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Forschung in der Antarktis
Erste Eindrücke im ewigen Eis

Paul Zabel mit einem Teil seiner Arbeitsgeräte, die zum Aufbau der Gemüsezuchtanlage dienen - umringt vom ewigen Eis der Antarktis.
Paul Zabel mit einem Teil seiner Arbeitsgeräte, die zum Aufbau der Gemüsezuchtanlage dienen - umringt vom ewigen Eis der Antarktis. FOTO: DLR
Lübbenau . Lübbenauer Wissenschaftler Paul Zabel lebt sich gut auf der Antarktis-Forschungsstation ein. Von Rüdiger Hofmann

Packeis, das knirschend auf eiskaltem Wasser treibt, Windböen, die über Eisberge fegen und Temperaturen um die 40 Grad unter Null. Frisches Grün sucht man in der Antarktis vergeblich. Das ändert sich nun, denn der Lübbenauer Wissenschaftler Paul Zabel vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt baut frischen Salat, Gurken, Radieschen und Erdbeeren in der weißen Einöde an. Dafür haben mehrere Forscher, die zur Überwinterungscrew der vom Alfred-Wegener-Institut betriebenen Antarktisstation Neumayer III gehören, ein Gewächshaus entwickelt, in dem Gemüse und Kräuter ohne Tageslicht gedeihen. Vor ein paar Wochen sind zwei Container, in denen die High-Tech-Gemüsezucht untergebracht ist, in der Antarktis angeliefert worden. Paul Zabel lebt sich inzwischen ein im ewigen Eis und trifft letzte Vorbereitungen beim Aufbau.

„Mit meinen drei Kollegen hier auf der Station nehmen wir derzeit das Gewächshaus in Betrieb“, sagt der 30-Jährige. Dazu mussten die beiden Container auf eine Plattform gehoben, verankert und miteinander verbunden werden. „Nach dem Anschließen der Strom- und Datenkabel überprüfen wir nun die einzelnen Systeme zum Pflanzenanbau“, so der Lübbenauer, der sich seit seiner Kindheit für Science fiction begeistert. Seit seinem Studium zum Luft- und Raumfahrtingenieur an der Technischen Universität Dresden arbeitet er in der im Jahr 2011 gegründeten Forschungsgruppe EDEN. Vor etwa drei Jahren ist Paul Zabel in das internationale „EDEN-ISS Projekt“ eingestiegen. Es wird von der Europäischen Kommission gefördert und hat die Erprobung von Technologien zum Pflanzenanbau im Weltraum zum Ziel. Doch bis dahin wird auf der Station in der Antarktis Gemüseanbau getestet. Der Testlauf soll die Kultivierung von Nutzpflanzen in Wüsten sowie Gebieten mit tiefen Temperaturen auf der Erde wie auch für künftige bemannte Missionen zu Mond und Mars demonstrieren.

„Die Station ist sehr groß, es gibt viel zu entdecken“, beschreibt Zabel die Situation. „Aktuell mischen wir Nährstofflösungen aus verschiedenen Salzen, reinigen das Gewächshaus und führen Systemtests durch“, so der 30-Jährige.

Ein typischer Tag startet für den jungen Wissenschaftler mit einer kurzen Besprechung der täglichen Arbeiten. „Anschließend geht es zu Fuß zum rund 400 Meter entfernten Gewächshaus. Dort arbeite ich mit weiteren Mitarbeitern daran, die letzten Arbeiten vor dem Einsetzen der Pflanzen abzuschließen. Durch den immer noch andauernden Polartag können wir auch abends noch arbeiten, da die Sonne momentan nicht untergeht.“ Vier bis fünf Kilogramm Frischgemüse will er schließlich pro Woche ernten.

In den nächsten Tagen reisen Zabels Kollegen, die beim Aufbau des Gewächshauses geholfen haben, zurück nach Deutschland. „Danach bin ich hier allein verantwortlich für den Pflanzenanbau und die dazugehörigen Experimente“, sagt der Lübbenauer. „Bis im November dann wieder das erste Flugzeug landet, lebe und arbeite ich in der Station mit nur neun anderen Personen zusammen. Ich werde voraussichtlich bis Mitte Dezember hier in der Neumayer Station III in der Antarktis leben“, so Zabel. In einer Gegend, wo der Kälterekord bei minus
50,2 Grad Celsius liegt. Wo in der Zeit vom 21. Mai bis zum 22 Juli Polarnacht herrscht, wo die Sonne nicht über dem Horizont erscheint und es weitgehend dunkel bleibt.