ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:50 Uhr

Spender für Blichi gesucht
Hilfsbereitschaft, Anteilnahme und ein Rosenkavalier

 Auch Stefan Krüger aus Zerkwitz – begleitet von seinem Sprössling Joris – ließ sich registrieren. Am Tisch von Ulrike Jänchen (r.) bekam er alle nötigen Informationen sowie die drei markanten Wattestäbchen.
Auch Stefan Krüger aus Zerkwitz – begleitet von seinem Sprössling Joris – ließ sich registrieren. Am Tisch von Ulrike Jänchen (r.) bekam er alle nötigen Informationen sowie die drei markanten Wattestäbchen. FOTO: Uwe Hegewald
189 Personen lassen sich bei DKMS-Stammzellspender-Aktion in Lübbenau typisieren.

Die Chancen, für die an Blutkrebs erkrankte Blichi aus Lübbenau einen passenden Spender aus dem Ort zu finden, schätzt Marina Miller als gering ein. „Das wäre ein riesiger wenn auch wünschenswerter Glücksfall, aber sehr unwahrscheinlich“, räumt die Berlinerin ein. Am frühen Samstagmorgen hatte sie sich in der Hauptstadt zu Lena Schmidt ins Auto gesetzt, um in der Spreewaldstadt bei der groß angekündigten Aktion der DKMS gemeinnützige GmbH (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei) leitend mitzuwirken.

Welchen Zuspruch solche Aktionen finden, weiß Lena Schmidt sehr genau. „Im Dezember 2017 war ich bei der Hilfsaktion für die kleine Katharina in Senftenberg dabei. Damals hatten sich fast 900 Personen registrieren lassen“, so die Tiermedizin-Studentin. In Lübbenau sind es 189 Frauen und Männer, die sich zum Typisieren auf den Weg in die AWO-Tagespflege „Neue Freundschaft“ begeben. Ein Namenszug mit Programm, was das Zusammenführen von Personen verdeutlicht, von denen sich zuvor manche noch nie begegnet sind.

Auf rund 40 Freiwillige beziffert Marina Miller den Helfer-Stab. „Darunter rund 20, die an den 14 Datenerfassungsstellen wirken, beim Einweisen oder an der „Endkontrolle“, so Miller. Andere machen sich an der Kaffeebar oder am Grill nützlich, an der Hüpfburg oder wo sie gerade gebraucht weden.

Die rund 30-minütige Einweisung durch Marina Miller ist noch nicht beendet, da stehen bereits die ersten Registrierungswilligen vor der Tür. Unter ihnen Manfred Hannemann mit Lebensgefährtin Jenifer Treptow und Tochter Kim (6). Warum sich die beiden Erwachsenen typisieren lassen? „Um zu helfen. Das Schicksal des Mädchens, hat uns berührt“, begründen sie ihre Teilnahme.

Diesen Standpunkt vertritt auch Stefan Krüger, der mit Lebensgefährtin Sarah Rosenberger und Sprössling Joris vorbeischaut und die kurze, unspektakuläre Prozedur mit den drei Wattestäbchen über sich ergehen lässt. Sechs Personen mit schwarzen T-Shirts ziehen die Blicke auf sich. Sie gehören zur Initiativgruppe, die die Aktion für Blichi ins Leben gerufen haben. Cindy Elbing, die alles über eine WhatsApp-Gruppe angeschoben hat, Initiativgruppenleiterin Petra Mersch, die den Kontakt zur DKMS knüpfte oder Maikel Poeck, ein sehr guter Freund von Blichi. „Wir werden unsere Freundin und ihre Familie in dieser Situation nicht alleine lassen“, beteuert Poeck, der als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr ohnehin mit dem Helfersyndrom ausgestattet ist.

„Heute Kämpfer – morgen Gewinner“ steht auf den schwarzen Shirts der Initiativgruppe geschrieben, was für Maikel Poeck eine besondere Bedeutung hat. „2013 habe ich mich bei einem Sportfest in Leuthen spontan registrieren lassen und vor acht Wochen Post von der DKMS bekommen“, erzählt er. Demnach besitze der Berufskraftfahrer genetische Parallelen mit einem hilfesuchenden Menschen. Um die DNA entsprechend aufschlüsseln zu können, habe er sich bereits einem Bluttest unterzogen. „Bis zu zwölf Wochen dauern die Untersuchungen, dann habe ich Gewissheit, ob ich irgendwo auf der Welt einem Menschen helfen kann“, sagt er. „Wir danken allen Personen die sich registrieren lassen, damit noch mehr Menschen mit Erkrankungen in blutbildenden Systemen geholfen werden kann“, stellt Marina Miller klar. Mehrfach habe sie schon an ähnlichen Aktionen teilgenommen, die sie durch die halbe Republik führt. Zuletzt in Stralsund, so die Veranstaltungsmanagerin-Spenderneugewinnung.

Lübbenau werden sie und Lena Schmidt noch lange in Erinnerung behalten. 189 Registrierte, ein Spendenbeitrag von 3556 Euro und Alkasem sprechen für sich. Der syrische Flüchtling trat mit einer Einkaufstüte voller Rosen in die Einrichtung, um diese dort an Teilnehmer und Helfer zu verteilen. Das ohne Gage auftretende Gesangs-Duo Sabine und Jürgen (Calau) bedankte sich postwendend mit dem Semino-Rossi-Ohrwurm „Rot sind die Rosen“.

 Auch Stefan Krüger aus Zerkwitz – begleitet von seinem Sprössling Joris – ließ sich registrieren. Am Tisch von Ulrike Jänchen (r.) bekam er alle nötigen Informationen sowie die drei markanten Wattestäbchen.
Auch Stefan Krüger aus Zerkwitz – begleitet von seinem Sprössling Joris – ließ sich registrieren. Am Tisch von Ulrike Jänchen (r.) bekam er alle nötigen Informationen sowie die drei markanten Wattestäbchen. FOTO: Uwe Hegewald