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Lübbenauer Blitzschutz-Experten

Firmenchef Markus Hentschel mit einem der Präsente zum 30-jährigen Bestehen seines Unternehmens.
Firmenchef Markus Hentschel mit einem der Präsente zum 30-jährigen Bestehen seines Unternehmens. FOTO: Daniel Preikschat
Lübbenau. Eine kleine Fachfirma aus der Lübbenauer Altstadt überzeugt auf dem Markt mit Blitzschutz-Kompetenz. Die Dienste der Experten werden konstant nachgefragt, sodass das Unternehmen im 30. Jahr seines Bestehens wirtschaftlich sehr solide dasteht. Daniel Preikschat

Hier legt der Chef Wert auf Stil und Traditionspflege. Diesen Eindruck konnte gewinnen, wer gestern zum Sekt-Empfang in den Firmensitz der Hentschel Blitzschutz Systeme GmbH in der Lübbenauer Altstadt eingeladen war. Rund 50 Personen - Firmenmitarbeiter, Geschäftsfreunde, Vertreter von Stadtverwaltung und Landkreis - gratulierten Markus Hentschel zum Firmenjubiläum.

Im maßgeschneiderten Anzug zeigte sich der Geschäftsführer als aufmerksamer Gastgeber, der über die Firmengeschichte Auskunft gab und über die wirtschaftliche Situation des Unternehmens. Interessiert betrachtet wurden zudem die historischen Fotos an den Wänden des galerieartig wirkenden Empfangsgebäudes in der Wiesenstraße 7.

Die teilweise in den Vierziger oder Fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts angefertigten Fotos zeigen fast durchweg Personen aus der Familiengeschichte Markus Hentschels. Vater, Großvater, Urgroßvater wurden porträtiert, aber auch Spreewälder Landschaft und die ehemalige Gurkeneinlegerei aufgenommen. 1990, erzählt Markus Hentschel, haben sein Vater und er die Immobilie von der Treuhand zurückgekauft. Der vordere Gebäudeteil war damals schon Sitz der Blitzschutz-Firma. Der Hinweis eines Freundes seines Vaters habe den Anstoß zur Firmengründung gegeben: Der Blitzschutz sei 1986 das einzige in Lübbenau beim Rat des Kreises noch nicht angemeldete Gewerbe gewesen. Sein Vater, Anfang 40 und Konservierermeister, lernte den neuen Beruf und gründete die Firma im Januar 1987.

Gutes Betriebsklima wichtig

Sohn Markus trat 1988 in das Unternehmen ein, schloss ein Elektrotechnik-Studium ab und spezialisierte sich auf Blitzschutz und Erdungsanlagen. Nur vorübergehend, so der heutige Geschäftsführer, boten die Lübbenauer auch Elektroinstallationen an. Immer höhere Anforderungen an den Blitzschutz ließen schon bald eine Spezialisierung nur auf Blitzschutz sinnvoll erscheinen - auch wirtschaftlich betrachtet. Denn die Auftragslage sei beständig "sehr zufriedenstellend." Rund eine Million Euro Umsatz jährlich mache die Firma mit ihren acht Mitarbeitern.

Die Kollegen bekommen tarifgerechte gute Bezahlung, so der Chef, haben die Wochenenden meist frei und können Urlaub nehmen, wie sie möchten. Freie Tage aus besonderem Anlass werden kulant gewährt. Ein gutes Betriebsklima sei ihm wichtig, betont Markus Hentschel. Immerhin müssten die Blitzschutzmonteure selbstständig und flexibel in Teams auf Baustellen arbeiten, auch im Winter. Die einzubauende Technik werde in Lübbenau bestellt und direkt an die Baustellen geliefert. Meist liegen sie nicht weiter als 150 Kilometer von der Spreewaldstadt entfernt.

"Berlin", so Hentschel, "ist einer unserer Hauptmärkte." Doch auch auf viele Referenzobjekte in der Region kann die Fachfirma verweisen: Menschenrechtszentrum, BTU und Blechenkarré in Cottbus, Kraftwerkblöcke in Boxberg und Schwarze Pumpe, Papierfabrik in Spremberg oder Biogasanlage in Forst.

Umschulen statt ausbilden

Der Versuch, Blitzschutzmonteure regelmäßig selbst auszubilden, sei "fehlgeschlagen", räumt Markus Hentschel ein. Es mangle den Bewerbern oft an den nötigen Fähigkeiten und dem Willen, einen Beruf zu ergreifen, der mit viel Montagearbeit im Freien verbunden ist. Besser funktioniere, bereits ausgelernte Elektroinstallateure oder Industrie-Elektriker umzuschulen. Das dauere aber auch etwa zwei Jahre. Markus Hentschel selbst komme mittlerweile nicht mehr so häufig raus aus dem Büro. Versuche das aber weiter hartnäckig.

Zum Thema:
Laut Blitzinformationsdienst von Siemens schlugen 2015 bundesweit 4,5 Blitze pro Quadratkilometer ein. 2014 war Cottbus mit 8,42 Blitzen pro Quadratkilometer Gewitter-Hauptstadt, der OSL-Kreis lag mit 7,26 Blitzen pro Quadratkilometer relativ weit vorn. Rund 340 Millionen Euro zahlten Versicherungen 2014 in Deutschland für Schäden durch Blitze und Überspannung.