Rathaus-Besucher betreten die neue Ausstellung auf einem Riesentransparent. Vier, fünf Meter weit reicht es in den Raum und erinnert an den berühmten roten Teppich. Abgebildet sind eine junge Frau, die herzhaft in ein Schnittchen beißt, eine Grünanlage und der Spruch "Kalte Platte mit Gärten". Dahinter gleich der nächste starke optische Reiz. Ein Panorama-Foto zeigt Lübbenau aus der Vogelperspektive im Breitwandformat. Keine Frage: Die neue Ausstellung der Lübbenaubrücke im Rathaus will auf Besucher einen starken ersten Eindruck machen.

Zur Eröffnung am Donnerstagabend kam noch ein akustischer Reiz dazu. Eine Trommlergruppe aus Cottbus empfängt die geladenen Gäste. Vorspiel für eine Lobrede von Wolfgang Schönfelder vom Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen. Lübbenau, sagt der Gast, sei eines der beredtsten Beispiele für eine gelungene Stadtentwicklung trotz Einwohnerzahlschwunds in ganz Brandenburg. Gut kooperierende Partner hätten den Einwohnern "einen Maßanzug" gefertigt. Von ehrlicher Analyse ist die Rede, von Prozesshaftigkeit, Kompromissfähigkeit, differenzierter Wahrnehmung des Bedarfs und einem gemeinsamen öffentlichen Auftritt der Akteure.

Wer sich danach die Ausstellung ansieht, ahnt, dass Schönfelder nicht übertrieben hat. Wie eine Horrorvision wirkt rückblickend, was noch zu DDR-Zeiten aus der heute so schmucken Altstadt werden sollte. Fotos und Texte zeigen das im Erdgeschoss.

Eine Etage höher sieht es aus wie im Foto-Atelier. Gebäudefotos von früher und heute hängen nebeneinander und zeigen die erfreuliche Entwicklung. Vorzeige-Gebäude wie die AWO-Kita Diesterweg, das Spreewaldhaus, das Schloss oder der Verwaltungssitz der Wohnungsbaugenossenschaft sahen einst vergleichsweise abschreckend aus. Weitere Luftaufnahmen aus dem Archiv belegen, dass die Lübbenauer Neustadt nicht immer so ein freundliches Bild abgegeben hat. Moderne, freundlich gestaltete Gebäude mit gepflegtem Wohnumfeld - alles erst in den vergangenen 15 Jahren entstanden.

Darum gehe es, so Jürgen Othmer, einer der Ausstellungsmacher von der Lübbenaubrücke. "Wir wollen in Erinnerung rufen, auf welch hohem Niveau wir heute hier leben". Daneben möchte die Ausstellung auch einen Ausblick geben. Dazu müssen die Besucher in das zweite Obergeschoss. Hier hängen an Stellwänden die Pläne für den Rosengarten, den Sportpark und die Bahnübergänge. Zwei große Modelle belagerten die Besucher am Donnerstag regelrecht. Sie zeigen, wo und wie die Bahnstrecke künftig mittels Verkehrskreisel, Tunnel und Brücke unter- oder überquert werden soll. Auch Christel und Hans Spänich aus der Neustadt, beide früher Kraftwerker, hielten sich hier länger auf. "Sehr informativ", findet Hans Spänich die Ausstellung. Wer Jahrzehnte in Lübbenau gewohnt hat, könne alte Erinnerungen gut auffrischen. Christel Spänich sagt: "Diese Ausstellung sollte jeder sehen, der an seiner Heimatstadt interessiert ist."

Die Ausstellung ist noch bis 4. März im Rathaus zu sehen.