. Lange Wege und Wartezeiten belasteten die Einwohner. Für Schulkinder, Fußgänger und Radfahrer sei das Queren der Bahnübergänge zudem gefährlich.