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| 15:32 Uhr

Klimafreundliches Projekt
Lübbenauer greifen in die Speichen

Mitarbeiter der Stadt, des Projektbüros Lübbenaubrücke und Schüler des Paul-Fahlisch-Gymnasiums Lübbenau haben Ende der vergangenen Woche die neuen Räder im Rahmen des Projekts "Rad statt Auto" und des Forschungs-Fahrrad-Verleihs getestet.
Mitarbeiter der Stadt, des Projektbüros Lübbenaubrücke und Schüler des Paul-Fahlisch-Gymnasiums Lübbenau haben Ende der vergangenen Woche die neuen Räder im Rahmen des Projekts "Rad statt Auto" und des Forschungs-Fahrrad-Verleihs getestet. FOTO: Rüdiger Hofmann
Lübbenau. Fahrräder im Rahmen des Projektes „Rad statt Auto“ können jetzt kostenlos getestet werden. Von Rüdiger Hofmann

Nun ist es in Lübbenau angekommen: das erste Kontingent an Sonderrädern für den Forschungs-Fahrrad-Verleih. Standard-E-Bikes, Lastenräder, Liegeräder mit Tretpedal. Neun Stück, überwiegend mit Elektro-Antrieb. Zu finden sind die Räder, die ab sofort kostenlos von Bürgern ab 16 Jahren getestet werden dürfen, in Lübbenau auf dem Parkplatz an der Poststraße direkt am Container. Eine erste Testfahrt haben Ende der vergangenen Woche Mitarbeiter der Stadt, des Projektbüros Lübbenaubrücke sowie Schüler des Paul-Fahlisch-Gymnasiums absolviert. Mit sichtlichem Spaß.

Hinter der Aktion verbirgt sich das vor einigen Monaten von der Lübbenaubrücke ins Leben gerufene Projekt „Rad statt Auto“. Die Lübbenauer bieten künftig ihren Touristen einen Fuhrpark an mit Velomobilen und weiteren Spezialrädern, die dank eines einfachen Identifizierungssystems unkompliziert entliehen und wieder zurück gegeben werden können. „Die Fahrräder können von Interessierten jeweils anderthalb Stunden auf einem empfohlenen Rundkurs durch Lübbenau kostenlos getestet werden“, sagt Jürgen Othmer, Projektleiter Lübbenaubrücke. Anschließend werden die Räder wieder am Container abgegeben, und die Tester beantworten dann Fragebögen. „Allgemein zur Fahrradnutzung, um das Radangebot im Spreewald zu optimieren. Und speziell im Rahmen des Forschungs-Fahrrad-Verleihs, um den jeweils genutzten Radtypen zu bewerten“, so Othmer. Die Hochschule Bremen ist in diesem Fall Kooperationspartner und begleitet das Projekt auf wissenschaftlicher Basis.

Welchen Beitrag das Projekt für das Tourismusangebot und den Umweltschutz leisten kann, verdeutlichen diese Zahlen: Wird „Rad statt Auto“ aktiv vermarktet, könnten rund zehn Prozent der 247 000 Lübbenau-Besucher jährlich erreicht werden. Radelnde Gäste blieben im Durchschnitt drei Tage in einer Region. Gerade Berliner Bürger stellen für den Spreewald ein „großes Gästepotential“ da. Dabei würden vier von zehn Berliner Haushalten über kein Auto verfügen. Beeindruckend auch die so genannte „CO2-Wirkungskette“: 368 Tonnen weniger Kohlendioxid-Belastung im Jahr verspricht das Projekt, sollte es Erfolg haben. Klimaschutz durch Radverkehr. „Wir wollen aber nicht in Konkurrenz mit den hiesigen Fahrradverleihern treten, sondern diese aktiv einbeziehen“, sagt Jürgen Othmer. Für gewöhnlich würden Räder gern tageweise ausgeliehen. Bei den Testfahrten handelt es sich um 1,5 Stunden. Schüler des Paul-Fahlisch-Gymnasiums organisieren dann den Verleih - vor allem an den touristisch hoch frequentierten Wochenenden. „Die Stadt Lübbenau hat den gezielten Anspruch, die Vielzahl der aktiven Urlauber in der Kulturlandschaft Spreewald zunehmend für umweltfreundliche Verkehrsmittel zu begeistern“, sagt Pressesprecherin Mandy Kunze. Und eingefleischte Autofans zum Radfahren bewegen, das ist die Devise.

Doch es soll nicht nur bei den neuen Rädern bleiben. Auch fünf Brückenschieber, mit deren Hilfe Fahrräder mühelos über Fließe geschoben werden, sind Ende des Jahres geplant. Dank Brückenschiebern und den Spezialrädern könnten auch Menschen mit Beeinträchtigungen mehr als bisher im Spreewald unterwegs sein.

Auch vier heuschoberförmige Behausungen oder sogenannte Radschober, in denen Räder abgestellt und repariert, nasse Kleidung getrocknet und E-Bikes aufgeladen werden können, sind in der Planung. „Ende September soll ein Prototyp in der Poststraße aufgestellt werden“, sagt Jürgen Othmer.

Für die Umsetzung des „Rad statt Auto“-Konzeptes hat das Ministerium der Spreewaldstadt bereits 516 000 Euro Förderung bewilligt. Weitere rund 200 000 Euro kommen von der Stadt. Die Laufzeit geht bis Juni 2019. Das Projekt kann auch gut auf andere touristische Regionen übertragen werden. Bevorzugt auf Metropolregionen, die über eine gute ÖPNV-Struktur in das Umland verfügen.