Eilmeldung

Eishockey : Füchse mit Blitztoren zum Sieg

ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 09:38 Uhr

Mars-Experiment
Lübbenauer arbeitet jetzt in der Antarktis

Foto des DLR mit Forschern, die in der Antarktis angekommen sind, dabei auch der Lübbenauer Paul Zabel.
Foto des DLR mit Forschern, die in der Antarktis angekommen sind, dabei auch der Lübbenauer Paul Zabel. FOTO: DLR
Antarktis/Lübbenau. Das ist mal defintiv der coolste Job der Lausitz. Ein Lübbenauer arbeitet seit Heiligabend in der Antarktis im ewigen Eis. Dort will er Gemüse züchten, unter Bedingungen wie auf einem fernen Planeten. Von Bodo Baumert und Daniel Preikschat

Sonnenbrille, Schnee-Anzüge – und im Hintergrund die Antarktis-Forschungsstation Neumayer III. So präsentieren sich Paul Zabel und seine Kollegen auf einem Foto, das das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) am 24. Dezember via Facebook veröffentlicht hat. Sie sind das Aufbauteam für das Projekt Eden ISS und werden die kommenden Monaten in der Einsamkeit des ewigen Eises verbringen. Dort wollen sie Gemüse züchten unter Bedingungen wie sie auch auf einem fernen Planeten herrschen würden, beispielsweise auf dem Mars.

Das Grundgerüst sind zwei einfache Schiffscontainer, die zusammen eine Länge von zwölf Metern haben. Die Metallkästen sind angefüllt mit modernster Hightech, haben Wassertanks, eine extrem effektive Isolierung, wie Paul Zabel vor seinem Start der RUNDSCHAU erklärte. Ein System aus Wasserleitungen, Lampen, Düsen und Filtern schafft optimale Wachstumsbedingungen. 23 Grad Temperatur, 70 Prozent Luftfeuchtigkeit. „Alle fünf bis zehn Minuten“, so Zabel, „werden die Pflanzen mit einem Wasser-Nährstoffgemisch besprüht“. Wofür es einer speziellen Steuerungssoftware bedarf. Die zarten Pflänzchen werden in Plastestrukturen mit Bohrungen eingesetzt. Statt in Erde wurzeln sie in Steinwolle.

Die Container sind allerdings noch nicht da. Sie wurden Anfang Dezember in Südafrika verschifft und sollen in den kommenden Tagen an der Station eintreffen. Paul Zabel ist schon sehr gespannt. „Wir können in der Polarnacht ja keine Sonne sehen, sind tausende Kilometer entfernt ohne schnelle Rückkehrmöglichkeit“, sagt Zabel. „Da fühlt man sich tatsächlich ein wenig, als wenn man die Reise auf einen anderen Planeten antritt.“

Luft- und Raumfahrtingenieur Paul Zabel vor dem Lübbenauer Paul-Fahlisch-Gymnasium, in dem er sein Abitur gemacht hat.
Luft- und Raumfahrtingenieur Paul Zabel vor dem Lübbenauer Paul-Fahlisch-Gymnasium, in dem er sein Abitur gemacht hat. FOTO: Daniel Preikschat / LR

Im Juni wurden die Container auf dem Versuchsgelände des DLR-Instituts in Bremen komplett eingerichtet. Zabel und seine Kollegen haben das Gemüse eingesetzt. Gurken, Tomaten, Salat, Paprika, Spinat und Radieschen sowie diverse Kräuter. Paul Zabel, von Haus aus kein Gemüse-Experte, hat sich in den Niederlanden zum Pflanzenversteher ausbilden lassen. An der Universität Wageningen habe er gelernt, „wann es Pflanzen gut geht und wann es ihnen schlecht geht“.

In der Tat hängt viel ab von Paul Zabel. Denn sobald der Gewächshaus-Container steht und eingerichtet ist, bleibt er allein zurück, um die Pflanzen zu versorgen und - so hofft er - im März 2018 die erste Ernte einzufahren. Er müsse dafür das ganze Gewächshaussystem im Kopf haben, wissen, wie er gegebenenfalls etwas reparieren kann.

Von Ende März bis Mitte November sind in der Neumayer-Station nur noch zehn Forscher beschäftigt. Für lange Zeit die einzigen Menschen, denen Paul Zabel begegnen wird - im Essenraum, in der Bibliothek, im Fitness-Studio.

Das Projekt „Horizon 2020“ soll vor allem eine außerirdische Pflanzenzucht auf fremdem Planeten vorbereiten. Im antarktischen Winter ist die Umgebung extrem und lebensfeindlich. Die Temperaturen sinken bis auf minus 30 Grad Celsius und kein Sonnenstrahl dringt für Monate durch die polare Nacht. Daher lasse sich das extraterrestrische Gärtnern sehr realistisch simulieren. Gewächshäuser und die theoretischen Grundlagen dafür haben Paul Zabel aber schon in seiner Diplomarbeit an der TU Dresden beschäftigt. Über das gleiche Thema verfasst er derzeit, nebenbei in seiner Freizeit, eine weiter führende Doktorarbeit. Russen und Amerikaner, sagt Paul Zabel, haben schon in den Siebziger Jahren und Achtziger Jahren darüber geforscht. Nun fangen auch die Europäer damit an.

„Neben der Erprobung der Pflanzenzucht sind wir auch interessiert, wie die Mannschaft der Station auf die frische Bereicherung des Nahrungsangebots reagiert“, erklärt Projektleiter Daniel Schubert. „Besondere Freude wird es sicher über die Erdbeeren geben.“

Foto des DLR zum Antarktis-Experiment mit dem Lübbenauer Paul Zabel. Hier gehen die Erdbeeren auf Reisen.
Foto des DLR zum Antarktis-Experiment mit dem Lübbenauer Paul Zabel. Hier gehen die Erdbeeren auf Reisen. FOTO: DLR