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| 15:15 Uhr

Rekordernte bei eisigen Temperaturen
Lübbenauer erntet Antarktis-Kohlrabi

Der Lübbenauer DLR-Forscher Paul Zabel steht mit geerntetem Kohlrabi im Gewächshaus EDEN-ISS der vom Alfred-Wegener-Institut betriebenen Antarktisstation Neumayer III. Der Praxistest der Gemüseaufzucht war bislang erfolgreich. 40 Experimente laufen derzeit im ewigen Eis.
Der Lübbenauer DLR-Forscher Paul Zabel steht mit geerntetem Kohlrabi im Gewächshaus EDEN-ISS der vom Alfred-Wegener-Institut betriebenen Antarktisstation Neumayer III. Der Praxistest der Gemüseaufzucht war bislang erfolgreich. 40 Experimente laufen derzeit im ewigen Eis. FOTO: dpa / -
Lübbenau. Paul Zabel fährt 180 Kilogramm Gemüse auf der Forschungsstation im ewigen Eis ein. Von Rüdiger Hofmann

Rekordernte des Lübbenauer Forschers Paul Zabel in der Antarktis: Nach neun Monaten im ewigen Eis sind auf einer Anbaufläche von etwa 13 Quadratmetern 77 Kilogramm Salat, 51 Kilogramm Gurken, 29 Kilogramm Tomaten, zwölf Kilogramm Kohlrabi, fünf Kilogramm Radieschen und neun Kilogramm Kräuter gewachsen und abgeerntet.

„Die Ernte ist mittlerweile so reichlich, dass nicht immer alles direkt auf den Tisch kommt, sondern manche Salate und Kräuter im Kühlschrank aufbewahrt über mehrere Tage verteilt verzehrt werden“, berichtet Paul Zabel. Bei 21 Grad Celsius und 65 Prozent relativer Luftfeuchte im Gewächshaus gedeiht das Gemüse besonders prächtig. „Erstaunt hat uns die ausgebliebene Paprika- und Erdbeer-Ernte“, sagt Zabel. Paprika- und Erdbeerpflanzen wachsen zwar recht schnell, allerdings bereitet die künstliche Bestäubung Schwierigkeiten, wobei sich nur wenige Früchte oder – wie bei den Erdbeeren bisher – gar keine Früchte ausbilden.

Grundsätzlich hat das Antarktis-Gewächshaus EDEN-ISS den Praxistest zur Züchtung von Gemüse unter extremen Bedingungen unter Leitung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) bisher aber bestanden. „Nach mehr als einem halben Jahr Einsatz vor Ort zeigt sich die Leistungsfähigkeit des autarken Gewächshauskonzepts für klimatisch anspruchsvolle Regionen auf der Erde, ebenso wie für künftige bemannte Missionen zu Mond und Mars“, sagt Projektleiter Daniel Schubert. Und ein Kollege von Paul Zabel ergänzt: „Wir schätzen das frische Grün als willkommene Abwechslung in der Langzeit-Isolation.“

Dabei sind die Arbeitsbedingungen recht hart. Die Polarnacht und antarktische Stürme und Temperaturen bis unter minus 40 Grad Celsius gehören zum Tagesgeschäft der zehnköpfigen Überwinterungscrew auf der Neumayer-Station III des Alfred-Wegener-Instituts. Immer wieder kommt es vor, dass ein Sturm Paul Zabel daran hindert, die 400 Meter von der Station zum Gewächshaus im Freien zurückzulegen. Dann übernimmt das Bremer Kontrollzentrum das Monitoring der Pflanzen und die Überwachung des Gewächshauses.

Aktuell laufen 40 verschiedene Experimente im Gewächshaus. Paul Zabel analysiert dabei die Gemüsezucht. Er nimmt regelmäßig mikrobiologische Proben, überprüft die Qualität der Ernte und checkt alle Systeme wie Licht, Temperaturregulierung, nährlösungs- und kohlendioxidangereicherte Luftversorgung. Zudem wird dokumentiert, wie sich die frische Nahrung auf das Befinden der Überwinterer auswirkt.

Ende Oktober wird das erste Versorgungsflugzeug die Überwinterungsmannschaft wieder von außen mit frischen Lebensmitteln versorgen. Der letzte Abschnitt der Überwinterung ist für die Crew besonders herausfordernd, weil sie sich allmählich wieder auf den Normalbetrieb mit vielen Leuten in der Station umstellen muss.

Die Thermotransportbox auf einem Schlitten wird genutzt, um die Salat- und Gemüseernte unbeschadet vom Gewächshaus zur Neumayer-Station III zu bringen.
Die Thermotransportbox auf einem Schlitten wird genutzt, um die Salat- und Gemüseernte unbeschadet vom Gewächshaus zur Neumayer-Station III zu bringen. FOTO: DLR